Ärger mit dem deutschen Zoll

perez-suares
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Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon perez-suares » 11. Oktober 2017, 14:03

Wie einige von euch wissen, lebe ich mehrere Monate auf Gran Canaria und aber auch in Deutschland.
Ich habe ein Fabel für Aloen und pflege viele Spezies auf meiner Finca auf Gran Canaria.
Im Juli bestellte ich 8 Aloesämlingspflanzen bei Herrn Castillon auf Reunion, ich bezahlte im Voraus.
Herr Castilloon schrieb mir, weil er die Aloen ohne Phytho schicke, er mir die Pflanzen nur nach Spanien (Festland)
schicke könne-oder nach Deutschland.
Die Pflanzen sollten dann an meine Adresse in Deutschland geschickt werden, meine Antwort.
Im August teilte mir Herr Castillon mit der Sendungsnummer mit, dass die Pflanzen abgeschickt worden sind.
Ich konnte verfolgen wo die Pflanzen zur Zeit sind, aber auch nach einem Monat kamen die Pflanzen nicht an.
Mitte September erhielt ich ein Schreiben vom Zoll in Speyer:
Die Pflanzen werden an den Absender zurückgeschickt, weil sie von Reunion kommen und kein Pflanzenschutzzeugnis dabei wäre.
Ich bat Herrn Castillion mir das Geld für die Aloen zurückzuüberweisen.
Die Pflanzen kamen an den Absender zurück, kaputt !
Vor wenigen Tagen erhielt ich nun eine bitterböse Mail von Herrn Castillon.
Er hätte ein Teil des Geldes zurücküberwiesen, aber Reunion wäre französisches Inland und der deutsche Zoll hätte nicht das
Recht gehabt, die Pflanzen zurückzuschicken.
Herr Castillion hat auf Reunion ein Gärtnerei und ist ein Provi und sollte wissen wie er seine Pflanzen verschicken muss.
Kennt jemand die Rechtslage ?
Saludos de Gran Canaria
perez-suaes

gymnofan
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Re: Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon gymnofan » 11. Oktober 2017, 15:28

Hallo
das Territorium ist kein Teil der Europäischen Union und zählt damit als Einfuhr aus einem Drittland
ging mir mit Sämlingseinfuhr aus Rußland ganz genau so
kann man nichts machen
Vg
Gymnofan

perez-suares
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Re: Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon perez-suares » 11. Oktober 2017, 21:58

Hallo gymnofan,
Reunion ist ein Teil Frankreichs und damit ein Teil der EU, trotzdem könnte es zollrechtlich anders behandelt werden
was meine Frage wäre.
Helgoland ist auch ein Teil Deutschlands.
perez-suares

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K.W.
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Re: Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon K.W. » 11. Oktober 2017, 22:21

Guten Abend,


ich habe mal ein wenig aus dem Wikipedia zitiert ( dann kann ich kopieren und muss nicht eigenhändig schreiben. . .)

Dieses Zitat stammt aus einem Artikel über die Insel Reunion, https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A9union

Zit.:
La Réunion [la ?ey'nj?~] oder kurz Réunion (volle französische Bezeichnung Île de la Réunion, deutsch etwa „Insel der Zusammenkunft“; zum Namen siehe unten)
ist eine Insel im Indischen Ozean, die politisch ein Übersee-Département sowie eine Region Frankreichs bildet und damit zur Europäischen Union gehört.
Zit.: ende

Das klingt doch recht eindeutig. Ist im Brockhaus genauso beschrieben.


Dieses folgende Zitat stammt aus einem Artikel zum Zollgebiet der EU, https://de.wikipedia.org/wiki/Zollgebie ... chen_Union

Zit.:
Das Zollgebiet der Europäischen Union ist der Teil des völkerrechtlichen Gebietes der Europäischen Union und einiger weiterer Gebiete,
in denen das Zollrecht der Europäischen Union gilt.

Dieses Gebiet ist in Artikel 4 Zollkodex der Union abschließend definiert.

Artikel 4 UZK
Zum Zollgebiet der Union gehören:

das Gebiet des Königreichs Belgien;
das Gebiet der Republik Bulgarien;
das Gebiet der Tschechischen Republik;
das Gebiet des Königreichs Dänemark, mit Ausnahme der Färöer und Grönlands;
das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, mit Ausnahme der Insel Helgoland sowie des Gebiets von Büsingen (usw. K.W.)
das Gebiet der Republik Estland;
das Gebiet Irlands;
das Gebiet der Hellenischen Republik;
das Gebiet des Königreichs Spanien, mit Ausnahme von Ceuta und Melilla;
das Gebiet der Französischen Republik, mit Ausnahme von Neukaledonien, Saint-Pierre und Miquelon, Wallis und Futuna,
Französisch-Polynesien und den Französischen Süd- und Antarktisgebieten.
das Gebiet der Italienischen Republik, mit Ausnahme der Gemeinden Livigno und Campione d’Italia sowie . . . (usw. K.W.)

usw.
Zit.: ende

daraus geht eindeutig hervor, dass Reunion zum Zollgebiet der Europäischen Union gehört.


Darf ich fragen ob Du mit dem zuständigen Zollamt und dem befaßten Mitarbeiter gesprochen hast?
Aus dem wenigen was ich jetzt weis, hat der Mitarbeiter vielleicht einen Fehler gemacht.
Das kann vorkommen, ist natürlich ärgerlich.
Sollte es so sein wie es scheint, ist "ihrer Majestät Zoll und Akquise" ;) Dir zu Schadenersatz verpflichtet.
Ich würde mich mit "dem" Zoll in Verbindung setzen, sicher gibt es ein Aktenzeichen oder eine Vorgangsnummer.

Beste Grüße

K.W.
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Re: Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon gymnofan » 12. Oktober 2017, 11:23

hallo

ich zitiere:

Zoll Reunion.docx
(79.78 KiB) 18-mal heruntergeladen


da aber Reunion zwar zum Zollgebiet aber nicht zum Steuergebiet Frankreichs zählt, muß, siehe im Anhang, der sog. Unionscharakter nachgewiesen werden, um den Drittlandszoll und seine Bestimmungen zu umgehen;
also nichts zu machen mit den vorherigen Vorschlägen

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Re: Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon K.W. » 12. Oktober 2017, 12:51

gymnofan hat geschrieben:hallo

ich zitiere:

Zoll Reunion.docx

da aber Reunion zwar zum Zollgebiet aber nicht zum Steuergebiet Frankreichs zählt, muß, siehe im Anhang, der sog. Unionscharakter nachgewiesen werden, um den Drittlandszoll und seine Bestimmungen zu umgehen;
also nichts zu machen mit den vorherigen Vorschlägen


Schönen Nachmittag,

der Hinweis bezieht sich auf Mehrwert- und Verbrauchssteuern.
Ich denke das hat mit unserem Thema weniger zutun.

Beste Grüße

K.W.
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Re: Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon Thomas Brand » 12. Oktober 2017, 13:16

Moin,

das hat nur nichts mit Zollrecht zu tun, sondern mit europäischen pflanzengesundheitlichen Regelungen.
Nach der Richtlinie 2000/29/EG benötigen Pflanzensendungen aus La Reunion bei der Einfuhr in die EU ein Pflanzengesundheitszeugnis (PGZ). Die Überseegebiete Frankreichs sind phytosanitär EU-Ausland.
Das ist übrigens seit 1993 so.
Dasselbe gilt für die Kanaren, nicht aber für für Balearen oder die Azoren. Fragt nicht warum - das ist wohl einfach das Ergebnis politischer Verhandlungen.

Wenn ihm der Import nach D schon mal geglückt ist ohne PGZ, dann hatte er Glück oder er war nicht zeugnis- oder beschaupflichtig (warum auch immer).

Interessant ist, dass der Gärtner aus La Reunion als Profi angesehen wird, der es weiß, während der deutsche Zoll den Fehler macht. Der ist allerdings in Sachen Rechtsvorschriften in diesem Bereich sicherlich kompetenter. Dennoch können Fehler passieren. Hier erscheint es mir allerdings eindeutig formal richtig gewesen zu sein.

Beste Grüße
Thomad

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Re: Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon K.W. » 12. Oktober 2017, 13:26

Thomas Brand hat geschrieben:Moin,

>>>

<<<
Interessant ist, dass der Gärtner aus La Reunion als Profi angesehen wird, der es weiß, während der deutsche Zoll den Fehler macht. Der ist allerdings in Sachen Rechtsvorschriften in diesem Bereich sicherlich kompetenter. Dennoch können Fehler passieren. Hier erscheint es mir allerdings eindeutig formal richtig gewesen zu sein.

Beste Grüße
Thomad


Vielen Dank für die Aufklärung, sehr interessant!

Tja, Fehler können immer geschehen. . .
Aber der Profi-Gärtner sollte es wirklich wissen.
Im übrigen bin ich dafür, immer mal nachzufragen - zb. beim Zoll. . .

Beste Grüße

K.W.
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Re: Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon perez-suares » 12. Oktober 2017, 14:01

Hallo Thomas,
du mußt es ja wissen, danke.
was mich aber besonders ärgert, dass es einen Monat brauchte, um vom Pflanzenschutz festzustellen, dass man für diese
Pflanzen aus einer Gärtnerei von Reunion zur Einführung nach Deutschland eine Pflanzenschutzzeugnis benötigt !!
Die Pflanzen sind verrottet !
Da ich Erfahrungen mit Sendung von Pflanzen von Gran Canaria nach Deutschland habe( ohne Phytho geht nichts),
bestand ich darauf, die Lieferung aus Frankreich nach Deutschland zu erhalten. Für Herrn Castillon ( eingefleischter Franzose) ist
natürlich Reunion auch Frankreich- trotzdem verstehe ich die Verärgerung von Herrn Castillion nicht, er verschickt doch
nicht das erste Mal Pflanzen. was ist denn mit den Pflanzen die er hin und wieder in Brandenberge anbietet ?

Ich nahm natürlich an, die Pflanzen kommen aus Frankreich, zu meiner Überraschung nach vier Wochen dann von Reunion.
Grüsse aus Aldea
perez-suares

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Re: Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon gymnofan » 12. Oktober 2017, 14:13

Hallo
meine armen Sämlinge, die ich aus Rußland schicken lassen wollte, waren dann bestimmt Herbarmaterial, da man erst nach 5 Wochen über Pflanzenschutzbehörde Bonn tätig wurde und mich verständigte;
der russische Anbieter hätte für die Papiere extra aus Mittelsibirien nach Moskau fahren dürfen, vermutlich incl. jeder Menge Provision für die verschiedenen Amtsstellen und dann wäre dieser Vorgang nach etwa 3-4 Monaten amtlich beendet gewesen;

Und die Moral von der Geschicht: Bestelle aus ´nem Drittland nicht

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Thomas Brand
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Re: Ärger mit dem deutschen Zoll

Beitragvon Thomas Brand » 12. Oktober 2017, 16:21

Moin,

Na ja, also ich habe das bei einem Kollegen erfragt, der sich mit der Materie tagtäglich beschäftigt. Die Informationen stammen von ihm.
Es ist keineswegs üblich, dass es so lange dauert. Schon gar nicht, wenn alle notwendigen Papiere vorliegen. Ich vermute mal, dass zunächst im Land des Ursprungs der Sendung nachgefragt wurde. Aber ich bin wirklich nicht drin in dem Thema.

Beste Grüße
Thomas


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