Carallümchens Thesen für die erfolgreiche Sukkulentenpflege

Hast Du Fragen oder Tipps zur Pflege von Ascleps, wie z.B. Standort, Licht, Gießen, Düngen, Substrat, Überwinterung? Dann bist Du hier genau richtig.
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carallümchen
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Carallümchens Thesen für die erfolgreiche Sukkulentenpflege

Beitragvon carallümchen » 4. Dezember 2011, 17:25

Carallümchens ketzerische Thesen für die erfolgreiche Sukkulentenpflege
(unter Mitverwendung von Kommentaren, Thesen und Meinungen von Nobby, Sabel, WoBo, Hoyningen, Andreas, Regenbogen 21)


(Dem Thread viewtopic.php?f=76&t=1985 entnommen und hier separat gestellt. Evtl. Diskussion bitte dort weiterführen.)

Düngen
1. regelmäßig reichlich düngen – bei jedem Gießen in der Wachstumsphase
Auch mal mit reichlich Stickstoff. Verwenden ganz „normaler“ Düngermengen auch für Sukkulenten. Gut geeignet sind für den Kleinsammler die so genannten „Blühdünger“, also auch die klassischen „Geraniendünger“. Für Vielsammler: Richtig gut wirkt auch Wuxal Super. Bei der Verwendung von Humussubstraten/-mischungen kann, wenn regelmäßig umgetopft wird, auch nur mit halber Menge gedüngt werden, da der Humus (oder auch Blumenerde genannt) Dünger enthält.

2. Düngezeit ist März bis November
Eine Düngepause ab August ist nicht notwendig - die Triebe müssen nicht "Ausreifen". Dies ist nur eine erzwungene Wachstumsverlangsamung, die die Pflanzen nicht brauchen.

Wässern
1. regelmäßig in der Wachstumsphase gießen
Gießen, sowie das Pflanzsubstrat trocken ist (das kann am Fensterbrett Richtung Süden auch täglich sein)

2. Sukkulenten auch im Winter regelmäßig gießen
Aber seltener als im Sommer; insbesondere in Schönwetterphasen (Gießpause 6-8 Wochen, mehr nicht)

3. Gezielt wässern, nicht beregnen lassen
D.h. Pflanzen vor Regen schützen, aber regelmäßig kontrolliert gießen

4. Gießen ist substratabhängig
Wer selten gießt, braucht Substanzen, die das Wasser halten und wer viel gießt, der benötig ein durchlässigeres Substrat.

5. Versuch’s mal mit Hydrokultur
Das klappt gut z.B. mit Hoyas.

Pflanzsubstrat
1. Das Substrat hat untergeordnete Bedeutung
Hauptsache, man kommt als Sammler damit zurecht. Es sollte allerdings nicht zu basisch und nicht zu sauer sein. Hier muss jeder herausfinden, was für ihn selbst das Beste ist – und das ändert sich nach meiner Erfahrung nach ein paar Jahren ohnehin. Beim Substrat habe ich noch immer eine große Experimentierlust. Geschadet hat’s den Pflanzen bisher nicht. Daraus folgt These 2.

2. Die Erdmischung muss zum Gießverhalten des Pflegers passen.
Dicht gelagerte Substanzen, die das Wasser halten, werden seltener gewässert; Durchlässigeres, auch oft gröberes Substrat braucht häufiger Wasser (und Dünger).

3. Im Zweifelsfalle rein mineralische Substrate bevorzugen.
Diese haben den Vorteil, dass sich Schadpilze und bakterien nicht gleich zu Anfang so stark vermehren können. Das hilft beim Aufpeppeln geschwächter Neulinge.
Rein mineralische, locker Substrate lassen sich beim (trockenen) Umtopfen einfach abschütteln, faulige Wurzeln sind so sofort sichtbar und können entfernt werden (wichtig für Ascleps!)


4. Auch Hoya, Ceropegia und Co. wachsen gut in rein mineralischem Substrat.

Topfgröße
1. Große Töpfe nur verwenden, wenn die Durchwurzelung durch die Pflanze erreicht werden kann.
Sonst schlürft die Pflanze nur kleine Bereiche leer, alles andere bleibt feucht – ein Eldorado für Bakterien und Pilze.

2. Kleine Töpfe häufiger gießen.
Bis zu 3mal die Woche, auf dem Südfensterbrett auch mal täglich.

3. Kleine Töpfe sind vorteilhaft
Sie trocknen nach dem Gießen schnell aus. Weil sie keine anhaltende Feuchte zeigen, faulen die Wurzeln unserer Schwächlinge weniger. Lieber dreimal die Woche bis täglich gießen!


Licht und Schatten
1. Pflanzen dicht an dicht stellen, das beschattet die Töpfe und schützt vor „heißen Füßen“.
Viele Sukkulenten lieben Halbschatten oder zumindest einen Schutz vor der heißen Mittagssonne. Zumindest dürfen sich Pflanzenkörper und Wurzelraum nicht so aufheizen.

2. Pflanzen (Ascleps!) lieber im Halbschatten kultivieren
Gerade Jungpflanzen wachsen in voller Sonne viel schwächer und verlieren aufgrund der Hitze leicht die Wurzeln – in der Natur wachsen Jungpflanzen meist im Schutz größerer umgebender Pflanzen.


Bewurzeln

1. Bewurzeln klappt besonders gut in immer nass-feucht gehaltenen mineralischen Substraten.
Perlite sind von der Produktion her ganz sauber und eignen sich daher gut.

2. Bewurzeln geht auch im guten alten Wasserglas.
Ascleptomaniac zeigt es hier: http://kuas-forum.de/viewtopic.php?f=76&t=937. Es schreibt dazu: "es sollte auch nicht gerade ein kopfsteckling sein, sondern besser ein ganzes glied mit möglichst kleiner schnittfläche an der schmalsten triebstelle. und sobald die ersten wurzeln da sind, den steckling eintopfen ... nicht auf wuchernde wurzeln wie bei ner grünlilie warten, denn vorher kommt matsch."

3. Hartnäckige Sukkulenten (Caralluma, Monolluma, Desmidorchis und Co) stellt man abgeschnitten in einen leeren Blumentopf und vergisst sie ein paar Wochen (Quäl... Schmerz... Durst...).
An der Schnittstelle zeigen sich nach einiger Zeit kleine helle Knubbel - dort wollen neue Wurzeln aus dem Zentralzylinder wachsen. Jetzt schnell eintopfen und regelmäßig feucht halten.

4. Es lebe die Steinzeit - Man lege einen ausreichend großen Stein auf den Ableger.
Die Ableger sind gegen Austrocknen und Hitze (sofern man keinen schwarzen Stein genommen oder den Topf in den warmen Schatten gestellt hat) geschützt, werden in das Substrat gepresst und die Dunkelheit fördert das Wurzelwachstum. Regelmäßige Wassergaben auch hier nicht vergessen.


Ziel: Welches Pflanzenaussehen ist schön?
1. Jeder muss sich selbst entscheiden, ob er seine Pflanzen lieber unter standortsähnlichen Mangelbedingungen (Pflanzen leiden und wachsen schwach) oder eher unter optimalen Bedingungen halten möchte (Pflanzen wachsen maximal und sind prall).

2. Mehr Blüten und kräftige, gesunde Pflanzen erhält man, wenn man sich nach den eigentlichen Bedürfnissen der Pflanzen richtet. Und das heißt sicherlich viel mehr Dünger und Wasser, als nach althergebrachten Regeln üblich ist.

3. Auch am Standort sehen Pflanzen teils sehr fett und fast „getrieben“ aus. Wir wissen das nur meist nicht, weil kaum jemand in der Regenzeit nach Pflanzen sucht – das ist zu mühsam und manchmal auch unmöglich (keine Erreichbarkeit der Standorte).

Dies sind meine Thesen - formuliert und spezifiziert mit Eurer Hilfe. Es macht Spaß, auch kontrovers zu diskutieren - ob mit oder ohne Fugen-S.
Grüße Carallümchen

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