Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

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Stalagmit
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Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon Stalagmit » 10. Mai 2013, 16:29

Hallo,

mich würde mal interessieren, wie man dafür sorgt, dass die Brutknollen der C. woodii schneller an Größe zunehmen. Ist es sinnvoller, sie in Kontakt mit der "Mutterknolle" zu lassen, oder sollte man sie trennen und jeweils in eigene Töpfchen setzen, damit sie wachsen?
Sollten sie an der Oberfläche des Substrates sitzen oder unterhalb derer?

Vielen Dank im Voraus!

MfG,
Fabian

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a.lang
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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon a.lang » 11. Mai 2013, 19:33

Hallo!

Wenn man die Pflanzen etwas "verwahrlosen" lässt, sie nicht so oft gießt, dann neigen die Mutterpflanzen dazu die Knöllchen an den Trieben anschwellen zu lassen, das ist zumindest so meine Erfahrung.
Liebe Grüße
Alex

http://theceropegiablog.wordpress.com

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CABAC
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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon CABAC » 12. Mai 2013, 05:56

...ich kann mit einer ähnlichen Erfahrung glänzen, Alex.

Danke, dass Du die erste Antwort geschrieben hast. Diese ausgehungerte Leuchterblume an deren zahlreichen und langen Trieben quasi an jeder Blattachse eine Brutknolle saß, befand sich im Wohnzimmerfenster meiner Mutter. Das saß ein Knöllchen von vier Centimeter Durchmesser in einem 5ser Rundtopf und hatte zahllose, über ein Meter lange Triebe mit ebenso zahllosen Brutknollen. Ein paar von diesen Brutknollen waren dann auch meine ersten Pfropfunterlagen.

Mit diesen Weisheiten ist unserem Stalagmit nicht so recht geholfen und deshalb beschreibe ich mal, wie ich meine Unterlagen heranziehe:

Ich wende zwei unterschiedliche Verfahren zur Knollenvermehrung an: Stecklingsvermehrung in Einzeltöpfen und in Schalen. Bei beiden bekommen die Stecklinge viel Platz und gute nahrhafte Erde. Habe nämlich herausgefunden, dass sowohl Platz auch Substrat das Knollenwachstum beschleunigen. Bei der Stecklingvermehrung in Einteltöpfen stelle ich einen Trieb einen Topf fülle den mit Substrat. Bei der Schalenvermehrung lege ich Triebstücke einfach auf das Substrat. Nach wenigen Tagen sprühe ich die Stecklinge an und nach zwei Wochen gieße ich an. Das Wachstum wird begünstig, wenn die Stecklinge während der Anwachsfase gespannte Luft erhalten. Wobei bei der Schalenvermehrung noch ein Vorteil dazu kommt. Die Triebe hängen ja nicht in der Luft, sondern berühren teilweise die Substratoberfläche und an diesen Stellen wurzeln die Brutknollen an den Blattachsen. Bei der Kultur in Ampeln bleiben diese Brutknollen meistens klein. Bei der Schalenkultur verläuft das Wachstum der Brutknollen erheblich schneller. Einen Nachteil hat die Geschichte, denn kommen die Stecklinge in den Trieb ist bald ein unübersichtliches Chaos in der Schale. Geht man aber systematisch vor, hat man schnell eine Übersicht, wo dann die Knollen sitzen. ein weitere Vorteil ist, dass man auf diese Weise eine erheblich größere Anzahl an Unterlagen heranziehen kann.

Als zweites m.M.ist für die Anzucht Pfropfunterlagen aus Ceropegiaknollen wichtig, dass man sie wenigstens zweimal umtopft. Die Knollen sitzen ja normal immer etwas tief und mit jedem Umtopfen werden sie höher eingetopft. Zu meiner Knollenpflege gehört es dann auch, dass ich die Anzahl der Triebe auf zwei oder drei reduziere. Die Mühe mit der Pflege lohnt sich, denn gut gepflegte Pfropfunterlagen erhöhen die Erfolgsquoten beim späteren Pfropfen...

...macht es gut

CABAC

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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon Stalagmit » 12. Mai 2013, 11:07

Hallo ihr beiden und vielen Dank für eure (ausführlichen) Hinweise.

CABAC, du sprichst von Stecklingsvemehung. D.h. du trennst die ganzen Brutknollen generell von der Mutterpflanze um sie anzutreiben? Ist das effektiver als sie in Kontakt mit der Mamaknolle zu lassen?

Ich habe im Moment noch etwa 6 Sämlingsknollen, die jeweils schon sehr lange Triebe mit mehr oder minder kleinen Brutknollen haben. Wenn ich in Bälde irgendetwas Pfropfen muss, dann muss ich aufgrund der sonst zu geringen Größe eine dieser "Mutterknollen" nehmen und den Trieb mitsamt seinen Knollen weiterkultivieren. Sollten ja mit den genannten Methoden schnell auf eigenen Wurzeln wachsen, hoffe ich (tun sie ja jetzt schon in allen Töpfen wo sie's nicht sollen :mrgreen:)

MfG,
Fabian

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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon CABAC » 12. Mai 2013, 18:18

Hallo zusammen und hallo Fabian,

ein wenig sollte man sich schon mit der Morphologie dieser Unterlagenlieferantin auskennen.

Fabian, Du hast es richtig erkannt, ich warte nicht erst, bis ich auf Brutknollen zurückgreifen kann. Häufig beginnt die Anzucht einer Unterlagenknolle so:
Triebsteckling_1.jpg

Diese Triebstecklinge fallen regelmäßig an, wenn ich also von den Knollen die Triebe entferne. Bei den künftigen Unterlagen soll ja das Wachstum in der Knolle passieren und nicht in einer Unzahl von Seitentrieben.

Diese Triebe stecke ich in eine Schale mit Erde:
Anzuchtgewächshaus_2.jpg


Damit die Knollen schön schnell heranwachsen kommt eine Haube darüber:
Anzuchtgewächshaus.jpg


Nach wenigen Wochen sehen die Triebstecklinge schon so aus:
Triebsteckling.jpg

Triebsteckling_2.jpg


Schon nach drei bis vier Monaten können die kleinen Knollen in Töpfe verpflanzt werden:
Knolle_pikiert.jpg

Ein Jahr später werden sie dann in einen größeren Topf versetzt und dann auch ziemlich hoch gepflanzt:
Knolle_pfropfreif.jpg


Die Brutknollenvermehrung verläuft ähnlich zügig.

Etwas länger kann die Anzucht mit Sämlingen dauern:
sämling.jpg

Nach drei Monaten pikiere ich die Sämlinge und setze sie einzeln in Töpfe. Häufig mache ich mir gar nicht die Mühe der Aussaat. Denn manchmal bekomme ich das Öffnen der Schoten nicht mit und grabe dann die Sämlinge
aus den Töpfen der anderen Sammlungspflanzen.
Sämling_3M.jpg
Sämling_einjährig.jpg


Wie Du siehst, ist die Anzucht von Ceropegiaunterlagen denkbar einfach. Man muss sich eben zu helfen wissen. Und deshalb setzt sich der Preis von Ceropigiaunterlagen aus dem gewerbmäßigen Anbau aus 10 % Materialwert, 10 % Unterhalt&Pflege und 80 % "Gewußt wie" zusammen...

...mach(t) es gut

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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon Kurt » 12. Mai 2013, 18:34

Lieber Herbert,

ich finde, Du hast uns die Anzucht der Ceropegia-Pfropfunterlagen sehr anschaulich dargestellt. Man braucht natürlich auch den nötigen Platz dafür. Aber wir Pflanzenliebhaber sind ja sehr erfindungsreich.
Grüsse Kurt

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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon Stalagmit » 12. Mai 2013, 19:09

Wow - das war wirklich mal eine sehr anschauliche Demonstration. Vielen Dank dafür!

Tatsächlich wird der Platz dabei das größte Problem sein. Aber ich hbae bisher schon einige kleine Brutknollen (und Triebe natürlich auch), die ich vereinzeln und eintopfen. Werde ich mir dann in Bälde wohl mal vornehmen.

Danke!

MfG,
Fabian

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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon CABAC » 13. Mai 2013, 08:38

Na Fabian, dann leg mal los.

Zur Anzucht muss es ja nicht so eine große Schale sein. Es tut zum Anfang auch ein Zimmergewächshaus der Größe 30x20x5 (z.B. von Romberg - bekommt man eigentlich in jedem gutsortierten Gartencenter , Amazon oder Baumarkt).

Und dann habe ich noch etwas Wesentliches vergessen: Es kursieren zwei verschiedne Arten / Unterarten von Ceropegia. Die normale hat runde Blätter ( C. linearis ssp woodii) und eine mit länglichen Blättern (C. linearis).

Nach meinen Erfahrungen bewurzeln die Triebe und wachsen die Knollen von C. linearis schneller.

Mach(t) es gut

CABAC

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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon Stalagmit » 18. Mai 2013, 18:02

Hey CABAC,

da ich noch ein paar mehr kleine Knollen erhalten habe, wollte ich diese und alle kleinen Brutknollen, die ich noch habe (<1cm; die größeren bleiben in den Einzeltöpfen), jetzt auch mal aus Platzgründen in eine Schale "verfrachten" und das Wachstum forcieren.
Hätte noch zwei Fragen dazu, wie genau du da vorgehst: Die Schale vom Zimmergewächshaus hat ja keine Abzugslöcher. Wie vermeidest du, dass es nach dem Gießen zu Staunässe kommt?
Wie muss die Schale stehen? Bei zu wenig Licht vergeilen ja die Blätter/Triebe, nicht die Knollen - aber ich nehme mal an, dass wenn zu wenig Licht ankommt, auch die Knolle nicht gut wachsen wird? Das Problem ist und bliebt leider der Platz. Auf die Fensterbank passt nichts mehr hin, in meinem Zimmer ist es wahrscheinlich zu dunkel (großes Velux-Nordfenster - für die Aussat aber absolut ausreichend)? Andere Möglichkeit wäre noch, die Schale nach draußen zu stellen. Hier ist es aber noch nicht stabil über 10°C in der Nacht. Außerdem hätte ich dort ja noch gravierender das Problem mit Staunässe je nach Wetterlage, zumindest wenn ich keinen Deckel draufmache.

Vielen Dank!
MfG,
Fabian

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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon CABAC » 19. Mai 2013, 06:23

Hallo zusammen und hallo Fabian,

ohne Triebwachstum gibt es kein Knollenwachstum. Und da Ceropegiaknollen auch Wurzeln haben, sollten die möglicht vorhanden sein und sich gut ausbilden können. Selbst große Knollen taugen ohne kräftige Wurzeln als Unterlage dann nicht mehr oder nur kurze Zeit.

Ceropegia linearis oder l. var woodi sind zwar recht robust, aber wenn Du sie "absaufen" lässt, werden sich die Wurzeln zwangläufig verabschieden. Also lieber verhalten, dafür aber regelmäßig gießen.

Meine Literatur gibt nicht viel über die die Verhältnisse von Ceropegia linearis / woodii im Habitat her. In einem älteren Buch (Kakteen und andere schöne Sukkulenten von Grunert, Vieth und Kaufmann des VEB Deutscher Landwirtschaftsverlages Berlin ) steht zu lesen, dass diese Ceropegia anspruchslos sind und auch mit schattiger Kultur gut zurecht kommen. Könnte mir gut vorstellen, dass sie im Habitat in steilen Felsen siedeln und dort auch nicht vollsonnig.

Ich denke Deine Knollenkultur benötigt keinen Logenplatz, würde sie halbschattig aufstellen. Feuchtwarme Kulturbedingungen wird lange (vergeilte) Triebe wachsen lassen. Aber du willst ja keine schöne Triebe haben, sondern große kräftige Knollen. Während der frostfreien Zeit würde ich die Schale nach draußen stellen und eventuel nachts abdecken. So mache ich es auch und meine Knollenkluturen sind immer gut damit klar gekommen.

Wie bei vielen anderen Dingen im Bereich der Pflanzen würde ich kreativität vorgehen und aus dieser Kreativität Erfahrungen sammeln. Habe es immer so gemacht und mache es immer noch...

...in diesem Sinne mach(t) es gut, herzliche Grüße und schöne sonnige Pfingsten

CABAC

BTW: Falls noch Fragen sind, stelle sie und komm Dir keinesfalls blöd vor. Alle die zurzeit über den Beitrag lächeln, haben vergessen, dass sie möglicherweise ähnliche Problem hatten. So habe ich vor ettlichen Jahren auch mal angefangen und musst zum Teil viel telefonieren, weite Wege fahren oder mich an Ringbriefen beteiligen, um mich über den Gedankenauszutausch an Erfahrung gewinnen. Dank der Möglichkeit, sich über ein Forum auszutauschen hat sich vieles vereinfacht. Nur eines hat sich nicht geändert: Erfahrungen gute oder schlechte muss jeder für sich selbst sammeln.

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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon Stalagmit » 20. Mai 2013, 17:16

Hallo,

vielen Dank nochmal für die ganzen Tipps. Habe mich gestern mal rangemacht alle Brutknollen zu sichten und die langen Triebe zu zerteilen. Ist doch einiges an Knollen bei rumgekommen - alles möglich von 1mm-1cm. Wird wohl noch ein wenig dauern bis man davon was gebrauchen kann. Aber wie du schon schriebst - man muss zukunftsorientiert denken ;-)

MfG,
Fabian
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Re: Beeinflussung des Wachstums von C. woodii Knollen

Beitragvon CABAC » 11. Juli 2013, 07:24

Hallo zusammen,

ich habe meine Pfropfknollenanzucht in den vergangenen Wochen eigentlich nicht sonderlich beobachtet. Nur ab und zu etwas gegossen. Die meiste Zeit standen die Pflanzen unter der Haube und konnten so die Schlechtwetterperiode unbeeindruckt überstehen.

Aber vor ein paar Tagen habe ich eine Bestandskontrolle gemacht:

Knollenanzucht.gif
Ceropegiaschale


Ziemlich gut im Trieb und zahlreiche Blüten lassen auf eine reiche Samenernte hoffen.

Die diesjährigen Sämlinge zeigen schon kleine Knollen:
Ceropegia_Sämlingsknolle.jpg
Ceropegia Sämlingsknolle


Eine besonders gute Entwicklung kann ich bei Stecklingen verzeichnen. Seit Mai haben die Knollen von abgetrockneten Steckling ohne Knollenansatz nicht nur kräftige Wurzeln gemacht, sondern auch schon beachtliche Knollen ausgebildet:
Ceropegia_Stecklingsknolle.jpg
Ceropegia Stecklingsknolle


Ich werde nun so nach und nach die Knollen etwas aus dem Substrat ziehen und ab August vereinzeln.

Macht es gut

Euer

CABAC
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