Aztekium valdezii

Andreas
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Aztekium valdezii

Beitragvon Andreas » 3. August 2017, 14:48

Hallo,

auch wenn ich mich bei dem einen oder anderen unbeliebt mache, möchte ich doch noch ein Thema mal wieder in Gedächtnis rufen, welches uns mit einem aktuellen Beispiel zugetragen wurde. Nämlich den Artenschutz.
Schaut mal hier: http://www.ebay.de/itm/Aztekium-valdezi ... 2432676824

Die Pflanze wurde 2014 beschrieben und es dürfte daher kein Material (egal ob Pflanzen oder Samen) auf dem Markt sein.
Die abgebildeten Pflanzen sind meines Erachtens aber klar Wildentnahmen.
Wir sollten uns hüten, solch illegales Material zu erwerben. Erst wenn kein Markt mehr vorhanden ist, unterbleibt derartiges illegalles Aufsamnmeln. Das gilt übrigens auch für (gepfropfte) Vermehrungen, da diese nur produziert werden können, wenn vorher illegal Material gesammelt wurde.
Also: Finger weg von Aztekium valdezii und Co., solange die Pflanzen nicht mit den entsprechenden Papieren verkauft werden. Man macht sich strafbar!!!!
Macht uns unser schönes Hobby nicht durch illegales Handeln kaputt.

Herzliche Grüße

Andreas

P.S. Die Auktion wurde übrigens schon bei eBay beanstandet. Ich bin mal gespannt, ob die reagieren werden.

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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon gymnofan » 3. August 2017, 15:42

Hallo Andreas

das mit dem Eingreifen durch Ebay kannst Du meines Erachtens vergessen, denn nicht einmal die Zollbehörde/artenschutzkommission hat eingegriffen, als im letzten halben Jahr etliches an offensichtlichem Originalmaterial aus Mexiko auf Ebay angeboten wurde, obwohl ich selbst den Zoll und die Kommission in Bonn darauf aufmerksam machte, mir aber einige Gymnosämlinge aus Rußland eingezogen wurden

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michael
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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon michael » 3. August 2017, 18:11

Hallo,

auch wenn ich mich bei der Vereinsführung unbeliebt mache, ist das jetzt Lautes Pfeifen im Wald?
Andreas hat geschrieben:Erst wenn kein Markt mehr vorhanden ist, unterbleibt derartiges illegalles Aufsamnmeln. Das gilt übrigens auch für (gepfropfte) Vermehrungen, da diese nur produziert werden können, wenn vorher illegal Material gesammelt wurde.


Hmm, und wie machen wir das nun? Das mit dem ... wenn kein Markt mehr vorhanden ist...? Alle interessierten Sammler erschießen oder warten bis es sich auf biologische Art löst? Ich glaube das löst sich von ganz allein. Vermehrungen der Art sind in den Sammlungen weit verbreitet, insbesondere in den osteuropäischen. Das Material wird zu Hauf vermehrt, da besteht überhaupt kein Druck mehr auf Material vom Standort.
viele Grüsse
michael
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Andreas
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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon Andreas » 3. August 2017, 20:05

Hallo Michael,

michael hat geschrieben:Hmm, und wie machen wir das nun? Das mit dem ... wenn kein Markt mehr vorhanden ist...? Alle interessierten Sammler erschießen oder warten bis es sich auf biologische Art löst?


Da fällt mir doch auf Anhieb noch etwas ein. Wie wärs mit: Einfach nicht kaufen?

michael hat geschrieben:Vermehrungen der Art sind in den Sammlungen weit verbreitet, insbesondere in den osteuropäischen. Das Material wird zu Hauf vermehrt, da besteht überhaupt kein Druck mehr auf Material vom Standort.


Das ändert aber an der Problematik und vor allem der Strafbarkeit nichts. Gilt auch für Drogen, Waffen,... Nur weil etwas illegal auf dem Markt ist, wird es nicht legal.
Und wie war das bei Mammillaria bertholdii? Der bislang einzige bekannt Funodort ist nicht gefährdet bzw. möglicherweise sogar abgeräumt, nur weil diese Pflanze auch auf dem Markt ist und vermehrt wird?

Grüße

Andreas

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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon michael » 3. August 2017, 21:44

Hallo Andreas,

das Ganz können wir hier endlos weiterführen.

Andreas hat geschrieben:
michael hat geschrieben:Hmm, und wie machen wir das nun? Das mit dem ... wenn kein Markt mehr vorhanden ist...? Alle interessierten Sammler erschießen oder warten bis es sich auf biologische Art löst?

Da fällt mir doch auf Anhieb noch etwas ein. Wie wärs mit: Einfach nicht kaufen?

da muss aber sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Und was machen die, die die Pflanzen schon gekauft haben? Ich weiß, als Rechtsanwalt ist die Sache ganz klar. Aber als Präsident einer Pflanzengesellschaft wird es da schon schwerer (nicht für Dich, das ist mir klar).

Gilt auch für Drogen, Waffen,... Nur weil etwas illegal auf dem Markt ist, wird es nicht legal.


Drogen und Waffen töten Menschen, von Kakteen habe ich das noch nie gehört.

Und wie war das bei Mammillaria bertholdii? Der bislang einzige bekannt Funodort ist nicht gefährdet bzw. möglicherweise sogar abgeräumt, nur weil diese Pflanze auch auf dem Markt ist und vermehrt wird?


Der Satz ist ein Widerspruch in sich. Aber selbst wenn es ein Schreibfehler ist, ich habe noch keine Standortpflanzen vom M. berth. in Sammlungen gesehen. Okay, vielleicht komme ich nicht genug rum. Alles was ich zu der M. berth. gesehen habe, sind Vermehrungen, ganz schnelle, auf der Pereskiopsis, etc. Und auch da ist es so, je schneller die in Kultur vermehrt werden, umso weniger besteht die Notwendigkeit, irgend etwas aus der Natur zu entnehmen.

Und, um ganz konkret zu dem Thema oben zurück zu kommen. Ich war auf der ELK 2015. Dort wurden massenweise Aztekium valdezii (gepfropft) gehandelt. Am Anfang für 50 € das Stück und am Ende für 15 €. Du warst auch dort und hast das sicher gesehen, und nun?

DSC_0141.JPG
A. v. auf der ELK 2015

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A. v. auf der ELK 2015
viele Grüsse
michael
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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon CABAC » 4. August 2017, 14:53

Hallo zusammen

und an Andreas ein großes Danke schön dafür, dass er wieder einmal versucht, an das Gewissen der deutsche Kakteensammler zu appellieren.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an ein Gespräch während der letzten ELK, in dem mir britischer Sammler leicht süffisant mitteilte, dass wir Deutschen ruhig die Vorbildrolle in Sachen Artenschutz übernehmen sollten, Sammler anderer Nationen würden sich dann mit den verbotenen Raritäten eindecken.

Andreas, deine gut gemeinte Mahnung wird wohl nur von ganz wenigen deutschen Kakteensammlern befolgt werden.



Mach(t) es gut

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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon K.W. » 4. August 2017, 22:55

Guten Abend Herr Präsident,
lieber Michael,
liebe PflanzenfreundInnen,

ich empfinde es als sehr gut das der Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft e.V. klar und eindeutig Stellung bezieht.
In jüngerer Vergangenheit schon mehrfach.
Wenn er als Präsident der DKG solch ein Thema anspricht, dann spricht er für die DKG.
Und das ist gut so! Die DKG muss bei diesem Thema viel stärker wahrgenommen werden.

Die Deutsche Kakteen-Gesellschaft e.V. hätte dies schon früher, häufiger und intensiver tun können.
Auf jeder Jahreshauptversammlung hätte es dazu Vorträge und Workshops geben können.
Der Vorstand hätte das Thema in die Pflanzenvereine im Land tragen müssen.
Aber hätte, hätte, sollte, hätte können oder müssen - ist Schnee von gestern.

Jetzt passiert ja etwas, der Präsident appeliert und klärt auf.
Die Organisatoren der ELK, führend die "Spaßbremse" Wolfgang, verschärfen die Ansprüche an die Aussteller / Händler.
Das Thema Artenschutz, übrigens auch das Thema Pflanzen- und Umweltschutz, muss dauernd auf die Agenda.

Ich habe es in den wenigen Jahren, die ich mit DKG und ihren Mitgliedern zutun habe, schon oft erlebt;
da werden geschützte Pflanze gekauft und die Freunde denken sich nichts dabei.
(und dann gibt es natürlich auch "die" welche schon denken, bißchen angeben, bißchen Geld machen, bißchen im Mittelpunkt stehen)

Erst vor wenigen Wochen brachten mir einige PflanzenfreundInnen als Gastgeschenk eine Mammillaria bertholdii.
Hatten sie zusammen mit einigen gleichen Pflanzen während der diesjährigen Tschechien-Fahrt,
einiger Zweigvereine aus NRW der DKG, gekauft.
Alles liebe PflanzenfreundInnen, die mir eine Freude machen wollten. . .

Oder Beispiel Bonner Kakteenmarkt des dortigen Zweigvereins der DKG;
dort - und auf anderen Märkten - ist mir schon mehrfach ein Verkäufer aufgefallen,
der verkauft eigentlich nur Pflanzen die es in Europa nicht geben darf. . .
Die Pflanzenfreunde Bonn lassen ihn aber unbehelligt. Alles liebe PflanzenfreundInnen, ich denke,
dass fällt denen einfach nicht auf - "ach was für schöne Raritäten". . . (Cites??? was das???) . . .

Es wird natürlich immer "welche" geben, die sich über Regeln und Absprachen hinweg setzen. . .
Ich versuche mich an die Regeln zu halten, nicht nur weil - sondern obwohl - ich Jurist bin. . .
Nein, ich brauche keine "Megararität" für mein Selbstwertgefühl - und die meisten Briten auch nicht.
Und ich werde mir auch nicht das verquaste Weltbild eines Artenschützer´s zurecht basteln,
der annimmt das die gefährdeten Pflanzen nur in seinem Glashaus überleben können.
(wenn diese Kollegen in die ewige Wüste eingegangen sind, landet der ganze Artenschutz auf dem Kompost. . .
oder kennt jemand einen Botanischen Garten, der diese Pflanzen nehmen dürfte. . .)

In diesem Sinne, Artenschutz ist wichtig und gehört immer wieder besprochen!
Und wer der Hybris anheim gefallen ist, dass er über diesen Dingen steht - bitte schön. . .


Herzliche Grüße und schönstes Wochenende,

K.W.


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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon nobby » 5. August 2017, 06:51

Hallo,

zuerst einmal möchte ich mich bei K.W. für seinen Beitrag, seine Einstellung und die Sammlung "über den Dächern von Köln" bedanken, in der er zeigt, dass man unser Hobby auch ohne Jagd nach illegalen Pflanzen intensiv leben kann.

Man darf aber auch die Mähr vom Artenschutz durch vegetativ vermehrte Pflanzen hier in Europa nicht unwidersprochen stehen lassen.
Mag sein, dass der Autor Michael tatsächlich daran glaubt. Tatsächlich ist es aber falsch, beschönigt illegales Handeln und macht Schurken zu Helden.

Wenn die Behauptung so stimmen würde, dann dürften die Standorte von Yavia cryptocarpa im Norden von Argentinien ja vor illegaler Absammlung sicher sein. Immerhin haben parallel zur Beschreibung Argentinier 5000 Korn dieser Pflanzen in der Wildnis gesammelt und den Kakteenfreunden zur Verfügung gestellt. - Nur wer jemals Samen dieser Pflanzen geerntet hat, kann diese Leistung wirklich beurteilen! -
Damit sollte ja das Problem illegaler Pflanzenentnahme in der Wildnis vom Tisch sein. Stimmt aber nicht! Noch Jahre später kommen jährlich sehr viele Wagen mit Kakteenfreunden aus aller Welt in die Region, in der Yavia wächst. Nicht alle sind nur mit Fotoapparaten bewaffnet, wie verwaiste Fundorte und die vielen Löcher im Boden zeigen...

Das eigentliche Problem ist aber die Wahrnehmung der sogenannten "Kakteenfreunde" durch die Gesellschaft. Wenn wir es nicht schaffen, uns wirklich und überzeugt von diesem illegalen Handeln zu distanzieren, werden wir von dieser Gewsellschaft irgendwann nur noch als Plünderer der Natur wahrgenommen.
Hört also endlich auf, scheinbar logische Geschichten zu erfinden, die illegales Plündern rechtfertigen. Das macht Euch zu Totengräbern unseres Hobbys!

Herzliche Grüße
Nobby

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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon K.W. » 9. August 2017, 23:25

Wenig Interesse Ebay- und DKGmäßig. . .

Kleines Update ebaymäßig. . . der Preis steigt. . . ebay unternimmt nichts. . .
http://www.ebay.de/itm/Aztekium-valdezi ... 0040.m2060



Herzliche Grüße

K.W.
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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon Andreas » 10. August 2017, 08:33

Einfach nur krank. Wer zahlt 486,23 USD (Stand eben) für drei offensichtlich illegale Wildpflanzen?
Und ein klarer Beleg dafür, dass das (Schein-) Argument, es seien ja aus Samen gezogene Pflanzen in größeren Mengen auf dem Markt und die würden den Druck von den Wildpopulationen nehmen, keines ist. Sämlinge kosten 15 €, die Wildpflanzen gehen für über 400 € weg. Da erklär mir mal irgendjemand, was die Motivation für Sammler von Wildpflanzen sein soll, nichts mehr zu sammeln.

Herzliche Grüße

Andreas

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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon gymnofan » 10. August 2017, 10:01

hallo
wie wäre es mit einer Meldung an die Artenschutzbehörde, die könnte doch auch darauf zugreifen ?

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Re: Aztekium valdezii

Beitragvon CABAC » 10. August 2017, 11:17

Hallo zusammen,

dieses Angebot spielt doch den Sammlern in die Hände, die gepfropfte Pflanzen grundsätzlich ablehnen.

Da der Anbieter seinen Wohnsitz in Ungarn hat, müsste es doch behördlicherseits möglich sein, dem den Spaß an dem Verkauf solcher Pflanzen zu verderben.

Mach(t) es gut

CABAC
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