Diskussion Keimfähigkeit von Asclepssamen

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carallümchen
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Diskussion Keimfähigkeit von Asclepssamen

Beitragvon carallümchen » 20. November 2009, 18:22

Hier ein Diskussionsstrang über die Lagerungs und die Keimfähigkeit von Ascleps aus dem alten Asclepius-Forum:

Carallümmel
Dank des sonnigen Wetters sind bei mir nun mehrere Saathörner an Piaranthus, Orbea und Huernia aufgesprungen. Ich nehme mal an, dass jetzt wohl nicht mehr die beste Zeit ist, um die frische Saat auszubringen und um anschliessend die Sämlinge auch über den Winter zu bekommen. Wie sollte und vor allem bei welcher Temperatur sollte ich die Saat aufbewahren, um diese längstmöglich keimfähig zu halten?


Albert Leroy
Dear ,

Das beste ist natürlich sofort das Saat auszubringen und die Sämlingen im wintern warm zu halten . Die keimfähigheit ist nicht so lange deswegen so schnell wie möglich ausbringen und hoffen

Grüssen
Albert / Belgien


Carallümmel
Besten Dank für den Ratschlag. Seitdem ich mich mit Ascleps beschäftige, habe ich unzählige Male gehört, dass deren Saat nicht lange haltbar ist. Leider habe ich für dieses allgemein akzeptierte Basiswissen des Stapeliengärtners keine Quelle finden können. Diese würde mir eventuell auch meine Frage nach der Aufbewahrungsart der Saat beantworten können. Ich halte die sehr begrenzte Haltbarkeit der Samen für ein gut gepflegtes Gerücht. Warum sollte hier mehrere Jahre altes Saatgut angeboten werden, wenn dieses wissentlich nicht mehr keimfähig ist?
Beste Grüße


Detlef
Hallo Carallümmel,
alles ist relativ, was heißt schon sehr begrenzt? Meiner Erfahrung nach behalten Stapelieen-Samen über Jahre hinweg ihre Keimfähigkeit. Vor allem dann, wenn man sie kühl und trocken aufbewahrt. Deshalb lagere ich mein Saatgut in Papiertüten verpackt in einem Kühlschrank bei ca. 7 bis 10°C. Natürlich wirkt sich eine lange Lagerzeit nicht eben positiv auf die Keimquote aus, sie nimmt – wenn auch nicht rapide – so doch kontinuierlich ab. Ich habe z.B. vor einiger Zeit ca. 6 Jahre alte Hoodia-Samen ausgesät, die Keimquote war nicht mehr sehr hoch - ca. 6% -, aber für meine Zwecke war dies noch vollkommen ausreichend. Ich betreibe die Anzucht ja nicht gewerblich und so war ich mit einigen Pflänzchen durchaus zufrieden. Ähnliche Erfahrungen habe ich auch mit anderen Stapelieen sammeln können. Wenn es Dir aber auf eine optimale Keimquote ankommt, dann solltest Du so zeitig wie möglich aussäen.

Gruß

Detlef


Friederike Hübner
Hallo ihr Diskutierer,
nach unseren Erfahrungen ist es mit allgemeinen Aussagen nicht so einfach.
Kühl, dunkel und trocken ist immer gut. Allerdings sind Unterschiede von Art zu Art zu beobachten. Z.B.

Hoodia gordonii: nah 12 Jahren noch 80% keimfähig - aber nur die Samen dieser Pflanzen - andere gordoniis anderer Standorte können durchaus nach 4-5 Jahren auf nur noch 50% gehen - für gekaufte Samen ist das zu schlecht.
Hoodia juttae - verliert etwa 20% jedes Jahr bei optimaler Lagerung.
Huernia concinna - nur etwa 50% von anfang an - bis nurmehr 5% nach 3 Jahren.
Selbstbestäubte Ascleps - gibt's bei manchen Arten - grundsätzlich schlechtere Keimfähigkeit egal wann.
Ceropegia - sehr gut nach 3 Monaten, dann kontinuierlich schlechter werdend, bei 0% bin ich aber nach 3 Jahren noch nicht angelangt.
Bei warmer Lagerung und möglicherweise hoher Luftfeuchtigkeit fängt bei manchen Ascleps schon der Keimprozess an (das hatte ich mal sogar noch in einem Fruchthörnchen). Im Gegegensatz zu vielen anderen Pflanzengruppen scheinen Ascleps kaum Möglichkeiten zu haben, mehrere solcher Quellungs- und Schrumpfungsprozesse "auszuhalten". Das ist aber erstmal nur eine Hypothese.
Also - grundsätzlich sind Ascleps nicht schlagartig im nächsten Jahr nicht mehr keimfähig - aber es gibt Arten, deren Keimfähigkeit merklich schon im 2. Jahr abnimmt und die trockene, kühle Lagerung ist bei Ascleps wirklich wichtig.


Carallümmel
Hallo zusammen,
besten Dank für die sehr ausführlichen und hilfreichen Antworten. Ich werde meine Saatproben mal in den Kühlschrank verlagern. Da dieser nie wirklich dauerhaft trocken ist, versuche ich es in einem separaten Gefäß mit Kieselgel.
Im Prinzip ich nicht erwartet, dass so unterschiedliche Arten wie bei den sukkulenten Ascleps ein zu generalisierenden Konzept in Hinblick auf die Keimfähigkeit ihrer Samen aufweisen würden. Eigentlich habe ich angenommen, dass zumindest solche Arten aus Zonen mit zum Teil langjährigen Trockenphasen lange keimfähig bleiben sollten und beispielsweise Arten aus Gebieten mit regelmäßigem Winterregen dies eben nicht müssen.
Ich hatte letzten Winter das Problem, dass angesetzte Saathörner zurückfaulten oder einfach so abgeworfen wurden. Mein Rettungsversuch Pflanzen mit Fruchtansatz warm und hell zu stellen wurde bei 30° und 70 % Luftfeuchtigkeit umgesetzt. Das Resultat war allerdings, dass später in den ausgereiften Früchten dann gut die Hälfte der Samen bereits gekeimt war.
Außerdem habe ich bei diesen Pflanzen und auch bei normal im Gewächshaus ausgereiften Früchten festgestellt, dass oftmals, wenn auch nur nur einzelne Samen an der Spitze und auch an der Basis der Früchte beim Aufplatzen nicht ganz gereift waren und gar nicht keimten.
Im vergangenen Jahr hatte ich mehrmals den Fall, dass insbesondere bei Arten aus der Gattung Orbea die Saat gar nicht keimfähig war, oder nur zu einem unwesentlichen Prozentsatz. Dies habe ich auf handbestäubte Exemplare zurückgeführt, bei denen ich nur eine einzelne Blüte vorliegen und bestäubt hatte. Leider verfüge ich eben noch nicht über die ausreichende Erfahrung eine Pflanze tatsächlich erfolgreich zu bestäuben und sie folgend über ihre Saat zu vermehren.


Detlef
... á propos, hat schon jemand Ascleps-Samen tiefgefroren, um die Keimfähigkeit zu verlängern? Gibt es Erfahrungswerte?


Carallümmel
Hallo Detlef,
ich habe leider nur unbefriedigende Ansätze zur Beantwortung deiner Frage.
Zunächst friert Joël Lodé (International Cactus Adventures) wohl Saat ein. Inwieweit das auf seine jeweiligen Ascleps zutrifft kann ich leider nicht beantworten. Ich habe aus der diesjährigen Saatliste (mit der Anmerkung: "Most of our seeds are stored in cold store, which makes it possible to preserve the seed viability under optimal conditions. However, it is important to note that these seeds thus preserved must be sown quickly, for after going out of the refrigerator, as for frozen food, they must be quickly “consumed”!") einige Arten bestellt und hatte sehr schlechte Keimerfolge. Zudem fiel die Menge der Saatkörner jeweils deutlich geringer aus, als angegeben, so dass ich diese Saatquelle als sehr unbefriedigend beurteilen muss. Worauf der schlechte Keimerfolg tatsächlich zurückzuführen ist, bleibt natürlich ungewiss.
Der Royal Botanical Garden (Kew) unterhält das internationale "Millenium Seed Bank Project", bei dem Saatgut zahlloser Arten eingefroren und jeweils alle 10 Jahre auf Keimfähigkeit geprüft wird. Hierfür wurden bisher zahlreiche Saataufsammlungen in verschiedenen Ländern Afrikas durchgeführt, die wahrscheinlich auch einige Ascleps beinhalten. Vermutlich ist das Projekt eine Quelle interessanter Daten, allerdings habe ich auf die Schnelle keine entsprechenden Publikationen gefunden. Es gibt Partnerprojekte an verschiedenen Instituten, wodurch sich zumindest die Methodik wohl ohne zu großen Aufwand herausfinden lassen sollte. Sicherlich wird die Saat nicht einfach so in eine Gefriertruhe geworfen…
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Detlef
Hallo Carallümel,
vielen Dank für Deine interessante Ausführung. Vielleicht werde ich versuchsweise doch einfach mal so einige Ascleps-Samen ins Gefrierfach legen.


Carallümmel
...und ich melde mich dann freiwillig zum Testen der Keimfähigkeit nach dem Auftauen ;-)


Diskussionsende




Grüße
Carallümchen
Was du nicht weitergibst, ist verloren (Rabindranath Thakur)
Das sind meine Gruppen: IG Ascleps, IAS, DKG, FGaS
schaut auch mal vorbei auf http://www.asclepidarium.de

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