Argentinien - der Nordwesten

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon gymnofan » 12. Februar 2018, 13:00

hello Robby
uns ist es damals auch aufgefallen, daß die Bedornung der Pflanzen an der Cuesta de Miranda bei zunehmender Höhe deutlich stärker und wilder wurde
Vg
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon CABAC » 14. Februar 2018, 08:09

Hallo Robby,
danke für die Fortsetzung. Wie immer schöne Bilder und gute Informationen.

Bei den Vorkommen von Gymnocalycium rhodantherum finde ich es auch traurig, dass diese nun der Landwirtschaft zum Opfer fallen.

Ja und wer besonders farbige Blüten von Tephrocactus alexanderi erleben möchte, sollte in dieser Region öfters mal anhalten.

Mir gelang da auf der ersten Reise diese Aufnahme:

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Tephrocactus alexanderi



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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Robby » 24. Februar 2018, 15:56

Schöne Aufnahme, die zeigt, welche knallige Blütenfarbe die Tephros hier haben - danke fürs Zeigen CABAC!

Heute gibt es den letzten Teil unseres Tagesausflugs von Chilecito aus. Auf der neu ausgebauten Schnellstraße ist die Passhöhe der Cuesta de Miranda bald erreicht. Dort oben kann man den Wagen gut abstellen und zu beliebig langen Wanderungen in die Berge aufbrechen - wenn man denn ausreichend Zeit hätte...
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Aber schon nach einigen hundert Metern finden wir wieder G.rhodantherum 'mirandense'. Hier bleiben die Pflanzen sehr kompakt. Es scheint, als würden sie aus dem nackten Felsgestein erwachsen. Rein mineralische Substrate sind für diese Art in Kultur sicher die beste Wahl. Die rosa Blüten zeigen wieder die markant karminrot gefärbten Staubbeutel. Wir finden keine Blüten die nicht mehr oder weniger abgefressen sind.
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Weitere Arten hier oben sind Tunilla corrugata und Denmoza rhodacantha. Letztere verblüfft aufs Neue durch ihr extrem unterschiedliches Erscheinungsbild je nach Alter der Pflanzen. Auch hier lieben die Denmozas wieder die Gesellschaft von Abromeitiella brevifolia.
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Leider drängt die Zeit und wir müssen uns auf den Rückweg nach Chilecito machen. Aber wir haben uns vorgenommen, im Flachland östlich von Sañogasta noch nach Gymnocalycium bodenbenderianum 'kozelskyanum' Ausschau zu halten. Ja, und man weiß ja nie, wieviel Zeit eine solche Suche erfordert. Tatsächlich waren mehrere Stopps notwendig. Die hier sehr eng stehenden Dornensträucher in Kombination mit einer mörderischen schwülen Hitze ohne jeden Lufthauch macht das Unterfangen nicht gerade einfacher. Gerade als das Murren meiner Frau kritische Formen annahm, konnte ich die erste Pflanze erspähen.

Es ist ja so eine Sache mit dem Kakteensuchen - wenn es keine gibt, dann findet man auch keine, egal wie lange man sucht. Und ob es welche gibt, nun ja, das weiß man halt erst, wenn man die erste Pflanze entdeckt hat. Meist ist das Auge dann entsprechend fixiert und schnell werden weitere Pflanzen entdeckt - so auch hier. Wie meist in dieser Gegend finden sich auch wieder einige G.saglionis in der Nachbarschaft.
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Zurück in Chilecito gilt es noch ein Industiedenkmal deutscher Bauart zu bestaunen. Die Materialseilbahn 'Cable Carril La Mejicana' war zu ihrer Zeit die längste Seilbahn der Welt. Im Jahre 1905 wurde die 35 km lange Bahn, gebaut von der deutschen Firma Firma Adolf Bleichert & Co aus Leibzig, in Betrieb genommen. Erze aus Minen in über 4.000m Höhe wurden so nach Chilecito gebracht und per Bahn Richtung Atlantik verfrachtet. Die lesenswerte Historie dieses Bauwerks kann man bei Wikipedia hier nachlesen.
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Das nächste mal geht es dann auf eine 450 km Etappe bis in den Ferienort Mina Clavero in Córdoba. Klar, dass es auf so einer weiten Strecke wieder viel zu sehen gab, aber davon das nächste mal...

LG
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon gymnofan » 24. Februar 2018, 16:52

Hallo Robby
übrigens ist Walter Rausch mit Minenarbeitern der damaligen Seilbahn La Mejicana mit dem LKW mitgefahren und hat dann in der vermuteten Höhe von 3000-35000 m seine G. ritterianum gefunden; er hatte damals natürlich keinen Höhenmesser und hat später bestätigt, daß er die Höhe nur nach den umgebenden Bergen geschätzt habe; wir hatten aufgrund seiner angaben und mit weiteren angaben der Einheimischen dieses schöne G. ritterianum bereits in einer Höhe von 1800 m gefunden direkt unter der alten Seilbahntrasse
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon CABAC » 24. Februar 2018, 19:17

Hallo zusammen,

dem Robby danke ich für seine Fortsetzung.

Es war bei mir jedes Mahl unvermeidbar, dass ich auf jeder Argentinienreise durch Chilecito gefahren oder habe zumindest angehalten um zu tanken oder einzukaufen.

Und dem Gymnofan danke ich auch für seine Antwort. Sie bestätigt meine Erfahrung, dass Walter Rausch zumindest auf seinen ersten Reisen die Höhe seiner Fundorte grundsätzlich geschätzt haben muss.

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Robby » 4. März 2018, 09:09

Nachdem sich hier der Kälteeinbruch verzogen hat und uns die ersten Vorfrühlingstage wieder in den Garten ziehen, möchte ich schnell noch eine Fortsetzung unseres Reiseberichtes einschieben.

Tag16 (27.11.2015): Chilecito - Los Colorados - Patquia - Chamical - Villa de Soto - Salsacate - Mina Clavero
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Eine weite Strecke liegt heute vor uns und wir brechen bereits bei Einbruch der Morgendämmerung auf. Die ersten Aufnahmen des Tages widmen wir einigen Oldtimern, welche es in Argentinien gelegentlich noch zu bestaunen gibt.
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Ford Falcon Baujahr ca. 1967


Nach etwa 60 km in südlicher Richtung auf der RN74 beginnt das erste Kribbeln und wir müssen das ebene Terrain erkunden. Massenbestände mit Tephrocactus articulatus erwarten uns. Wegen der hier wunderschön ausgeprägten weißen Papierdornen benennen wir sie als 'fa. papyracanthus'.
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Vereinzelt finden wir auch das etwas wärmeliebendere Gymnocalycium schickendantzii mit den typisch seitlich erscheinden Blüten.
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Parallel zu Straße begegnen wir der ehemaligen, heute verfallenen Eisenbahnlinie, welche früher zum Abtransport der Erze aus Chilecito nach Cordoba diente. Die Strecke mit einer 1m-Spurweite wurde 1899 fertiggestellt.
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Das nächste Ziel, welches wir ausgiebig erkunden möchten, wird von Kakteenfreunden sehr häufig angesteuert. Markant erheben sich die rot leuchtenden Felsformationen der Sierra Los Colorados am Horizont. Unser Augenmerk richtet sich vorerst auf die östlich gelegenen Ausläufer der Sierra Velasco, welche hier sehr nahe an die Sierra Los Colorados heranreicht. Noch bevor wir beginnen, die Hügel zu erklimmen, finden wir ein Prachtexemplar von Gymnocalycium bodenbenderianum.
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Heftig bedornte Lobivia aurea fallax sind neben den prächtigen Säulen von Trichocereus terscheckii die ersten Kakteen, die wir finden. Zu dieser Tageszeit um 10:00 Uhr morgens, präsentieren sie sich noch mit herrlich geöffneten Blüten.
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Was wir hier und in der Folge auch an weiteren Haltepunkten entlang der Sierra Velasco an Gymnocalycien finden, scheint ein Schmelztiegel verschiedener, nahe verwandter Arten zu sein. Hier treffen Arten aus dem Nordosten (G.mazanense/hossei/nidulans), G.rhodantherum aus dem Nordwesten, G.castellanosii aus dem Südosten und G.acorrugatum aus dem Südwesten aufeinander. Wir machen es uns einfach und benennen die Pflanzen als Gymnocalycium coloradense (F. Berger spec. nov. - Gymnocalycium 19(4), p. 691-696 (2006)).
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Immer wieder schweift unser Blick hinüber zur Sierra Los Colorados, welche sich in malerischem Morgenlicht präsentiert. Opuntia sulphurea und große Gruppen mit Lobivia huascha finden wir hier ebenfalls.
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Weitere Impressionen dieser kakteenreichen Gegend zeige ich gerne das nächste mal.

LG
Robby

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon gymnofan » 4. März 2018, 09:13

Hallo Robby
"freu,freu", daß es wieder weitergeht in der tollen Gegend;
mit Deiner Sicht, daß dort etliches zusammentrifft gebe ich Dir vollkommen recht, beim ersten Bild tippe ich mal noch auf ein typisches G. rodantherum, während die anderen sicher dem G. coloradense zuzuordnen sind
bin schon auf die Fortsetzung gespannt
VG
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon CABAC » 6. März 2018, 21:32

Hallo Robby,

danke für die Fortsetzung aus einer Region, die mir auch noch sehr gut in Erinnerung ist. War ja im Januar 2016 dort gewesen, bin also in Euren Fußstapfen gewandelt.

Naja und die dort vorgefundenen Kakteen begeistern mich heute noch. Fand, wer Feldstudien über Tephrocactus articulatus machen möchte, findet in der Region ein reiches Betätigungsfeld. Habe selten ein größere Vielfalt angetroffen:
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Tephrocactus articulatus


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Tephrocactus articulatus
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Tephrocactus articulatus
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Tephrocactus articulatus


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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Robby » 10. April 2018, 18:09

Eigentlich nicht die richtige Zeit für Reiseberichte - endlich scheint ja hier das Frühjahr mit Macht zu starten. Egal, vielleicht findet ihr ja etwas Zeit für ein paar Fotos aus Argentinien...

Heute werde ich euch nicht mit allzu viel Text belasten und lass dafür lieber die Bilder sprechen. Wir sind noch immer bei der Sierra Los Colorados in La Rioja. Zunächst gilt es die Formenvielfalt von Gymnocalycium bodenbenderianum zu bestaunen. Angesichts dieser Vielfalt an nur einem Standort fällt es schwer, sich mit der Abtrennung diverser Formen mit zahllosen Namensgebungen anzufreunden. Offensichtlich scheint hier so eine Art genetische Quelle dieser Art zu sein...
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Hier gibt es wieder Reste der historischen Eisenbahnverbindung von Chilecito nach Córdoba zu entdecken. Die Populationen des G.bodenbenderianum gibt es nur in der Ebene zu finden. Die Art meidet die felsigen Anhöhen.
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In den Bergen finden sich dagegen spektakulär bedornte Gymnocalycium coloradense. Hier bietet sich viel Raum für Spekulationen in Sachen Namensgebung. Die verwandschaftliche Nähe zu anderen Arten hab ich ja bereits das letzte Mal angesprochen.
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Weitere Arten in den felsigen Hängen der südlichen Sierra Velasco sind Lobivia huascha, welche sich erfreulicherweise mit Blüten präsentierte, Lobivia aurea fallax, Gymnocalycium saglionis und Trichocereus terscheckii in voller Blüte.
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Wir verlassen die Sierra Los Colorados und machen einen großen Sprung nach Salsacate in Cordoba, wo uns eine völlig andere Flora und Fauna erwartet - aber davon das nächste Mal.

LG
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon gymnofan » 11. April 2018, 11:10

HAllo Robby
toll, daß es wieder einen Reisetag gab mit tollen Bildern der dort wirklich extrem vielfältigen G. bodenbenderianum und den wirr bedornten G. coloradense

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon nobby » 11. April 2018, 17:01

Hallo Robby,

schön, dass Du weiterziehst.
Wir waren vor einigen Jahren extra zur Sierra Los Colorados gefahren, um diese Pflanzen zu sehen:

E_bulbo.JPG
Eriosyce bulbocalyx


Waren sie nicht mehr da, oder waren sie nicht Teil Eures Beuteschemas?

Herzliche Grüße
Nobby

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon CABAC » 11. April 2018, 20:32

Hallo zusammen

und ein großes Dankeschön an Robby für die Fortsetzung seines Reiseberichtes.

Er erfüllt mich angesichts der tollen Bilder mit Wiedersehensfreude, aber auch mit Nachdenklichkeit. Nachdenklich, weil Graham Charles nach wie vor G. coloradense (Berger) bei Gymnocalycium rhodantherum lässt. Der von mir sehr geschätzte Franz Berger hat sich mit der Umkombination sicherlich keinen guten Dienst erwiesen.

Tja nobby, du wirst sicherlich Recht mit deiner Annahme haben, dass das etwas abweichende Aussehen von den ostandinen Pyrrhocactus bulbocalyx dazu geführt hat, dass sie Opfer eines Beuteschemas wurden. Kein Wunder, denn Pyrrhocactus bulbocalyx hat in dieser Region einen eigenen Typus entwickelt:

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Pyrrhocactus bulbocalyx

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Pyrrhocactus bulbocalyx


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