Ariocarpus fissuratus

Andi
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Ariocarpus fissuratus

Beitragvon Andi » 15. Januar 2011, 16:55

Hallo zusammen,
Zur Zeit werden bei Ebay wieder massenweise Ariocarpus fissuratus angeboten, meist von Verkäufern aus den USA. Wenn man sich die Bilder anschaut, sind das eindeutig Wildpflanzen. Mich erstaund, dass da die amerikanischen Artenschutzbehörden nicht aktiv werden. Die Verkäufer müssten doch relativ einfach zu identifiziren sein.

Auf jeden Fall finde ich es sehr störend, dass auch 2011 immer noch so viele Wildpflanzen von Cites Anhang 1 Pflanzen gehandelt werden.

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Hardy_whv
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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon Hardy_whv » 15. Januar 2011, 17:13

Hallo Andi,


der unerlaubte Handel mit Wildpflanzen ist induskutabel. Glücklicherweise lassen sich fast alle Kakteen heute gut in Kultur vermehren, so dass ich eigentlich gar keinen Bedarf an Wildpflanzen erkennen kann.

Mich würd mal interessieren, wie man anhand von Photos Wildpflanzen eindeutig von Kulturpflanzen unterscheiden kann?


Gruß,

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Andi
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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon Andi » 15. Januar 2011, 17:46

Hallo Hardy,
Ich denke mal der Unterschied im Aussehen zwischen Wild- und Kulturpflanzen ist von Art zu Art unterschiedlich. Bei den angesprochenen A. fissuratus, sieht man das an der Farbe (grau-braun bei Wildpflanzen), am unregelmässigen Wuchs, an eingetrockneten Tuberkeln am Pflanzenrand, allgemein am extrem gedrungenen Wachstum.

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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon Echinopsis » 15. Januar 2011, 19:08

Hallo Andi,

dem kann ich nur beipflichten!
Ende letztes Jahr waren auch massig Geohintonia mexicana in ebay, frisch vom Standort. Anbieter vor allem aus Ungarn-Tschechien!

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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon Andi » 15. Januar 2011, 19:40

Hallo Daniel,
Was mich vor allem schockiert, ist die Menge der Pflanzen und dass die ganz offen bei Ebay angeboten werden.

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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon Hardy_whv » 16. Januar 2011, 10:01

Hallo Andi,


grundsätzlich kenne ich auch einige Kakteen am Standort. Sie sehen dort in der Tat meist viel zerzauster aus als die meisten Kulturpflanzen, zudem oft kräftiger bedornt, gedrungener, etc. Ariocarpen hab ich jedoch noch nicht am Standort besucht. Ich meine aber, dass es schwer ist, Wildpflanzen eindeutig und zweifelsfrei von Standortpflanzen zu unterscheiden. Auch in Kultur kann sich bei entsprechender Haltung ein Aussehen einstellen, dass dem am Standort sehr ähnlich kommt. Und alte Exemplaren sieht man manchmal auch Phasen der Vernachlässigung an, die dann auch standortähnlich aussehen können. Es soll ja sogar Ario-Fans geben, die ihren Pflanzen etwas Wolle auszupfen, damit sie standortechter aussehen.

Naja, ich will jedenfalls die Hoffnung nicht aufgeben, dass es sich nicht um Wildpflanzen handelt.

Vielleicht kann man ja mal mit der US Naturschutzbehörde Kontakt aufnehmen, oder mit dem Verkäufer.


Gruß,

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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon kahey » 16. Januar 2011, 10:44

Hallo zusammen,
da muss ich Hardy schon recht geben, so einfach ist es nicht Pflanzen als Wildformen zu bezeichnen, oder das sind Pflanzen vom Standort. 1. weiss man überhaupt nicht wie die Pflanzen gehalten wurden.
Nun zu Echinopsis, mit Geohintonia aus Tschechien da weiss man doch, das die riesige mengen aussähen schon vor Jahren und die kommen nun alle auf dem Markt.
Ich würde da Vorsichtig sein mit der Meinung das es Wildpflanzen sind.
Mit freundlichen Grüßen
kahey
Viele Grüße
Dieter

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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon Thomi » 16. Januar 2011, 10:54

Hallo zusammen

Die Hoffnung stirbt zuletzt - und Vorsicht ist oft ein guter Ratgeber. Aber: Die von Andi erwähnten Pflanzen sind auch meiner Meinung nach klar Pflanzen, die der Wildnis entnommen sind. Ihr gesamter Habitus, die Färbung der Epidermis und - bei vereinzelten Angeboten auch die Bilder des Wurzelbereiches - sprechen eine glasklare Sprache.

Gruss Thomi

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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon Echinopsis » 16. Januar 2011, 11:31

kahey hat geschrieben:Nun zu Echinopsis, mit Geohintonia aus Tschechien da weiss man doch, das die riesige mengen aussähen schon vor Jahren und die kommen nun alle auf dem Markt.


Geohintonien mit 7-10cm Durchmesser, denen die Bedornung fehlt?
In kultur gezogene Pflanzen sind nicht kreidefarben und die Dornen fehlen ebenfalls nicht.
Wenn ich solche Sachen poste bin ich mir schon ziemlich sicher, dass es keine Kulturpflanzen sind.

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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon nobby » 17. Januar 2011, 10:01

Hallo zusammen,

nun, Ariocarpen sind normalerweise nicht mein Thema, aber nachdem ich hier die Diskussion gelesen habe, möchte ich doch etwas dazu schreiben.

Es ist eine heftige Anschuldigung, dass andere mit der Natur entnommenen Pflanzen handeln!
Können wir wirklich einzig und alleine anhand des Aussehens eine derartige Behauptung beweisen?

Ich habe selber, vor gar nicht langer Zeit, auch diesen Fehler gemacht.
Ich war mir "ziemlich sicher", dass es sich um Wildpflanzen handeln muss, weil ich bisher noch nie solche Pflanzen in Kultur gesehen hatte. Ich kannte Wildpflanzen noch aus den 70igern des letzten Jahrhunderts und auch alles, was so in Kultur existierte war mir nicht fremd. Als ich dann ein paar Kakteen auf dem Verkaufstisch sah war klar: Wildpflanzen.

Der Händler widersprach und nannte mir die Quelle seiner Pflanzen. Es war ein bekannter Händler aus ..., von dem ich selber schon mal Kulturpflanzen bezogen hatte. Ich erinnerte mich und wirklich - diese Pflanzen sahen sogar schlimmer aus als alle Wildpflanzen, die ich vorher gesehen hatte.
Inzwischen habe ich auch Aussaaten in meinem Bestand, die es mit vielen Pflanzen vom Habitat aufnehmen können. Alles eine Frage der Geduld oder auch Vergesslichkeit.

Also bitte Vorsicht mit der Aussage: Bei dem Aussehen müssen es Wildpflanzen sein!

Wer eine solche Anschuldigung öffentlich ausspricht, muss sie auch beweisen können! Wie ich selber erleben durfte, kann man bei einem Urteil nur nach dem Aussehen schnell einen Fehler machen. Deshalb mein Vorschlag: Vorsicht mit solchen Aussagen.

Herzliche Grüße
Nobby

Jordi
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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon Jordi » 18. Januar 2011, 06:25

Nun, bei so langsam wachsenden Gattungen wie Arios und Geohintonia zB sagt die Größe der Pflanzen meist schon was über ihre Herkunft aus. Neben der schon erwähnten typischen Kompaktheit (und oft stärkeren Bestachelung) ist für mich auch die Struktur der Wurzeln oft ein guter Hinweis auf die Herkunft der Pflanze. Kulturpflanzen haben meist viele dünne Faserwurzeln, während Wildpflanzen nur wenige dicke Wurzelstränge haben.

Nun noch zu den Ario fissuratus:
1) sie könnten aus sogenannten 'rescue' Aktionen stammen, bei denen genau begrenzte Wildgebiete gezielt und mit Genehmigung abgesammelt werden, kurz bevor dort genehmigte Bauarbeiten (Straßen, Besiedlung, Steinbruch, Landwirtschaft etc) begonnen werden.
2) aber sehr viel wahrscheinlicher ist: Der Amerikaner (und ganz besonders der Texaner) ist ein 'freier Bürger' und läßt sich vom Staat nicht vorschreiben, was er mit seinen Ländereien macht und aus ihnen entnimmt.

Erwähnt sei noch, daß per CITES Appendix 1 nur der internationale Handel, aber nicht die Entnahme von Pflanzen verboten ist.

Jordi

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Re: Ariocarpus fissuratus

Beitragvon Jordi » 22. Juli 2012, 05:49

Nochmals zum Thema Ariocarpus fissuratus und CITES.
Bei meiner Freiwilligenarbeit im Baja Garden des Wild Animal Park hatte ich kürzlich die Ehre 40 Ario fissuratus bester Qualität zu topfen.
Sie hatten schon eine längere Reise hinter sich: offenbar Mitte April von Texas oder New Mexico nach China geschickt, dort wegen fehlender CITES Dokumente von der Pflanzeninspektion erwischt und an eine amerikanische Pflanzeninspektion in SF retourniert. Dort konfisziert und an uns, den (ehemaligen) Wild Animal Park in Escondido, CA als 'Conservation Station' geschickt.
IMG_1254.jpeg

Sehr wahrscheinlich sind die Pflanzen von einem Kakeenhändler auf Privatland in TX mit Genehmigung des Besitzers ausgegraben worden. Das ist völlig legal... doch sobald sie die texanische Staatsgrenze ohne CITES Dokumente überschreiten werden sie illegal!
Ziemlich paradox oder?!
Und jetzt haben wir sie an der Hacke und müssen sie pflegen bis sie tot sind, wenn sich nicht botanische Gärten finden, die an solchen Pflanzen noch Interesse haben.

Jordi


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