Argentinien 2016

Pantalaimon
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Re: Argentinien 2016

Beitrag von Pantalaimon » 3. April 2019, 11:12

Hallo,

@ CABAC:
Ganz so arg hat es uns bisher noch nicht erwischt. Auf Nächte in nem durchgeweichten Zelt bin ich jedenfalls nicht besonders scharf. Aber zumindest eine eher "kreative" Nacht hatten wir auf dieser Reise dann später auch noch ...

Und weiter geht's ...

Nachdem wir (streckenmäßig) noch nicht wirklich weit gekommen waren, wollten wir nun erstmal ein paar Meter fahren. Wir hatten unsere Strecke als Rundweg geplant, weshalb wir der Straße nur noch kurz gen Westen folgten, um dann, an einem großen Kreisel im Niergendwo, nach Süden abzubiegen. Erst kurz hinter San Clemente stoppten wir erneut. Zwar waren es wieder "alte Bekannte" (in Form von Lobivia aurea), deren Knospen wir aus dem Auto erspäht hatten, aber wir hofften halt, dass ja vielleicht doch die ein oder andere Blüte offen war. Als wir uns dann den Pflanzen näherten, sahen wir, dass in den Büschen kleine Tillandsien-Büschel wuchsen. Vermutlich handelt es sich hierbei um Tillandsia capillaris - wobei ich zugeben muss, dass ich ziemliche Probleme damit habe, die sich zum Teil doch recht ähnlich sehenden Arten der UG Diaphoranthema auseinander zu halten (daher keine Garantie, dass die Namen stimmen).

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Zudem wuchsen hier erneut zahlreiche Gymnocalycium monvillei ...

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... und, wie bereits erwähnt, Lobivia aurea:

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Anschließend ging es weiter nach Süden. Obwohl die Landschaft hier wenig vielversprechend aussah, stoppten wir mehrfach, um nach Kakteen zu suchen, doch leider ohne Erfolg. Schade, denn ich hatte gehofft, irgendwo in dieser Gegend Gymnocalycium bruchii sehen zu können - einer meiner absoluten Lieblings-Gymnos. Schließlich biegt die Straße nach Osten ab und erreicht kurz darauf die ersten Häuser - und ich befürchtete schon, meine Hoffnungen begraben zu müssen. Allerdings zeigte ein kurzer Blick auf die Uhr, dass wir schon noch ein bissl Zeit hatten, und warum auf direktem Weg nach Alta Gracia zurückfahren und die Zeit in unserer Cabana abhocken? Also beschlossen wir, einfach wieder umzudrehen, zumal wir weiter nördlich an einer Stelle vorbeigefahren waren, die recht interessant aussah. Dorthin fuhren wir nun gezielt zurück, und siehe da: Nach kurzer Suche (und mehreren Lobivia aurea) tauchte der erste Gymnocalycium auf:

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Dies war zwar nicht der erhoffte Gymnocalycium bruchii, aber dafür etwas in dieser Gegend noch viel selteneres, von dem ich daher kaum zu hoffen gewagt hatte, jene Pflanzen hier zu finden. Tatsächlich handelt es sich hierbei um Gymnocalycium amerhauseri, wobei diese Population wegen der großen Verbreitungslücke zur Typpopulation auch als eigene Unterart gehandelt wird, nämlich als Gymnocalycium amerhauseri ssp. altagraciense. Nur weil die gezeigte Pflanze so schön prominent auf einem kleinen Felsen wuchs, hatten wir sie relativ leicht entdecken können - wobei der Wuchsort ein "Versehen" sein dürfte (sozusagen), denn G. amerhauseri wächst eigentlich nicht auf Fels und die Farbe der Epidermis zeigt, dass diese Pflanze ein wenig zu kämpfen hat. Aber wie immer gilt: Wo einer ist, da müssten doch eigentlich auch noch mehr sein, oder? Also begannen wir damit, gezielt das Gras nach weiteren Pflanzen abzusuchen, und tatsächlich fanden wir noch drei weitere. Hier der (mit 3cm im Durchmesser) Größte ...

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... und, gut versteckt (ja, man muss wirklich sehr genau schauen, wenn man nach diesen Pflanzen sucht), sogar einer mit ner ziemlich weit entwickelten Knospe:

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Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es hier neben G. amerhauseri und L. aurea auch wieder Parodia mammulosa (Notocactus submammulosus) gab, aber die hatten wir in den letzten Posts ja schon (und es gibt von späteren Reisetagen noch deutlich bessere Fotos).

Viele Grüße!
Chris

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Robby
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Re: Argentinien 2016

Beitrag von Robby » 4. April 2019, 18:50

Lieber Chris,

leider bislang keine Reaktion auf Deinen Reisebericht mit den tollen Fotos. Aber ich bin sicher, da gibt es ganz bestimmt viele stumme Genießer, also nur Mut, weiter so. Ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung.

Fast identische Bilder werde ich auch noch hier präsentieren. Ich bin festen Willens, meinen eigenen Reisebericht auch noch zu Ende zu führen. Und genau in dieser Gegend hatten auch wir den ersten und einzigen Regentag. Verregnete Blüten, die sich nicht richtig öffnen wollen, können irgendwie ganz schön nerven. Egal, Dein G.amerhauseri, soweit südlich, ist sehr interessant. Habe ich selbst nur aus der Sierra Chica im Norden kennen gelernt - toller Fund! Das erste Gymnofoto halte ich allerdings für G.quehlianum. Diese kleinwüchsige Form mit ihren wirr verbogenen Dornen haben wir reichlich um Alta Garcia, Tanti und Umgebung gefunden. Werde ich hier noch vorstellen.

Ganz prima finde ich auch Deinen Focus auf die Bromeliaceen. Da gibt es wirklich herrliche Arten, auch wenn ich mich da viel zu wenig auskenne. Dennoch darf ich hier sicherlich zwei Fotos mit meinen kritisch zu hinterfragenden Bestimmungsversuchen einfügen...
DSC05284-001.JPG
Dyckia floribunda RB3448a - Camino del Cuadrado, Cadonga, Cordoba 1088m
DSCN3019.JPG
Tillandsia bryoides RB3417a - westl. Tanti, Cordoba 946m
Freue mich auf Deine weiteren Fotos!
LG Robby

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Re: Argentinien 2016

Beitrag von gymnofan » 4. April 2019, 19:28

hallo Chris und Robby
bezüglich des ersten Gymnobildes stimme ich Robby auch zu;
doch die späteren Gymnos halte ich auch für G. amerhauseri, denn die "früheren" G. altagrciense mit der P Nummer 119 sehen doch noch etwas anders aus;
keine Bange Chris, hier wird sehr fleißig mitgelesen und bewundert
VG
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Manfredo
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Re: Argentinien 2016

Beitrag von Manfredo » 4. April 2019, 19:33

... hier wird sehr fleißig mitgelesen und bewundert
So isses! 8-)

Manfredo

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K.W.
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Re: Argentinien 2016

Beitrag von K.W. » 4. April 2019, 21:37

Robby hat geschrieben:Lieber Chris,

leider bislang keine Reaktion auf Deinen Reisebericht mit den tollen Fotos.
>>>

<<<
Na ja. . . ;)
Re: Argentinien 2016
Beitragvon CABAC » 18. März 2019, 18:40
Re: Argentinien 2016
Beitragvon K.W. » 19. März 2019, 00:09
Re: Argentinien 2016
Beitragvon K.W. » 19. März 2019, 23:45
Re: Argentinien 2016
Beitragvon CABAC » 22. März 2019, 18:04
Re: Argentinien 2016
Beitragvon CABAC » 27. März 2019, 21:10
Re: Argentinien 2016
Beitragvon K.W. » 27. März 2019, 22:01
Re: Argentinien 2016
Beitragvon CABAC » 28. März 2019, 20:27

Keine Reaktionen??? :mrgreen:


Herzliche Grüße

K.W.


Chris - danke für den neuen Teil des Reiseberichtes!!!
Zuletzt geändert von K.W. am 5. April 2019, 00:05, insgesamt 1-mal geändert.
We are all in the gutter, but some of us are looking at the stars.

Pantalaimon
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Re: Argentinien 2016

Beitrag von Pantalaimon » 5. April 2019, 00:01

Hallo,

danke für Eure Reaktionen! Wir sind überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass der erste der kleinen Gymnos ein anderer sein könnte. Wir dachten halt: Ok, der sieht ein bissl anders aus, liegt wahrscheinlich daran, dass er so unglücklich auf dem Stein wächst und kaum Substrat hat. Aber jetzt, wo Ihr es sagt, klingt das doch recht einleuchtend. :-)

@ Robby:
Lass es Dir ein Anreiz sein, uns auch den noch ausstehenden Rest Deines Reiseberichts zu zeigen. Denn ja, auch ich lese viel lieber die Reiseberichte anderer, als selbst zu schreiben. :oops:
Und, zwecks Bromelien-Bestimmung:
Bei der Rosette kann ich Dir ohne Blütenstand leider nicht weiterhelfen, dafür sind die xerophytischen Bromelien-Arten einfach viel zu variabel (und sooo super kenne ich mich mit denen dann doch auch wieder nicht aus). Meist kann man (also ich :lol: ) ohne Blütenstand kaum sicher die Gattung bestimmen, geschweige denn die Art. Wobei man über Google eine Pflanze bei Flickr finden kann, die Deiner bis auf's Haar gleicht und mit "D. floribunda" bezeichnet ist. Allerdings gebe ich auf Flickr als Quelle nicht allzu viel - und ein kurzer Blick in die Beschreibung der Art zeigt auch, dass es wohl eher nicht Dyckia floribunda ist, da die Blätter laut Beschreibung an ihrer breitesten Stelle (nahe der Basis) nur bis 2.5cm breit sind (Quelle: https://www.researchgate.net/profile/Pa ... IACEAE.pdf). Deine Pflanze erinnert mich eher noch an Dyckia manier-lapostollei, jedoch ist die Art in Brasilien endemisch. Die kann es also auch nicht sein. Sorry, dass ich Dir hier im Moment leider nicht weiterhelfen kann.
Die Tillandsia ist allerdings ganz sicher nicht T. bryoides, sondern T. capillaris oder T. virescens. Die beiden Arten sind sich sehr ähnlich und lassen sich sicher nur durch die vorhandene (T. virescens) oder (fast) nicht vorhandene (T. capillaris) Beschuppung der Blütenbrakteen unterscheiden. Wenn ich das richtig sehe, dann sind die Blütenbrakteen bei Deiner Pflanze kahl. Somit ist es T. capillaris. (Falls Dich das näher interessiert: DIE Expertin für jene Untergattung, zu der diese beiden Arten (und auch T. bryoides) gehören (UG Diaphoranthema), ist die Frau Hromadnik. Hier der Link zu der entsprechenden Thematik auf ihrer Homepage: http://www.tillandsia.at/capillaris.htm).

@ gymnofan:
... hier wird sehr fleißig mitgelesen und bewundert
Für Dich müsste das doch langweilig sein, schließlich kennst Du das doch alles schon. :-)

Viele Grüße!
Chris

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Re: Argentinien 2016

Beitrag von CABAC » 5. April 2019, 06:57

Hallo zusammen

und danke an Chris für seine Fortsetzung. Finde es nach wie vor gut, dass Du uns sehr viele Bromeliaceen zeigst.

Chris ich wandele gerne per Forum auf Deinen Spuren und erinnere mich gerne an meine Reisen durch dieses sehr schöne Kakteenland.

Besonders schon mal deshalb, weil es für meine nächste Reise ganz konkrete Pläne gibt und ich eine völlig andere Entdeckungstour machen möchte.


Was Deine gezeigten Gymnocalycium und ihre Nomenklatur betrifft, so kann ich mal wieder feststellen, dass bei denen die Vorkommen viel zu wenig und unzureichend untersucht wurde. Und deshalb sozusagen im Beschreibungswahn Namen vergeben worden sind , die nun zur Recht in Zweifel gezogen werden.

Mach(t) es gut

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Re: Argentinien 2016

Beitrag von gymnofan » 5. April 2019, 07:08

Hallo Chris

auf keinen Fall langweilig,denn Du hast ja auch einige Ecken besucht, an denen wir damals nicht waren, also auf jeden Fall interessant auch für mich
VG
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Re: Argentinien 2016

Beitrag von CABAC » 5. April 2019, 07:19

gymnofan,
wie recht Du hast!

Chris führt uns mit seinen Reisebericht in Regionen, durch die ich allenfalls durchfahren würde, um von einem für mich wichtigen Fundort zu einem anderen zu kommen.

Das Land ist ja riesengroß und um es in seiner ganzen Kakteenvielfalt zu erleben, bräuchte man vier oder fünf Leben, selbst wenn man sich nur für eine oder zwei Gattungen interessiert.

Mach(t) es gut

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Re: Argentinien 2016

Beitrag von Pantalaimon » 10. April 2019, 01:24

Servus,

ich schulde Euch noch den Rest des 1. Pflanzen-Tags. Here we go:

Voller Begeisterung ging es zurück zum Auto. Allerdings stand noch immer der von mir ersehnte Gymnocalycium bruchii aus, und nachdem wir jetzt ja schon etwas Übung im Finden kleiner Gymnocalycien hatten, wollten wir es noch einmal versuchen. Tatsächlich fand sich nur wenig weiter ein (bzgl. Vegetation und Lage) ganz ähnlicher Fleck. Wir beschlossen daher, hier unser Glück zu versuchen. An ein paar Felsen fielen uns jedoch erstmal mehrere, kleine Tillandsien-Büschel auf. Sehr wahrscheinlich handelt es sich auch hierbei wieder um Tillandsia capillaris:

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… und nur ein paar Meter weiter war es dann endlich soweit: Unser erster Gymnocalycium bruchii! Die Pflanze wuchs am Rand eines kleinen, trockenen Grasbüschels, teils von alten Halmen bedeckt (für die Fotos habe ich das Gras etwas entfernt):

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Meist mag man sich aber mit einem nicht zufrieden geben. Wir suchten daher noch ein wenig weiter, und tatsächlich fanden wir noch ein paar mehr, so z. B. diese Jungpflanze mit kaum 1cm im Durchmesser:

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Interessant ist, dass selbst alte Pflanzen meist nur wenig sprossen:

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Wir fanden sogar eine Pflanze mit Knospe. Schade, dass das Wetter viel zu schlecht war. So war an geöffnete Blüten natürlich nicht zu denken …

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… zumal das Wetter wieder zunehmend ungemütlicher wurde, denn während wir noch mit Fotografieren beschäftigt waren, begann es erneut zu nieseln. Wir beschlossen daher, es dabei zu belassen und zum Auto zurückzukehren. Auf dem Weg dorthin stolperten wir dann aber noch über diese hübsche, ca. Handflächen-große Gruppe. Offenbar sprosst Gymnocalycium bruchii doch auch hier am Standort vereinzelt stärker (mehr so, wie wir die Art aus Kultur kennen). Witzig ist zudem, dass die Bedornung dieser Pflanze wesentlich strubbeliger war als die der anderen.

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Glücklich und zufrieden kehrten wir zum Auto zurück – und gerade rechtzeitig, denn parallel dazu wurde der Regen dichter und kräftiger. In einem ordentlichen Landregen ging es anschließend zurück zu unserer Cabana nach Alta Gracia, wo wir den Tag mit einem leckeren Abendessen ausklingen ließen.

Viele Grüße!
Chris

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Re: Argentinien 2016

Beitrag von Pantalaimon » 15. April 2019, 12:03

Hallo,

und weiter geht's:

Am darauf folgenden Tag sollte es dann auf große Fahrt gehen. Wir kehrten Alta Gracia den Rücken, um auf einer der klassischen Gymnocalycium-Routen die Sierras de Cordoba von Ost nach West zu durchqueren. Los Gigantes stand heute auf dem Programm. Allerdings nahmen wir uns zunächst noch die Zeit, uns - zumindest kurz - Alta Gracia anzusehen. So finden sich direkt am zentralen Plaza Teile einer alten Estancia der Jesuiten, die seit dem 17 Jhd. in der Region missionierten. Der beeindruckenste Teil davon ist natürlich (CABAC hat sie schon gezeigt) die alte Missionskirche:

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Im Bereich des Plaza wachsen zahlreiche, teils sehr alte Bäume. Auf einigen davon fanden sich auch wieder Tillandsien-Büschel aus der T. capillaris-Gruppe. Leider hatte das schlechte Wetter tags zuvor zahlreiche Büschel heruntergeweht. Dies hatte allerdings den Vorteil, dass wir uns die Pflanzen mal aus der Nähe ansehen und in diesem Fall tatsächlich auch die Art bestimmen konnten. Das Problem ist nämlich, dass sich T. capillaris und T. virescens unglaublich ähnlich sehen und beide auch noch recht variabel sind. Es gibt allerdings ein recht leicht zu erkennendes Unterscheidungsmerkmal bzgl. der Blütenbrakteen. Diese sind bei T. capillaris (fast oder vollkommen) kahl, bei T. virescens hingegen beschuppt. Bei den Pflanzen hier sind sie kahl. Es handelt sich somit eindeutig um T. capillaris:

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Anschließend ließen wir Alta Gracia hinter uns und fuhren nach Norden. Wir durchquerten Villa Carlos Paz, folgten der "38" noch ein Stück nach Norden und bogen dann nach Westen auf die "28" ab. Bis Tanti ist die ganze Gegend noch sehr dicht besiedelt, aber hinter Tanti geht es dann in die Berge - naja, vielleicht sollte man eher "Hügel" schreiben, denn die "Berge" haben hier bestenfalls Mittelgebirgs-Charakter - und damit in die Natur. Hier der Blick zurück in Richtung Tanti und "Tal":

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Die "Berge" westlich von Tanti sind nicht mehr der östlichste Bergzug, sondern schon eine Hügelkette weiter westlich. Entsprechend sind die Hänge hier nicht mehr ganz so feucht, wie z.B. direkt westlich von Alta Gracia. Trotzdem sind die talnahen Bereiche sehr grün und mit Büschen, kleinen Bäumen und vielen Gräsern und Kräutern bestanden. Kommt man dann höher, so werden die Büsche und insb. die Bäume zunehmend weniger. Hier dominiert eine Mischung aus Felsen / Felsflächen und dazwischen Gräser und kleine Büsche:

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Natürlich ist solch eine Landschaft bei Kakteen sehr beliebt, weshalb wir hier mehrfach auf Erkundung gingen. Womit wir hingegen weniger gerechnet hatten, waren die Bromelien, die wir dabei fanden:

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Hierbei handelt es sich um Deuterocohnia longipetala, die wir bereits von unserer ersten Reise im Jahr 2012 kannten. Tatsächlich hat die Art ein riesiges Verbreitungsgebiet. Weiter im Westen Argentiniens sprosst die Art stark und bedeckt oft ganze Berghänge (und verhindert so die Erosion der oft lockeren Hänge, was es anderen Pflanzen ermöglicht, diese Hänge ebenfalls zu besiedeln). Hier fanden wir jedoch nur wenige Rosetten.

Interessant war jedoch, dass die Felsen hier oft dichten Flechten-Bewuchs aufwiesen - und bei genauerem Hinsehen sahen wir dann, dass nicht nur Flechten, sondern auch kleine Tillandsien die Felsen besiedelten.

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Hierbei handelt es sich um Tillandsia bryoides - eine der kleinsten Tillandsia-Arten überhaupt. Die "Stämmchen" dieser Art sind oft nur 5mm im Durchmesser und nur 3cm-4cm lang und machen damit ihrem Namen ("bryoides" = moosartig) alle Ehre. Die Art ähnelt T. pedicellata, unterscheidet sich von dieser jedoch in der Blütenfarbe (gelb statt lila) und - wenn die Pflanzen gerade nicht blühen - durch die direkt am Stämmchen ansetzende Samenkapsel (während bei T. pedicellata die Samenkapsel einen längeren "Stiel" entwickelt). Die Pflanzen hier sind (für T. bryoides) stark grau beschuppt.

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Später fanden wir die Art auch in feuchteren Gegenden (Prov. Salta), wo die Beschuppung weniger stark ist und sie daher etwas grüner erscheint.

Soviel für jetzt ... die Kakteen gibt's dann mit dem nächsten Update.

Viele Grüße!
Chris

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Re: Argentinien 2016

Beitrag von Robby » 15. April 2019, 16:07

Hallo Chris,

zunächst erstmal besten Dank für Deine aufklärenden und sehr ausführlichen Worte in Sachen Bromeliadaceen. Wie sagt man so schön - Schuster bleib bei deinem Leisten - ja, Bromeliengewächse anhand von Fotos und Standortsangaben zu bestimmen ist wohl doch eher eine Art von Lotterie. Diese Familie ist definitiv komplexer als meine Kakteen...

Wie Du ja schon erwähnt hast, Tanti ist für die Kakteenfreunde kein schlechter Ort, weshalb wir hier für zwei Nächte Quartier bezogen. Bei strahlendem Sonnenschein war alles voll in Blüte. Aber ich hoffe Du verzeihst mir, wenn ich die Gelegenheit nutze und in Deinem Bericht unseren Bromeliadaceen Beifang zeige. Und vorerst verzichte ich auch darauf, meine Bestimmungsversuche hier zu präsentieren. Ich denke, das kannst Du entschieden besser. Bei meinen zuletzt gezeigten Arten hast Du mich jedenfalls überzeugt. Anbei noch eine Art, wenig westlich von Tanti.
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LG Robby

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