Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Hast Du Fragen oder Tipps zur Pflege von Ascleps, wie z.B. Standort, Licht, Gießen, Düngen, Substrat, Überwinterung? Dann bist Du hier genau richtig.
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carallümchen
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Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon carallümchen » 17. November 2011, 18:28

Hallo ihr Lieben,
heute habe ich ein Anliegen, was mir schon seit Langem im Kopf rum spukt. :twisted: :twisted: :twisted:
Seit ich Pflanzen sammle und vermehrt mit anderen Sammlern Kontakt habe, ist mir langsam bewusst geworden, wie heikel alle mit dem Thema "Pflege", will heißen: "Wasser, Dünger, Substrat, Mengen, Zeiten, Temperaturen" umgehen.

Wie in Schillers Glocke stehen die ehernen Gesetze der Sukkulentenkultur "festgemauert in der Erden" wie etwa

nicht düngen, das führt zu Vergeilung...
wenig gießen, denn die Pflanzen stehen ja in der Natur auch so trocken...
große Töpfe nehmen...
kleine Töpfe nehmen...
Lauberde aus dem Wald klauen - das haben schon die Gärtner im 18ten Jahrhundert so gemacht...
Brennnesselsud, Schachtelhalmtee, neuerlich auch div. Pflanzenstärkungsmittel wie Baldrianessenz um nur ein paar zu nennen werden gefeiert oder, weil neu gefeuert...
für Sukkulenten einen Anteil an Kompost einbringen...
Im August aufhören mit gießen, weil die Pflanzentriebe sonst nicht ausreifen...


oder so ganz spezielle Sachen wie
Conophyten nur im Winter gießen (sind ja Winterwachser, sagt ja jeder)... OK, das sind keine Ascleps, aber ein enorm gutes Beispiel!!

:!: :!: :!: :?:

Die Liste ist bei weitem nicht vollständig, aber eines ist klar: viele Hinweise stammen aus dem vorletzten Jahrhundert, zumindest aus den Vorkriegsjahren des letzten Jahrhunderts. Sie sind ganz tolle Hinweise und es ist prima, dass die Kakteen-Gurus der damaligen Zeit so viele ihrer Kulturerfahrungen weiter gegeben haben. Sie passen oft in einen zeitlichen Kontext (wo bitte gab es 1895 Flüssig-Dünger?), aber wie gesagt, ich halte sie eben nicht für "festgemauert in der Erden".

Die teils große Vehemenz, mit der diese althergebrachten Hinweise quasi von Sammlergeneration zu Sammlergeneration weitergegeben, werden erstaunt mich jedesmal, wenn ich ihr begegne.

Ich würde mich freuen, wenn jeder Sammler sein eigenen Erfahrungen und Experimente immer und zu jeder Zeit hier und überall sonst im großen Kakteen- und Sukkulentensammlerraum erklären, zusammenfassen und darstellen kann. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Ich muss ja nicht dieser Meinung sein, aber es ist interessant, was alles zum Erfolg führt, obwohl es den alten Weisheiten völlig entgegen läuft. Jeder, ob alt oder jung, kann, will und muss Erfahrungen sammeln und experimentieren dürfen. Und er muss es auch laut sagen dürfen. Im Grunde hat er sogar ein Recht darauf, dass sich jeder mitdem Thema ernsthaft auseinander setzt, ohne diese neuen Erfahrungen mit einem Hinweis auf Althergebrachtes vom Diskussionstisch zu fegen.

Natürlich gibt es auch solche Sammler, die ein Geheimnis um die Pflege ihrer Lieblinge machen - hier hat der Kultivierungserfolg natürlich auch Selbstbestätigungscharakter - "keiner kann es so gut wie ich" - aber das ist nicht meine Auffassung (mein Motto steht unten).

Dieser ganze Themenkreis hat also schon etwas Philosophisches - zumindest spielt die gruppendynamische Komponente in unserem Umgang miteinander eine große Rolle.

Also wie seht ihr alle dieses Problem. Ist es euch schon einmal begegnet? Wie geht ihr damit um? Habt ihr Lust, eure ganz individuellen und "gegen den Strom" gemachten Erfahrungen hier in einem Threat zu sammeln? Dabei können wir ja auch auf schon bestehende Diskussionsstränge verweisen.

Ich bin gespannt - Grüße Carallümchen
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davissi
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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon davissi » 17. November 2011, 20:15

Hallo Carallümchen,

ich bin da deiner Meinung. Ich habe vor wenigen Wochen Kuas-Jahrgänge aus den 70ern bekommen und die Informationen unterscheiden sich doch teilweise recht arg von den heutigen Info´s z.B. über Melocacteen. Ich habe aber auch schon meine eigenen Erfahrungen machen müssen/dürfen (manchmal negativ aber auch positiv; auch wenn ich erst ca. 2 Jahre sammle).

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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon sabel » 17. November 2011, 22:18

Gute Idee!

Bei uns in Wien ists im Sommer heißer und im Winter kälter als zB in Hamburg. Also können schon mal nicht für beide Gegenden die gleichen Pflegegrundsätze zum guten Ergebnis führen.
Alles Liebe
sabel

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CABAC
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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon CABAC » 18. November 2011, 07:11

Hallo zusammen,

ich habe noch einen anderen Aspekt von Philosophischem im Zusammenhang mit dem Sammeln und Pflegen von Pflanzen.

In den Anfangsjahren meines Hobbys habe ich mir gerne und häufig andere Sammlungen angesehen. Wollte mit den Augen klauen und eben sehen, wie es andere machen. Und so geschah es, dass ich eine total monotypische Sammlung besichtigen konnte. Es war die Sammlung eines sogenannten Edelsammlers und ich bin da nur herein gekommen, weil ich mich eine Gruppe angeschlossen hatte. Die meisten Besucher saßen schon bei Kaffee und Kuchen auf der Terasse und ich stand noch mit zwei anderen Besucher im Gh und bestaunte die große Sammlung, die nur aus einer Gattung bestand. Auch die beiden anderen Besucher unterhielten sich nicht. Nach geraumer Zeit sagte dann der eine zum anderen: "Also ganz toll diese Sammlung, aber ich verstehe seine Philosophie nicht!"

Zuerst war ich ziemlich geschockt, denn was hat prophane Sammeltätigkeit mit Geisteswissenschaften zu tun. Erst sehr viel später wurde mir bewusst, dass das Sammeln ansich eine sehr archaische Tätigkeit ist, die man nur für sich sinnvoll betreiben kann, wenn man eine eigene Philosophie entwickelt hat.

Wobei nicht auszuschließen ist, dass diese Philosophie anderen auf ewig verschlossen bleibt...

...in diesem Sinne bis bald mal wieder

CABAC


So lange wie Kakaobohnen auf Bäumen wachsen, ist Schokolade für mich Obst!

Andreas
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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon Andreas » 18. November 2011, 15:05

Hallo Friederike,

Du hast vollkommen recht. Viel zu viel wird unüberprüft übernommen und einfach weitergegeben.
Mal drei- vielleicht etwas gewagte - Thesen:

1. Wir düngen viel zu wenig.
Ein Saguaro (Carnegia gigantea) erreicht sicherlich keine 12-15 m Höhe in 200 Jahren, ohne dass ausreichend Nährstoffe vorhanden sind. Ich selbst habe an Säulenkakteen in der Natur schon Zuwächse von 1 m pro Jahr festgestellt.
Auf jedem Fall. Seit ich meine Sukkulenten regelmäßig und reichlich dünge, wachsen und blühen sie besser. Es muss ja nicht immer Stickstoffdünger sein, wobei bei mir auch regelmäßig "Blaukorn" zum Einsatz kommt.

2. Wir gießen zu wenig.
Sukkulente wachsen zwar in trockenen Gegenden, wenn es da aber regnet, dann richtig. In Südbrasilien - Heimat der Notokakteen- z.B. regenet es doppelt so viel (wenn auch etwas anders verteilt) wie in Stuttgart. Melokakteen wachsen in Brasilien häufig auf flachen Steinplatten/Felsen. Hier ist immer etwas Feuchtigkeit vorhanden. Ein Freund hat mal gesagt: Melokakteen sind Hydrokulturpflanzen. Ganz unrecht hat er damit nicht. Ich gieße also auch reichlich.

3. Das Substrat hat untergeordnete Bedeutung.
Ein holländischer Kakteengärnter hat mal gesagt: Ein Substrat habe ich nur noch, damit der Kaktus nicht umfällt.
Nach meiner Erfahrung hat er damit recht. Wenn Dünger- und Wassergaben stimmen, spielt die Art des Substrats bei mir keine große Rolle.

Das Ganze ist natürlich ziemlich verallgemeinernd und passt nicht für alle Pflanzen, aber ich denke, ein wahrer Kern ist darin. Was meint ihr?

Herzliche Grüße

Andreas

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Hoyningen
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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon Hoyningen » 18. November 2011, 16:12

Hallo Andreas,

Deine Thesen sind interessant. Sie sind auch genau das, woran sich die Diskussion immer wieder entzündet:

1. Wir düngen viel zu wenig.

Für meine Verhältnisse stimmt das. Früher habe ich fast garnicht gedüngt. Die 40 mikroG Nitrat im Leitungswasser mussten reichen. Haben sie aber nicht. Seitdem ich regelmäßig in der Wachstumszeit mit halber angegebener Konzentration dünge, sieht man das den Pflanzen deutlich an.

2. Wir gießen zu wenig.
Für meine Verhältnisse stimmt das nicht. Seitdem ich umgezogen bin und einen überdachten Balkon habe, bekommt alles deutlich weniger Wasser. Ergebnis: Ascleps, Kakteen, Orchideen, alle stehen deutlich besser da.

3. Das Substrat hat untergeordnete Bedeutung.
Für meine Verhältnisse stimmt das überhaupt nicht. Weil es komplex mit gießen und düngen zusammenhängt. Es muss halt alles aufeinander abgestimmt sein.

Ergebnis: Ein System mit vielen Variablen hat auch viele Lösungen, die zu ähnlichen Ergebnissen führen. Jeder von uns macht so seine Erfahrungen, passt die Variablen immer wieder an und optimiert so sein System, wobei die Ausgangsbedingungen ganz unterschiedlich sind. Je nach Ausgangsbedingungen kommen wir dann auch zu recht unterschiedlichen Optimierungen. Und jeder, der so ein Optimum gefunden hat, schwört dann darauf.
Schöne Grüße

Volker

Regenbogen21
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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon Regenbogen21 » 18. November 2011, 18:26

Volker
Ich stimme Dir voll zu.

Dünger: Ich mische prinzipiell Hornspäne zu und dünge im Sommer zusätzlich mit "normalem" Blumendünger. Die Pflanzen gedeihen ganz gut. In der heutigen Zeit wachsen viele Pflanzen am Naturstandort durch intensive Beweidung umgeben von "Mist".

Wasser: Den Zustand von Coryphanta oder Mammillaria am Ende der Trockenzeit, eingesunken, bündig mit dem Boden erreichen wir nie, weil wir relativ zur Verdunstung übers Jahr gesehen viel zu viel gießen. Zum Glück schadet es nicht. Ein Großteil der Niederschläge, vor allem bei am Hang wachsenden Pflanzen fließt ab und der wasserspeichernde Boden ist dünn. Also Wasserknappheit. Und nach drei Monaten ist das Gießen von oben rum. Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele. Uns kribbelt es schon ab Anfang März und Ende März haben die meisten gegossen. 7 Monate später hören wir auf.

Substrat: Prinzipiell egal - aber je humusreicher, desto mehr müssen wir mit dem Faktor Wasser und Dünger (Humusbestandteile als Düngerspeicher) aufpassen. Auch ich verzichte in der Regel ganz. Wenngleich Experimente mit "valdezianus" in diversen Bodenqualitäten bei "Gartenerde" die besten Ergebnisse gebracht haben.

Ich grüße Euch

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nobby
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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon nobby » 18. November 2011, 18:52

Hallo zusammen,

ich finde das Thema richtig spannend!
Vor allem auch, weil es sich genau um die Dinge handelt, die viele Anfänger interessieren und über die "alten" Hasen nicht gerne sprechen.

Ich stelle mal eine weitere These in den Raum:

Die Erdmischung muss zum Gießverhalten des Pflegers passen.

Wer selten gießt, braucht Substanzen, die das Wasser halten und wer viel gießt, der benötig ein durchlässigeres Substrat.

Zum "Dünger" am Naturfundort habe ich mich schon in diversen Foren geäußert. Da gibt es meiner Meinung nach sehr viel mehr natürlichen Dünger als wir glauben.

Die gewaltigsten Unterschiede zum Naturfundort haben wir aber durch unsere Topfkultur. Die Wurzeln werden in ihrer natürlichen Ausbildung behindert und meist wird der Boden in den Töpfen deutlich heißer, als er es am Naturfundort je geworden wäre.

Gruß Nobby

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carallümchen
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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon carallümchen » 19. November 2011, 17:48

Wow, das ist aber schön - so viele äußern sich und ich denke auch, dass das Thema wichtig ist.

Hallo Davissi
Ja, die Angaben sind oft unterschiedlich - und als Anfänger hat man es schwer. Gut, wenn man nicht nur virtuelle Sukkulentenfreunde hat, sondern auch leibhaftig in deren Gewächshäusern stehen darf. Dennoch herrscht meist die Überzeugung, dass die Pflanzen wenig Wasser und Dünger für eine gesunde Existenz brauchen.

Liebe Sabel
das sowieso - in deinem warmen Wien ist sicher eher ein Schattiernetz oder zumindest eine schattenspendende Kübelpflanze nötig als im doch kühleren und bewölkteren Hamburg. Auch kannst du deine Pflanzen wahrscheinlich länger auf die Terasse stellen als ein "Hamburger". Aber gießen und Düngen musst du ebenso wie ein Nordlicht - oder auch nicht aus Überzeugung - und genau darum geht's mir.

Hi Herbert
monotypische Sammlung - klasse ---- ich frage mich tatsächlich öfter, warum ich eigentlich Pflanzen sammle und wohin mich das eigentlich bringt (oder bringen soll) - das hat schon was mit Philisophie zu tun - finde ich auch.

Hallo Andreas
Die Thesen finde ich gut - sie sind zwar nicht auf Pergament geschrieben und an die Kirchtür genagelt, dürften aber von einigen als ebenso ketzerisch aufgefasst werden. Ich würde sie auch glatt so aufstellen. Diese Substratgeschichte ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich muss man das so stehen lassen - in der Erwerbsgärtnerei geht der Trend voll zu Wurzeln in Nährlösungen.
Ich habe schon daran gedacht, einen richtigen Versuch mit nur einem Asclepsklon (Huernia zebrina subsp. zebrina), aber zahlreichen Ablegern zu starten in mind. 3 Substraten und 4 Düngervariantionen. Das scheitert aber immer an der wenigen Zeit, die die dafür notwendige Disziplin dann doch leider nicht aufkommen lässt. Denn ich muss, damit ich auch nur halbwegs vergleichbare Ergebnisse bekomme mit 36 Töpfen anfangen. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

Lieber Volker
man muss es auf die spezielle Situation beziehen - das stimmt auf jeden Fall. Ich würde aber dazu neigen, hier grundsätzlich davon auszugehen, dass unsere Pflanzen nur das bekommen, was wir ihnen geben - damit ist die sommerliche Witterung als regenspendende Zufallserscheinung einfach aus dem Rennen. Unsere Sommer sind leider nicht so häufig sukkulentenfreundlich.

Hi Regenbogen
Wasser: Den Zustand von Coryphanta oder Mammillaria am Ende der Trockenzeit, eingesunken, bündig mit dem Boden erreichen wir nie, weil wir relativ zur Verdunstung übers Jahr gesehen viel zu viel gießen. Zum Glück schadet es nicht.

ich habe was ganz Ketzerisches für dich:
Die Coryphantas und Mammillarien, die Hoodias und Stapelien, die am Ende der Trockenzeit speziell an ihren Verbreitungsgrenzen noch leben, sind wenige Promille der gesamten möglichen Population - nur wenige der Millionen von Samen erreichen überhaupt diese Stadium und Jahr für Jahr steht es auf der Kippe, ob diese Pflänzchen es am Standort schaffen. Je größer sie sind, je mehr Wasser sie speichern können, desto eher halten sie durch.
Meine These (vorsicht - sehr anthropozentrisch und nicht ganz soooooo ernst gemeint) ;) :
Die Kulturbedingungen "Wenig Wasser, wenig Dünger" führen nur zu Hungerindividuen - gesunde Pflanzen wären weit größer und kräftiger. Ich habe Mitleid mit den "Ebenerdigen" - sie kämpfen jedes Jahr von Neuem um Wasser, Dünger und Licht (vom Gefressenwerden ganz zu schweigen) meine Gewächshauspflanzen sollen optimal ernährt und nicht gequält werden.

Hallo Nobby,
genau, die Topfgröße und damit der Wurzelraum sind wichtige Eckdaten. Kleine Töpfe brauchen häufiger Wasser - große seltener. Große Töpfe sollten aber nur Pflanzen bekommen, die den Topf auch ausfüllen und "leertrinken" können. Deshalb neige ich zu kleinen Töpfen.

Im folgenden Betrag werde ich mal meine Thesen formulieren - mit Hinweisen, was ich dieses Jahr so getan habe.
Ich weiß aber auch, dass man in Sammlerkreisen die Nase rümpft, wenn mehr als dreimal im Jahr gedüngt wird und daher sagen speziell die Kakteengärtner meist garnicht genau, was sie so alles ihren Pflanzen füttern - den die Vorurteile sind groß.
Das ist mir jetzt völlig egal - denn ich dünge meine Pflanzen und ich gieße viel, ich halte sie warm.
Grüße Carallümchen
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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon carallümchen » 19. November 2011, 18:19

Jetzt die Thesen: Sie sind zwangsläufig generalisiert - Ausnahmen bei manchen Pflanzengattungen gibt es aber sicherlich.

Substrat:
1. Humus und Lauberde sind nicht notwendig, eher sogar schädlich, da die nicht an unsere Bodenpilze und -bakterien angepassten Sukkulenten Infektionen bekommen. Humus und Lauberde haben nur bei Düngemuffeln Vorteile, weil diese Substrate viel Dünger enthalten, den die "Nicht-Dünger" ihren Pflanzen vorenthalten. Die Pflanzen wachsen kurzzeitig stark - sofern sie wenigsten Wasser bekommen.

2. Lockeres mineralisches Substrat führt zu kräftigen, gesunden Wurzeln - sofern viel gegossen und gedüngt wird.

Dünger:
1. Kakteen und Sukkulenten reagieren gut auf Volldünger. Bei mineralischem Substrat sollte zu jedem Gießgang, zumindest aber bei jedem zweiten Gießgang gedüngt werden (von März bis November).

2. Eine Düngepause ab August ist nicht notwendig - die Triebe müssen nicht "Ausreifen". Dies ist nur eine erzwungene Wachstumsverlangsamung, die die Pflanzen nicht brauchen.

Töpfe:
Kleine Töpfe sind vorteilhaft, weil sie keine anhaltende Feuchte zeigen und damit die Wurzeln weniger faulen - lieber dreimal die Woche gießen!

Habt Ihr auch weitere Thesen - gerne auch konträre?!
Grüße Carallümchen
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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon sabel » 20. November 2011, 00:17

Ich geh mit Dir konform, liebe Friederike, wenn ichs auch nicht so fundiert und gegliedert ausdrücken kann ;) .

Bei mir hat die Erfahrung mit meinem Pflegeverhalten und dem Klima hier zu dieser Erkenntnis geführt.

Weils bei mir draußen an den Südfenstern im Sommer ziemlich heiß ist, ich aber mit humosem Substrat nicht klarkomme (Da gammelt mir alles weg), und daher nur mineralisches verwende, muß ich oft gießen (Im Hochsommer täglich), und ich dünge auch mit jedem Gießwasser (jedes dritte Mal etwa ist zwar nur Baldrianblütenextrakt dabei, von dem ich auch nicht sicher sagen kann, ob er wirkt, aber er schadet jedenfalls nicht.).
Kleine Töpfe verwende ich aus Platzgründen, da paßt mehr aufs Fensterbrett.
Zweidrittel meiner Hoyas steht zB in kleinen Hydrokulturtöpfen und sie zicken weniger herum, als die die in Erde stehen, und blühen - sobald der Topf durchwurzelt ist - auch regelmäßig und üppig.
Alles Liebe
sabel

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Re: Philosophisches zu althergebrachten Pflegehinweisen

Beitragvon Hoyningen » 20. November 2011, 14:36

Hallo alle miteinander,

Friederike, da hast Du aber was losgetreten!

carallümchen hat geschrieben:ich frage mich tatsächlich öfter, warum ich eigentlich Pflanzen sammle und wohin mich das eigentlich bringt (oder bringen soll) - das hat schon was mit Philisophie zu tu


Das hat wirklich was Philosophisches, für mich allemal etwas Kontemplatives. Es sind ja bei mir nicht nur Ascleps, sondern auch Kakteen, Orchideen, Carnivoren, selbstgezogene Bonsai, allerlei andere Pflanzen, nicht zu vergessen die Arbeit im Garten. Ich glaube, was mich betrifft, hat der Umgang damit etwas Meditatives, ich werde ruhig, schalte ab, auch wenn ich manchmal hart arbeiten muss. Ich halte Zwiesprache (den Satz hätte ich fast wieder gestrichen, weil er schon einigermaßen persönlich ist). Der Umgang mit Boden, Erde, Pflanzsubstrat macht mir gefühlsmäßig nicht die Hände schmutzig, auch wenn ich sie mir hinterher wasche. Ich gehöre ja zu der Kategorie, die gerne aus Samen aufzieht. Das bringt eine ungeheure Faszination und ein tiefes Verhältnis zu diesen Pflanzen, die mich zum Teil schon über Jahrzehnte begleiten. Jeder Verlust ist da ein Stück von mir selber. Urlaubserinnerungen haben fast immer Wurzeln, Blüten oder Blätter. Keine Fernreise, kaum einmal ein Besuch irgendwo, von denen ich nicht wenigstens ein paar Samen oder einen Ableger mitgebracht hätte und deren Nachkommen sich nicht irgendwo auf dem Fensterbrett oder im Garten fänden.

carallümchen hat geschrieben:Die Coryphantas und Mammillarien, die Hoodias und Stapelien, die am Ende der Trockenzeit speziell an ihren Verbreitungsgrenzen noch leben, sind wenige Promille der gesamten möglichen Population - nur wenige der Millionen von Samen erreichen überhaupt diese Stadium und Jahr für Jahr steht es auf der Kippe, ob diese Pflänzchen es am Standort schaffen. Je größer sie sind, je mehr Wasser sie speichern können, desto eher halten sie durch.
Meine These (vorsicht - sehr anthropozentrisch und nicht ganz soooooo ernst gemeint) ;) :
Die Kulturbedingungen "Wenig Wasser, wenig Dünger" führen nur zu Hungerindividuen - gesunde Pflanzen wären weit größer und kräftiger. Ich habe Mitleid mit den "Ebenerdigen" - sie kämpfen jedes Jahr von Neuem um Wasser, Dünger und Licht (vom Gefressenwerden ganz zu schweigen) meine Gewächshauspflanzen sollen optimal ernährt und nicht gequält werden.


Da bin ich nicht ganz damit einverstanden. Diese Pflanzen aus Extremstandorten muss man sicher genauer betrachten. Wenn die nur an diesen Standorten vorkämen, dann wäre das ja eine durch Evolution herausgebildete Überlebensstrategie, mit der sie an diesen Standorten das herausholbare Optimum (oder nahe dran) erreichen. Kommt die gleiche Art aber auch an weniger extremen Standorten vor, dann sind diese Exemplare eben das Extrem, bis zu dem die Standortanpassung vorgedrungen ist, -mehr geht nicht. Wir kultivieren sie dann zu Hause natürlich unter anderen Bedingungen und zeigen damit, welches Potential in der Pflanze steckt, wenn sie nicht bis an die Grenzen getresst ist.

carallümchen hat geschrieben:Große Töpfe sollten aber nur Pflanzen bekommen, die den Topf auch ausfüllen und "leertrinken" können. Deshalb neige ich zu kleinen Töpfen.


Ja, ich auch, aber manchmal notgedrungen. Ich träume von einem ganzen Rasen von, sagen wir, Huernia plowesii. Sagen wir, 30 cm Durchmesser. Da würde ich wirklich auf ein paar andere verzichten und Platz machen. Was nimmst Du denn für sowas für ein Pflanzgefäß, Substrat und Gießregime?
Schöne Grüße

Volker


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