Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

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Hardy_whv
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Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon Hardy_whv » 26. Januar 2019, 23:43

Vorgeplänkel, Planung und Tag 1 (=Anreise)


Hallo allerseits,


nach der tollen Baja-Reise 2017 – wir (meine beiden Reisegefährten und ich) berichteten an dieser Stelle – stand für mich fest, dass ich 2018 eine Reise nach Zentralmexiko unternehmen würde. Über diese Reise möchte ich an dieser Stelle traditionsgemäß berichten. Mit dem Format des letzten Berichts mit drei Berichterstattern kann ich diesmal allerdings nicht dienen: Ihr müsst mit mir vorlieb nehmen.

Die Suche nach Reisepartnern gestaltete sich schwierig. Meine bewährten Reisegefährten von 2017 standen 2018 nicht zur Verfügung und die mir bekannten Vielreisenden hatten 2018 andere Ziele als Mexiko auf dem Plan. Also schaltete ich eine Kleinanzeige in der KuaS – und in der Tat fand ich auf diesem Wege einen Reisegefährten. Er reist seit 14 Jahren nach Mexiko, seit seiner Pensionierung verbringt er jedes Jahr drei bis vier Monate in Mexiko und hat dort sogar ein eigenes Auto. Paradiesisch! Natürlich stand erstmal ein persönliches Kennenlernen auf dem Plan, das die gegenseitige Reisekompatibilität bestätigte.

Dann ging es an die Planung. Da das Jahr schon weit fortgeschritten war, gab es zwei Optionen: Eine Frühjahrsreise in 2019 oder eine Herbstreise 2018. Aus verschiedenen Gründen entschied ich mich für den Herbst. Im Herbst blüht zwar viel weniger als im Frühjahr, aber einige Herbstblüher gibt es schon, auch innerhalb meiner Lieblingsgattung, den Ferokakteen. Auch die Ariocacrpen sind typische Herbstblüher. Zudem wollte ich 2018 nicht ungenutzt lassen.

Ich wollte u. a. unbedingt Ferocactus haematacanthus (bitte nicht mit F. hamatacanthus verwechseln) und F. robustus sehen, ein Abstecher in den Südosten musste also eingeplant werden. Aber der Schwerpunkt der Reise lag doch eher weiter nördlich, wo die Kakteenvielfalt größer ist. Mein Reisegefährte übernahm die Detailplanung. Am Ende war eine fünfwöchige Tour ausgearbeitet, mit einer kleinen Verschnaufpause nach etwa dreieinhalb Wochen.

Vorab hier schonmal im Groben die im Verlauf der Reise zurückgelegte Route:

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Der Hinflug wurde für den 30.10., der Rückflug für den 04.12. (Ankunft in Deutschland am 05.12.) gebucht. Mit Lufthansa, Bremen – Frankfurt – Mexiko Stadt. Ich war so verschwenderisch, dass ich mir für den gut 12-stündigen Flug zwischen Frankfurt und Mexiko Stadt diesmal „Premium Economy“ leistete. Die Mehrleistung sind etwa 50 % mehr Raum um den Sitzplatz, verteilt auf vorne/hinten und zu den Seiten. Die Kniefreiheit war einfach toll:

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Nicht vergleichbar mit der „Käfighaltung“ bei Economy. Ich habe es genossen! Man kann bei Premium Economy auch noch einen zweiten Koffer von 23 kg mitnehmen, was ich aber nicht gebraucht habe. Zudem war im Auto (in Mexiko) nur Platz für einen großen Koffer. Mein Reisegepäck wog etwa 21 kg und enthielt (fast) alles, was ich brauchte. Auch die Verpflegung war recht ordentlich:

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Am 30.10. hatte ich den Wecker auf 04:00 Uhr gestellt, aber die Vorfreude ließ mich nicht gut schlafen, sodass ich den Schlafversuch um 03:00 Uhr abbrach. Der Flug Frankfurt – Mexiko Stadt in einer Boeing 747-8 dauert 12 Stunden und 20 Minuten:

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Nach der Ankunft stand zunächst die „Immigration“ an. Es war zeitgleich ein großes Flugzeug aus Amsterdam angekommen. Die Schlage vor mir war sehr lang und bewegte sich im Schneckentempo weiter. Ich erwartete eine längere Wartezeit, aber plötzlich tat sich in der Trassierung eine Lücke auf und ich wurde zu den Immigrationsautomaten weitergeschleust. Dort wird der Reisepass eingescant, und biometrische Daten (Fingerabdrücke, Foto) genommen. Zuletzt schaut sich ein Beamter die Papiere nochmal kurz an, und schon ist man in Mexiko. Es ging also viel schneller als befürchtet. Allerdings war dafür die Wartezeit am Gepäckband etwas länger. Nach geschätzt einer Stunde war ich dann mit Gepäck in Mexiko.

Mein Reisepartner war schon ein paar Tage früher nach Mexiko geflogen. Er holte mich am Flughafen ab und bildete quasi das „Empfangskomitee“ ;-)

Nach dem Umtausch meines Reisebudgets in Peso (ich hatte zunächst 2.000, EUR für die Reisekasse eingeplant), war die erste zu nehmende Hürde, bei Nacht aus Mexiko Stadt herauszukommen. Die ersten 20 bis 30 km waren durchgehend Stau oder Stop & Go. Später ging es dann etwas zügiger. Nachts auf mexikanischen Straßen zu fahren ist ein Abenteuer, das man, wenn möglich, vermeiden sollte. Es fehlt meist eine Fahrbahnmarkierung, oder Leuchtpunkte am Fahrbahnrand. Auch große Straßen (MEX) haben oft große und tiefe Schlaglöcher. Fahrräder haben in Mexiko grundsätzlich keine Beleuchtung, auch Autos fehlt oft das ein oder andere Licht. Aber nicht immer lässt sich eine Fahrt bei Dunkelheit vermeiden.

Die erste Übernachtung war in Zapotlan (HGO), der Ausgangspunkt für die bevorstehende Reise. Mit drei Ausnahmen wurden Hotel nie im Voraus gebucht, so auch hier nicht. Gegen 23:00 Uhr falle ich in die Koje. Seit dem Aufstehen in Sande sind 27 Stunden vergangen.

So, jetzt ist die Vorgeschichte erzählt. Ab dem nächsten Bericht geht’s um Kakteen, Landschaften, andere Sukkulenten, und ein wenig auch um Land und Menschen.


Gruß,

Hardy 8-)

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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon nobby » 27. Januar 2019, 06:40

Hallo Hardy,
wunderbar, dass Du Dich entschlossen hast, über Deine Reise zu berichten.
Der Anfang ist gemacht und ich bin bestimmt nicht der Einzige, der in den nächsten Tagen und Wochen aufmerksam nachschaut, ob das nächste Kapitel schon online ist.
Ich freue mich auf die Fortsetzung!
Liebe Grüße
Nobby

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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon Robby » 28. Januar 2019, 17:15

Klasse Hardy - toll dass Du Dir ein Herz gefasst hast und das Forum mit einem neuen Reisebericht bereicherst. Ich freue mich schon jetzt auf Deine Erlebnisse.

Deine Tour erinnert mich stark an mein erstes Mexikoabenteuer. Wir hatten damals eine recht ähnliche Route geplant, aber da ist jetzt 32 Jahre her. Eine Reiseplanung übers Internet gabs da noch nicht und das übliche Fortbewegungsmittel - sieh selbst. Und beim Fahrer musst Du (leider) auch noch einige Jahrzehnte hinzuaddieren...
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Grüßle
Robby

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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon CABAC » 29. Januar 2019, 16:43

Hallo Hardy,

vielen Dank dafür ,dass Du Deine Ankündigung so schnell in die Tat umgesetzt hast!

nobby hat Recht, auch ich werde von nun an sehr aufmerksam Deinen Reisebericht verfolgen.

Um meine Reisepläne umzusetzen bräuchte ich wohl noch ein Leben. Aber eine Feldforschungsreise nach Mexiko kommt darin nicht vor. Umso mehr freue ich mich, dass Dir am PC durch Mexiko folgen kann.

Ich freue mich deshalb auf Deine Fortsetzung.

Mach(t) es gut

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Hardy_whv
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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon Hardy_whv » 2. Februar 2019, 11:04

Tag 2: Zapotlan (HGO) - Cardonal (HGO)


Hallo allerseits,


die Ankündigung liegt ja schon ein paar Tage zurück. Jeder hatte also genug Zeit, Bier und eine Tüte Chips bereitzustellen. Jetzt geht's so richtig los.

Ich bin derzeit noch damit beschäftigt, einige der gesehenen Arten zu identifizieren. Aber das bedarf doch einiger Zeit, aber ich will dennoch zeitnah über die Reise berichten. Ich werde bei der Berichterstattung also noch nicht unbedingt alle Arten zuverlässig mit dem richtigen Namen ansprechen können. Aber so ein Bericht kann ja auch bei der Namensfindung helfen.

Los geht’s mit Tag 2 der Reise (31.10.2018), der uns von Zapotlan nach Cardonal führt. Wir bewegen uns also in Hidalgo:

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Die Tagesroutine für die Reise beginnt üblicherweise mit dem gemeinschaftlichen Frühstück um 08:00 Uhr. Mit leerem Magen und ohne einen Kaffee als Muntermacher macht die Kakteen(foto)jagd schlicht keinen Spaß. Dann geht’s los.

Wir fahren auf der MEX gen. Nordwesten und halten südlich von El Durazno. Zum ersten Fundort gibt es keinen Weg. Querfeldein geht’s auch. Jedenfalls mit diesem Auto, einem Ford Lobo:

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Bereits am ersten Fundort zeigt mein Reispartner, was sein Auto kann. Das was wir fahren, ist kein Weg. Aber so ein Ford Lobo kann fast überall fahren. Wir sollten diese Fähigkeiten auf so mancher unbefestigten „Straße“ noch schätzen lernen (bzw. genaugenommen ich, denn mein Reisepartner kennt sein Auto ja schon).

Und bald lassen uns die ersten violetten Tupfer anhalten. Hier sieht es noch so aus, als würde ich mit einer Opuntia liebäugeln …

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… aber nein, es ist Ferocactus latispinus:

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Besser gesagt, mehrere Ferocactus latispinus:

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Auch ohne Blüten sehen sie recht attraktiv aus:

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Die Art kommt hier auch in der gelbdornigen Varietät flavispinus vor. Diese Form neigt dazu, eher heller, cremefarben bis fast weiß, zu blühen. Wie dieses Foto aber zeigt, kann auch ein "flavispinus" kräftig violett blühen:

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Auch Nachwuchs ist in beruhigender Anzahl vorhanden:

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Aber auch Nicht-Fero-Liebhaber kommen auf ihre Kosten:

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Stenocactus sp.. Bei den Stenokakteen habe ich eigentlich immer das Problem, die Art auch nur ansatzweise einzukreisen. Wer einen Stenocactus-Fachmann kennt, wäre ich an der Vermittlung der Kontaktdaten interessiert. Relativ sattelfest fühle ich mich nur bei S. multicostatus sowie S. coptonogonus, die wir auf der Reise auch noch sehen werden.

Auch die Mammillarien werden zur Herausforderung. Aber ein paar liebe Freunde helfen mir bei der Bestimmung. Das sollte Mammillaria magnimamma sein:

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Die Art ist weit verbreitet und dementsprechend vielgestaltig. Viele lokale Formen haben eigene Namen, wir werden noch ein paar davon kennenlernen.

Größere Polster von Echinocereus cinerascens gibt es auch die nächsten Tage noch des öfteren zu sehen:

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Sie sind meist eher etwas unansehnlich:

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Eine kleine Augenweide sind die herrlich bunt gezeichneten Heuschrecken an den ersten Stopps des Tages. Sie sind aus Fotografensicht nicht immer kooperativ, aber immerhin gelingt der ein oder andere Schnappschuss:

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Immer wieder beeindruckend ist, wie es den Ameisen gelingt, die Umgebung des zentralen Eingangs zu ihrer Behausung so ordentlich zu halten:

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Ich ertappe mich, dass ich dazu neige, viele Pflanzen "close-up" zu fotografieren und dabei vergesse, auch zu zeigen, wie denn die Landschaft dazu aussieht. Ich nehme mir vor, das im Laufe der nächsten Tage zu optimieren.

Der Untergrund ist recht felsig, ich würde sagen, fast lava-artig:

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(Ich müsste meine geologischen Kenntnisse noch etwas ausbauen …)

Wo es weniger felsig ist, ist die Vegetation üppiger:

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Ein weiteres Ziel des Tages, ist es Mammillaria amajacensis zu finden. Fundortdaten sind vorhanden. Die unbefestigte Straße dahin ist in desolatem Zustand. Es hatte wohl auch viel geregnet.

Entlang des Weges lächelt uns noch eine Steoncactus-Blüte an, die natürlich auch dokumentiert wird:

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Letztendlich erreichen wir den Fundort, ohne dass das Auto zusammenbricht. Diese Mühen müssen ja nun auch belohnt werden, und in der Tat finden wir etwa sieben oder acht Pflanzen vor. In diesem Gelände in der Nähe von Magdalena werden wir dann fündig:

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Eine recht aparte Art, die ich noch nicht kannte. Ich setze sie mal auf meine Aussaat-Wunschliste. Die aktuelle Samenliste des Arbeitskreises für Mammillarienfreunde hat sie im Sortiment.

Bis zum vorgesehenen Übernachtungsort, Cardonal, ist es noch ein ganzes Stückchen. Wir machen uns auf den Weg. Unterwegs halten wir in der Nähe von Mineral de Monte noch einmal an, wo Mammillaria rhodantha direkt am Straßenrand wächst:

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Immer wieder hübsch anzusehen sind die Tillandsien:

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Vermutlich die weit verbreitete Tillandsia recurvata.

Es wird schon dunkel, als wir gegen 19:00 Uhr durch Ixmiquilpan kommen. Der Ortsname will mir so schwer über die Lippen, obwohl doch relativ einfach. Mein Reisepartner ist amüsiert. Wir entschließen uns dafür, hier zu essen, denn Cardonal ist ein recht kleiner Ort. Zudem schließen Restaurants in Mexiko (auf dem Lande) oft schon sehr früh.

Nach dem Abendessen ist es stockdunkel und regnet kräftig. Die letzten 23 km bis nach Cardonal sind beschwerlich. Es sind nicht nur die Schlaglöcher und die fehlende Fahrbahnmarkierung, die das Fahren bei Dunkelheit erschweren, auch die Topes, die zur Verkehr-/Geschindigkeitsregulierung überall da installiert sind, wo Fußgänger theoretisch die Straße queren könnten, behindern das Vorankommen. Schon tagsüber sind sie oft schwer zu erkennen, manchmal gar nicht ausgezeichnet. Nachts hilft es, wenn ein ortskundiges Auto vor einem fährt, das zur rechten Zeit abbremst.

Wir übernachten im Hotel „Avenida“, einfach, aber okay und sehr günstig: 250 Peso pro Person, also umgerechnet 12,- EUR. Das Internet ist eher schlecht bis nicht funktionsfähig, soweit ich mich erinnere.

So, das war der erste Tag. Über Kommentare, ergänzende Hinweise oder Anmerkungen zu der ein oder andere Art (oder gar falschen Bestimmung) würde ich mich sehr freuen. Die Berichterstattung soll ja nicht nur eurer Unterhaltung dienen, sondern auch der Qualitätssicherung meiner Reisedokumentation ;-)


Beste Grüße,

Hardy 8-)
Zuletzt geändert von Hardy_whv am 3. Februar 2019, 08:08, insgesamt 5-mal geändert.

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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon nobby » 2. Februar 2019, 11:36

Hallo Hardy,

schön, dass es weitergeht.
Ich lese zwar begeistert mit, aber eine vernünftige Information zu mexikanischen Kakteen darfst Du von mir nicht erwarten.
Straßen ohne Markierung bei Dunkelheit kenne ich auch - mutig, dort zu fahren. Vor allem, wenn noch die Möglichkeit besteht, dass plötzlich ein Tier - egal ob wild oder nicht - vor einem steht.
Freue mich auf die Fortsetzung!

Herzliche Grüße
Nobby

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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon Hardy_whv » 2. Februar 2019, 12:09

Moin Norbert!

nobby hat geschrieben:Ich lese zwar begeistert mit, aber eine vernünftige Information zu mexikanischen Kakteen darfst Du von mir nicht erwarten.


Ich hätte mich vielleicht klarer ausdrücken sollen: Es dürfen natürlich auch Nicht-Mexiko-Experten hier mitlesen und mitdiskutieren ;)

nobby hat geschrieben:Straßen ohne Markierung bei Dunkelheit kenne ich auch - mutig, dort zu fahren. Vor allem, wenn noch die Möglichkeit besteht, dass plötzlich ein Tier - egal ob wild oder nicht - vor einem steht.


Ja, das Fahren bei Dunkelheit war auch die absolute Ausnahme. Ich glaube, das hatten wir während der fünf Wochen nur etwas drei- oder viermal.

Beste Grüße,

Hardy 8-)

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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon CABAC » 2. Februar 2019, 13:15

Hallo Hardy_whv,

Danke für die überreich bebilderte 1. Fortsetzung Deines Reiseberichtes.

Wie ich schon in meiner ersten Antwort schrieb, bin ich weder Mexikoexperte noch zieht es mich zu einer Feldforschungsreise dort hin.

Ich verfolge aber mit Begeisterung Deine Reisebeiträge.

Bezüglich eures Fortbewegungsmittels, wird meine Überzeugung bestätigt, dass es unbedingt Sinn macht, ein leistungsstarkes und 100 % geländetaugliches Fahrzeug (wenn möglich sogar mit Seilwinde) für Feldforschungsreisen zu benutzen.

Mit so einem Fahrzeug steht und fällt eine Reise. Gut, die Fundorte von Weingartia neumanniana oder Kaktus spec RB 60 werde ich auch mit einen Ford Bronco, Toyota Hylux oder Landrover nicht anfahren können, da bleibt mir eben nur der stundenlange kräftezehrende Fußmarsch mit zum Teil waghalsigen Kletterpartien. Die letzten beiden Reisen habe ich auch mit einem Vorderrad angetriebenen Renault Duster gemacht und bin mit ihm Strecken gefahren, die ich mit meinem privaten 4WD nicht fahren würde, es gab Momente wo ich nicht weiter gefahren bin.

Tja und dass Fahrten bei Dunkelheit auf unmarkierten Pisten ihren Reiz haben, kann ich nur bestätigen. Gehören dazu, brauche ich aber bestimmt nicht jeden Reisetag.

Freue mich auf Deinen nächsten Bericht.

Mach(t) es gut

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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon Robby » 2. Februar 2019, 18:29

Hallo Hardy,

Tag 1 zeigt schonmal beeindruckende Aufnahmen - gefällt mir sehr!

Mit den Echinofossulos (nein, Stenocactus mag ich nicht) kann ich Dir vielleicht ein klein wenig weiterhelfen. Seit Jahren bin ich bemüht, anhand von Erstbeschreibungen und Auswertung von unzähligen Standortsaufnahmen etwas Ordnung in diese Gattung zu bringen. Einen Experten auf dem Gebiet gibt es allerdings ganz bestimmt nicht. Zuviele Namen und zu wenig Fakten...

Deine beiden gezeigten Arten dürften wahrscheinlich E.pentacanthus (Bild 1) und E.anfractuosus (Bild 2) sein.

Kann es sein, dass ihr M.amajacensis etwas weiter östlich von Magdalena gefunden habt, bei der Querung des Canyons?

Freu mich schon auf die Fortsetzung.

Grüßle
Robby

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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon Manfredo » 3. Februar 2019, 02:59

Hola Don Hardy,

auch von meiner Seite besten Dank für Deinen Mexiko-Reisebericht, auch wenn ich ja gerade auf einem anderen Gleis unterwegs bin.

Dass der "Flavispinus" auch dunkle Blüten macht überrascht mich ziemlich, habe ich bis jetzt nicht gewußt. Man lernt halt nicht aus.

Muchos saludos de Huasco
Don Manfredo

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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon Hardy_whv » 10. Februar 2019, 14:37

Tag 2: Cardonal (HGO) – Pachuca (HGO)

Hallo allerseits,


mir fehlt in der Woche leider die Zeit, den Bericht fortzuschreiben. Insofern wird es wohl meist nur von Wochenende zu Wochenende weiter gehen. Naja, bis Weihnachten sollten wir in diesem Tempo dann durch sein ;-)

Der dritte Tag (01.11.18) führt uns von Cardonal (Hidalgo) nach Pachuca (Hidalgo), und damit fast wieder an den Ausgangspunkt des Vortages, aber halt über eine andere Strecke:

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Also ein Halbkreis entlang der MEX 105 über Metztitlán und Venados nach Pachuca, mit einem Abstecher in die Barranca de Tolantonga.

Bei Tageslicht lässt sich nun auch das Hotel fotografieren:

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Viele einfache Restaurants bieten in Mexiko kein Frühstück an. So versuchen wir unser Glück im Ort.

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Dort gibt es zwar mindestens ein entsprechendes Etablissement, aber das hat an diesem Tage geschlossen. Nach einem Nescafé in der Rezeption des Hotels geht es mit knurrendem Magen auf die Weiterreise Richtung Metztitlán. Schon 1 km außerhalb der Ortschaft halten wir erstmals an. Bereits die ersten Stopps bescheren uns interessante Pflanzen:

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Die goldgelben Mammillaria elongata sind nicht zu übersehen:

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Auch nicht zu übersehen natürlich Echinocactus platyacanthus, wenngleich hier noch in einer sehr handlichen Größe:

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Im Vordergrund sind noch eine Neolloydia conoidea und eine Coryphantha (cornifera) zu erkennen.

Neolloydia conoidea ist sehr weit verbreitet und entsprechend vielseitig im Erscheinungsbild. Wenn es mehr Neolloydia-Liebhaber gäbe, bestünde die Gattung sicher schon aus mindestens 10 Arten ;-)

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Das ist entweder eine Mammillaria pseudocrucigera oder aber M. sempervivi:

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Damit es nicht zu kakteen-lastig wird, zur Abwechslung mal ein paar Agaven, entweder A. stricta oder A. striata:

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Und ein unbekannter Schmetterling auf einer unbekannten Agave:

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Ganz in der Nähe soll auch ein Fundort von Turbinicarpus pseudomacrochele sein. Der ist schon etwas schwieriger ausfindig zu machen, aber nach etwas Suchen werden mehrere Pflanzen gefunden:

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An einigen Stellen sind transparente Etiketten angebracht, allerdings ohne Beschriftung. Vermutlich haben hier ein paar Botaniker Feldstudien vorgenommen:

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Die Turbinis standen dort alle in klitschnassem Erdreich. In der trockenen Jahreszeit sehen sie vermutlich ganz anders aus.

Jungpflanzen von Echinocactus platyacanthus sind auch recht hübsch anzusehen:

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Und ganz speziell für Robby – ein Steno- bzw. Echinofossulocactus:

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Auf der Strecke nach Tolantongo begrüßen uns die ersten Cephalocereus senilis:

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Dort und später hinter San Pablo Tetlapaya sehen wir dann die ersten Ferocactus glaucescens:

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In der Barranca de Tolantongo ereignet sich dann, was ich später als "das Tankdrama" im Tagebuch vermerkt habe. Mein Reisegefährte meint, bei einem über 100 Liter fassenden Tank sei vorausschauendes Nachfüllen eher was für Weicheier. So tuckern wir eine ganz Weile mit leuchtender Tankwarnanzeige durch weitestgehend menschenverlassenes Gebiet. In einer kleinen Siedlung finden wir ein Häuschen, dessen Besitzer Benzin in Kanistern verkauft. Gerettet! Hinzu kommt, dass sich nach einer Aktion mit Vierradantrieb mit Differentialsperre das Getriebe nicht mehr auf Zweiradantrieb zurückschalten lässt. In Folge ist die Geschwindigkeit auf etwa 20 km beschränkt, und so verbraucht der Wagen natürlich nochmal etwas mehr. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich aber auch dieses Problem später beheben.

Entlang des Weges sind noch viele interessante Pflanzen zu verzeichnen. So u. a. Ferocactus echidne:

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Mit sehr aparten Blatträndern - Agave xylonacantha:

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Und hier zusammen mit Mammillaria geminispina:

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Ein noch unbestimmtes Dickblattgewächs:

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Astrophytum ornatum, leider in unerreichbarer Höhe:

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Cuscuta sp. Ist immer wieder hübsch anzusehen. Der Parasit bringt etwas Farbe in die Landschaft:

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Hierbei soll es sich um Mammillaria seitziana handeln, nah mit M. magnimamma verwandt:

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Von Turbinicarpus horripilus sehen wir nur wenige Exemplare, aber immerhin eines in Blüte:

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Wir treffen auch auf die ersten "epiphytischen Kakteen" - Säulen und Opuntien:

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Dieses Prachtexemplar einer Mammillaria schiedeana soll den Bericht für heute beschließen:

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Wir übernachten in Pachuca, Hotel "Las Avenidas" für 495,- Peso pro Person (umgerechnet 24,- EUR). Der Hotelname ist sehr ähnlich dem von Cardonal, es ist aber doch ein anderes Hotel. Auf der Baja konnte man übrigens fast überall gut in US Dollar zahlen, aber in Zentralmexiko ist das aber eher weniger üblich.

Macht's gut!


Beste Grüße,

Hardy 8-)

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Re: Fünf Wochen Zentralmexiko im Herbst 2018

Beitragvon CABAC » 10. Februar 2019, 19:51

Hallo Hardy,

was gibt es Schöneres, als an einem total verregneten Sonntagnachmittag mit Dir und Deinem Reispartner in aller Ruhe und mit einem großen Pott Tee samt frisch gebackener Waffeln durch Mexiko zu reisen.

Es gab mal eine Zeit, da war ich so vermessen zu glauben bei Neolloydia conoidea einen Überblick zubekommen und habe sie nach Verbreitungsgebieten gesammelt. Fazit, diese Art ist für mich so etwas wie eine Leitart, so ähnlich wie Aylostera in Bolivien. Dort wo die nicht vorkommen, gibt es auch keine anderen Kakteen.

Hardy, danke für Deine Mühe und auf Deinen nächsten Bericht freue ich mich unbändig.

Mach(t) es gut

CABAC

BTW: Bei Verfassen dieses Beitrages schaut mir jemand über die Schulter und meint, warum ich noch nie in Mexiko auf Kakteensuche gegangen bin? Immer nur Argentinien, Bolivien , Chile oder der Canarische Archipel wären doch langweilig.
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