ARG'16

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Re: ARG'16

Beitragvon CABAC » 29. Juni 2016, 06:00

Hallo zusammen,

danke für Eure Beiträge, Bilder, Ratschläge, Anregungen und Ergänzungen. Lisi und bei Dir bedanke ich ganz besonders. Aber ich weis ja, wer sich da über mich lustig macht. Reisen wie wir sich machen, unterliegen besonderen Gesetzmäßigkeiten.

Stimmt Nobby, da waren im Januar zwei Ruheständler / Rentner unterwegs und eben deshalb ein typisches Rentnerproblem hatten, nämlich alles zu schaffen, was in der Agenda aufgenommen wurde. Wobei diese Agenda an manchen Tagen manchmal schon um 09:30 Uhr nur noch ein grober Leitfaden war.

Für Austrocacteen und ihre ökologischen Bedürfnisse hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Gefühl entwickelt, um so unverzeihlicher ist es für mich , dass ich an diesem Tag auf diesem Hügel nicht noch weiter aufgestiegen bin. Denn während Don Carlos unten bei den Gebetshäuschen Samen sammelte war ich weit nach oben gestiegen.

Was lehrt mich das? Ich muss da unbedingt mal wieder hin!

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Re: ARG'16

Beitragvon nobby » 29. Juni 2016, 09:01

Ich muss da unbedingt mal wieder hin!


Das kann ich gut verstehen.
Der Hügel ist aber auch etwas Besonderes.
Erst mal Maihueniopsis ovata, Trichocereus candicans und Denmoza, dazu dann noch P. oder E. strausianus(a), Maihueniopsis platyacantha und Austrocactus bertinii und - abhängig von Wasser und Jahreszeit - Pterocactus tuberosus und/oder Pterocactus fischeri. Ein reichhaltiges Angebot, wie man es nur selten findet.
Wir haben auch schon die beiden nächsten "Hügel" untersucht. Das Angebot war nicht so reichhaltig, wie bei diesem
"Volcan de Todos los Santos".

Viele Grüße
Nobby

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Re: ARG'16

Beitragvon CABAC » 25. Juli 2016, 05:58

ARG’16 Tag 5

Reisetag 5 begann nach einer ruhigen Nacht wie Reisetag 4 angefangen hatte. Nass und ziemlich frisch. Wir hatten unter den Bäumen eine eher warme und sehr ruhige Nacht ohne Störungen verbracht. Nässe und die eher frischen Eindrücke hatten wir dem Fluss zu verdanken. Denn ob und wann wir auf dieser Reise eine Dusche sehen und erleben würden, war bis zu diesem Zeitpunkt mehr als ungewiss. Also nutzten wir die Möglichkeit eines Bades im kalten klaren Wasser des nahen Flusses. Mit blanken Hintern, versteht sich. Die Zelte und restliche Ausrüstung waren schnell und trocken abgebaut und verstaut. Gefrühstückt wurde ebenso schnell und unkompliziert. So bog unser Duster schon kurz nach 08:00 Uhr von der RN 150 auf die alte, nur auch Schotter bestehende, RN 40.
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alte Routa 40 mit Cerro Diamante
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Cerro Diamante

Die Landschaft hier wird als Pampa del Diamante bezeichnet und wird durch einen große Anzahl erkalteten Vulkan geprägt. Einer ist besonders groß und deshalb fallen immer wieder meine Blicke auf den Cerro Diamante. Der Reiz anzuhalten sowie Marsch und Aufstieg zu wagen ist groß. Welche Kakteen würden wir finden. Das hügelige Gelände hat sich bei beiden Stopps bisher als kakteenleer erwiesen. Doch mein Navigator hatte nur Agenda und sein Garmin im Blick und verkündete mir, dass wir bald zu einem Kakteenfundort kommen würden. Tatsächlich wurde es immer felsiger und schon bald sahen wir am Straßenrand die ersten großen Denmozas
T5_3.jpg
Denmoza rhodacantha

Kurz darauf hatte ich den für Argentinien so typischen Weidezaun überwunden und zunächst nur fotografiert.

Dabei fiel mir schnell auf, dass der Pyrrhocactus strausianus sehr variabel in der Dornenfarbe auftrat.
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Pyrrhocactus strausianus
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Pyrrhocactus strausianus
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Pyrrhocactus strausianus
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Pyrrhocactus strausianus
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Pyrrhocactus strausianus

Am auffälligsten waren allerdings die Denmoza. Konnte selten vorher einen Fundort besichtigen an dem ich vom kleinen kaum 3 cm großen Sämling bis zur 2,50 m hohen Säule antreffen konnte.

Die Zusammensetzung Kakteenflora unterschied sich aber nicht von den vorherigen Fundorten.
T5_9.jpg

Wir hatten zwar kein konkretes Tagesziel, wollten aber so nah wie möglich an Mendoza herankommen und fuhren deshalb weiter. Die Schotterstraße führt uns zunächst durch einen Krater an dessen Rändern große Denmoza wie Wächter befanden und danach an einen Stausee.
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Das tiefblaue Wasser der Embalse Aqua del Toro lud zum Bad ein.
T5_12.jpg
Embalse Aqua del Toro

Aber der unerbittliche Navigator las mir das Restprogramm für diesen Tag vor. Das Pläne in Argentinien manchmal nicht viel wert sind, merkten wir nur wenige Kilometer weiter. Denn unsere bislang gut befahrbare Routa war zu 2/3 weggespült worden. Mehrere enge Stellen konnten wir nur passieren, weil ich den braven Duster in ziemlicher Schräglage an der Böschung entlang fuhr. Wieder einmal war ich froh, dass ich die Fähigkeiten dieses robusten SUV so gut kannte und wusste, was ich ihm zumuten konnte

Dann kamen die bewussten roten Hügel auf denen wir auf Suche gehen wollten.
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Zunächst wurden wir geschockt, denn im unteren Bereich fanden wir nur zerschlagene Kakteen vor.
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Maihueniopsis ?

Die Regenfälle der letzten Tage musste aus den oberen Lagen das lose und scharfkantige Geröll runter gespült haben und in den unteren Lagen die Kakteen bis zur Unkenntlichkeit beschädigt haben. Weiter oben konnten wir die unbeschädigten Kakteen besichtigen. Gegenüber den vorherigen Fundorten würden wir wegen auf andere Kakteen stoßen. Neben den uns schon bekannten Opuntioiden, Pyrrhocacteen, Trichocereen fanden wir zusätzlich noch Gymnocalycium striglianum, Notocactus submammulosus und Pterocactus tuberosus.
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Notocactus submammulosus
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Pyrrhocactus strausianus
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Pterocactus tuberosus
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Pterocactus tuberosus

All diese Kakteen fanden wir auch an jedem Stopp den wir bis Pareditas machten. In Pareditas tankten wir wieder, machten unsere Mittagspause und fuhren dann weiter in Richtung Mendoza.
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Rast

Der Rest des Tages bestand dann darin, dass wir an jedem nur möglichen und verdächtig aussehenden Ort abseits der großen Straßen auf Kakteensuche gingen.
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Gymnocalycium striglianum

Darüber hatten wir dann komplett vergessen, dass wir uns mit neuen Lebensmitteln versorgen mussten. Die Sonne neigte sich als wir in Lujan de Cuyo vor einer Dispensa hielten und in dem äußerlich eher unscheinbaren Lädchen alles (Brot, Tomaten, Tunfischkonserven, Gurken, Oliven und Rotwein) fanden was Don Carlos und Don Ernesto benötigten um die nächsten 24 Stunden einigermaßen überleben zu können. Bei der Auswahl des abendlichen Rotweins unterstützte uns der Ladenbesitzer eine Flasche mit einem gelben Etikett empfahl. Der Wein stamme zum größten Teil aus der Region, wurde in einer hiesigen Kellerei abgefüllt und auch noch schmecken, wenn man ihn tagelang im Auto hin und her schaukeln würde. Der Mann sollte Recht behalten und wir hatten damit den Tischwein für den Rest der Reise gefunden. Die anschließende Suche nach einem Zeltplatz gestaltete sich sehr schwierig. Es war schon fast dunkel als wir endlich in unsere Not beschlossen ca. 4 km nördlich der RN 7 in derbreiten Zufahrt zu einer Finca unseren Duster abstellten und anfingen unsere Übernachtungsstelle einzurichten.
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T5_24.jpg

Wir waren gerade fertig und wollten das Abendmahl zubereiten, als ein Toyota-Hilux von der nahen Straße abbog und anhielt. Wir grüßten, der Fahrer hielt an und stieg aus. Ludwig fragte, ob er der Patron sei und ob wir für eine Nacht an dieser Stelle lagern. Nach der von uns beantworteten Frage, ob wir nicht zu alt fürs Zelten wären und warum wir nicht in Hotel gingen, gab der Mann seine Erlaubnis. Wir richteten uns also ein, aßen unser Abendbrot und anschließend ging an Sicherung von Daten bzw. Vervollständigung der Aufzeichnungen. Ich nahm erstmalig mein kleines Notebook und sichtete einen Teil der Bilder. Dabei fiel mir auch, dass ein Teil der Bilder ein wenig überbelichtet waren. Ich änderte daraufhin meine Kameraeinstellungen. Hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt einer der Automatikeinstellung der Kamera benutzt, fotografierte ich von da an nur hauptsächlich noch mit der Blenden- oder Zeitautomatik mit unterschiedlichen Feineinstellungen. Da wir beide mit dem gleichen Kameragehäuse, aber mit unterschiedlichen Objektiven fotografierten, war ich natürlich auch an den ersten Bildergebnissen meines Partners interessiert. Das Betrachten der Bilder und die Diskussion über die Ergebnisse und wie wir weiter fotografieren wollten, führte dazu, dass wir beide erst sehr spät in die Zelte kamen.

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Re: ARG'16

Beitragvon michael » 25. Juli 2016, 21:19

Hallo Herbert,

Danke für die Fortsetzung und ich bin schon gespannt, wie es weiter geht.
viele Grüsse
michael
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Re: ARG'16

Beitragvon Jiri Kolarik » 25. Juli 2016, 21:53

Hallo Herbert...
guuut...aber - ich dachte, dass Du Dich auch für A.subandinus interessierst..., der bei Los Molles wächst...ok...es geht nicht alles...
Cerro Diamante - das ist ein Traum...die Denmoza ist dann von Herrn Slaba zur Varietät erhoben - D.rhodacantha var. diamantina, was natürlich nicht anerkannt wurde...es stimmt nur, dass dort unter Cerro Diamante etwa zu 70-80% der Population diese besonders helle Bedornung trägt...aber - auch in Paso San Francisco oder Quebrada del Toro findet man (selten) hellbedornte Individuen...daher - nur eine Variationsbreite... Ähnliches gilt auch für diesen Pyrrhocactus, der auch von Slaba als P.multicolorispinus beschrieben wurde...nicht so ausgeprägte Unterschiede findet man eben auch auf diesem Hügel bei Malargüe...

Ein Blick aus dem Cerro Diamante - auf die Digue Aqua del Toro
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...links ein Teil der Vulkankaldera
52a.jpg


...und oben ausser Kakteen auch diese wunderschöne Oxalis vergesellschaften mit einer Viola vulcanica (?)
60a.jpg

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Re: ARG'16

Beitragvon CABAC » 26. Juli 2016, 06:51

Hallo zusammen,
und danke für die ergänzenden Beiträge.

Die letzte Reise ist noch längst nicht "verarbeitet" aber eines steht fest; zum Cerro diamante muss ich noch mal hin. Aber nicht nur vorbei fahren, sondern rauf.

Auch eine Zweipersonenreise lässt sich, trotz gut ausgearbeiteter Agenda, nur erfolgreich durchführen und zu Ende bringen, wenn jeder bereit ist, auf die Anregungen des Anderen einzugehen. Oder zu akzeptieren,wenn es Gegenargumente gibt. Jede Änderung eröffnete viele neue Möglichkeiten und es war unheimlich spannend, diese zu erfahren

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Re: ARG'16

Beitragvon CABAC » 31. Juli 2016, 08:23

Map_Mendoza.jpg

„Diese Karte ist ein Ausschnitt aus der Karte ‚world mapping project Argentinien’. © REISE KNOW-HOW Verlag Peter Rump GmbH.“

ARG’16 Tag 6
Reisetag 6 fing für uns sehr früh an. Denn gegen 01:00 Uhr stoppte ein Wagen neben unserem Lager. Der Fahrer stieg aus und fing sofort an zu brüllen. Offensichtlich angetrunken beschwerte er sich, dass wir das Tor offengelassen hätten und dass wir ohne seine Erlaubnis diesen Platz gewählt hatten. Sein Vieh würde nun unbeaufsichtigt herumlaufen und verlangte, dass wir sofort den Platz räumen. Diskutieren war also nicht möglich, also räumten wir den Platz und bauten die Zelte ab, um sie nur 10 Meter weiter außerhalb des Zaunes wieder aufbauen. Während Ludwig nur vier Heringe ziehen brauchte und sein Zelt quasi aufgebaut samt Schlafsack und Isomatte an den neuen Lagerplatz tragen brauchte, musste ich mein Zelt zunächst ausräumen und danach komplett ab und danach wieder neu aufbauen musste. Gehe zu, dass ich das sehr sorgfältig und gewissenhaft gemacht habe. Danach bemühte sich der Mann das offensichtlich lange nicht bewegte, deshalb schwergängige Tor zu schließen und es mit einer Kette samt Schloss abzuschließen. Dieser armselige betrunkene Mensch war dann auch der einzige Argentinier der uns gegenüber unfreundlich war. Der Rest der Nacht verlief dann für uns ruhig.

Die lange LKW-Kolonne einer Mineralölfirma weckte uns gegen 06:00 Uhr dann endgültig. Die Zelte abbauen und samt Schlafsäcke und Isomatten wurden an diesem Morgen trocken verstaut. Die Frühstücksvorbereitungen dagegen etwas schwieriger, denn mein Borde war nicht zubewegen fauchende blaue Flammen zu produzieren.
T6_1.JPG

Also kam Kocher Nr. 2 (ein kleiner Hobo) mit Trockenspiritus zum Einsatz. Während des Frühstücks besprachen wir die Route und mögliche Fundorte des Tages. Tagesziel sollte unbedingt Uspalata werden. Dort sollten Ludwigs Medikamente ergänzt werden. Der erste Fundort des Tages lag nur wenige hundert Meter. Kaum saßen wir im Wagen, als sich ein heftiger Regenschauer der Marke „mobiler Wasserfall“ ergoss. Nach einer halben Stunde war es vorbei und wir machten uns auf in dem dampfenden und triefnassen dicht bewachsene Buschgelände auf Kakteensuche zu gehen. Wir verzichteten auf den Anmarsch querfeldein und suchten uns einen Weg, auf dem wir dann recht trocken zum Fundort gehen konnten. Nach kurzem Marsch entdeckten ich am linken Wegrand eine Steinpyramide. Von dieser Markierung waren es nur wenige Schritte bis wir im Schutz der Büsche ca. 40 Gymnocalycien entdeckten. Ich hielt es wieder nun für ein G. striglianum, aber mein Don Carlos war anderer Meinung. Er meinte es wäre eine neue Art.
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G. striglianum ?
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G. striglianum ?


Der nächste Fundort lag im Grunde nur 3 km Luftlinie von unserem momentanen Standort entfernt. Doch wir sollten gut 15 km Fahren müssen, um direkt am Zaun der Raffinerie anzuhalten. Ludwig wollte hier an einem seiner alten und auch TOM-Fundort auf Suche gehen. Wie immer schwärmten wir aus und ich ging in nördliche Richtung. Auf einer freien Fläche würde ich besagtes Gymnocalycium nicht finden. Deshalb konzentrierte ich meine Aufmerksamkeit mehr unterhalb der niedrigen Büsche.
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Echinopsis leucantha, Opuntia sulphurea und Trichocereus candicans traf ich in großer Anzahl an, aber leider keinen einzigen Gymno. Ich brach die Suche ab und ging zum Wagen zurück, als meine Blicke auf etwas langes Buntgeringeltes fielen.
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Micrurus tricolor
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Micrurus tricolor

Ich hatte, wie ich später im Internet bestätigt fand, eine giftige Korallenschlange Micrurus tricolor gestellt. Leider bekam ich das Tier nie ohne störende Zweige und Blätter zu Gesicht und vor die Linse. Das Tier hatte scheinbar die Absicht den Busch zu verlassen, fühlt sich aber durch mich gestört und zog es dann vor, in einem Loch zu verschwinden. Schade.


Auch Ludwigs Suche war erfolglos geblieben. Wir schlossen dann auf der Nebenstrecke über Cacheuta zur R 7 und danach direkt auf der gut ausgebauten Straße über Uspalata zur Puente del Inca zu fahren. Doch ein gewaltiger Bergrutsch hinter Cacheuta zwang uns zur Umkehr. So waren wir viel früher auf der Fernstraße. Aber ein schnelles Vorankommen war deshalb trotzdem nicht möglich, denn Don Carlos wollte unbedingt jeden nur möglichen Fundort von Denmoza rhodacantha auf Samen untersuchen. Wir hielten insgesamt 5 mal an, fanden aber immer nur die gleichen Kakteen (Pyrrhocactus strausianus, Denmoza rhodacantha, Trichocereus candicans, die unvermeidliche Opuntia sulphurea) in allen Entwicklungsformen vor. Und nur einmal konnte mir mein Reisepartner Samen aus einer älteren Frucht zeigen.
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Pyrrhocactus strausianus
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Gegen 14:00 erreichten wir Uspalata und gut eine Stunde später Puente del Inca. Dieser markante Ort war erwartungsgemäß voll mit Besuchern. Wir konnten aber trotzdem unsere Pflichtfotos machen.
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Als ich 2003 schon mal hier war, war es trübe dunkel und noch winterlich kalt. Don Carlos verspürte Lust auf eine Milanesa und ich auf einen vernünftigen Cappuccino, also kehrt en wir in eines der Restaurants ein und beschlossen, dass wir in Uspalata nicht nur die Medikamente holen wollten, sondern im Hotel übernachten und den Abend mit einem Steakessen ausklingen lassen wollten. Während der Rückfahrt ließen wir uns viel Zeit. Don Carlos, der ja am liebsten Rundkurse fuhr musste mir bestätigen, dass es sinnvoll sein kann wenn man Strecken hin und zurückfährt. Die Motive die auf der Hinfahrt unattraktiv waren luden nun durch den veränderten Blickwinkle und zum Anhalten ein.
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Während ich mich in die lange Schlange vor der Tankstelle einreihte ging Ludwig zur nahen Apotheke und kam nach wenigen Augenblicken mit zufriedener Miene zurück. Er hatte ohne Probleme seine Medikamente bekommen. In einer Seitenstraße fanden wir ein kleines sauberes sowie preisgünstiges Hotel und nur eine gute Stunde später saßen wir bei einem Quilmes in einem Café an der großen Kreuzung und beobachteten das lebhafte Straßenleben.
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Uspalata war 2003 meine erste größere argentinische Ortschaft gewesen. Damals fanden wir in dem Kreuzungsdorf mit Tankstelle mit Mühe und Not eine Unterkunft. Da die Restaurants erst nach 21:00 Uhr öffnen würden, war ich neugierig darauf, wie sich Uspalata entwickelt hat und machten einen ausgiebige Ortsbesichtigung. Ich zumindest kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Uspalata hatte sich zu einem Urlaubszentrum mit Freizeitpark, Campingplätzen, vielen Hotels und einer großen Anzahl Restaurants entwickelt. In einem Restaurant bekamen wir dann unser ersten Empenadas und dem ersten Steak der Reise.
T6_29.JPG


Nach 5 Tagen Tomatenzwiebeltunfischbrotdiät eine sehr willkommene Abwechslung. Kurz vorn Zubettgehen vervollständigte ich meine Aufzeichnungen im Logbuch. Knapp 2400 km hatte wir mit Duster zurückgelegt, dabei waren wir erst 5 Tage unterwegs. Ca. 250 Ltr = 2700 Pesos hatten wir getankt, was mit andern Worten bedeutete, unser Fortbewegungsmittel für das, was wir ihm abverlangten gut 9 1/2 Kraftstoff pro 100 Kilometer verbrauchte. Von den 9 Speicherkarten mit jeweils 16 GB Speichervermögen hatte ich die zweite fast voll fotografiert.

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Re: ARG'16

Beitragvon lorbaer » 3. August 2016, 21:00

Schön Herbert! Dein anschaulicher Bericht ist fast wie dabei sein.

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Re: ARG'16

Beitragvon Jiri Kolarik » 4. August 2016, 21:44

Hallo...
tja - Uspallata...hmmm, in dem Cafehaus habe ich schon paar Steaks gegesen...dort ist auch eine gute Wifi und natürlich Quilmes oder Andes...weiter so Herbert!

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Re: ARG'16

Beitragvon CABAC » 4. September 2016, 16:11

Map_T7_Uspallata_Barreal-1.jpg

„Diese Karte ist ein Ausschnitt aus der Karte ‚world mapping project Argentinien’. © REISE KNOW-HOW Verlag Peter Rump GmbH.“

Hallo zusammen,

auch mit meinem Reisebericht geht es weiter.

ARG’16 Tag 7

Geweckt wurde ich durch den Lärm den Motorradfahrer verursachen, wenn sie ihre Maschinen anlassen. Mein Reisepartner war wohl schon länger wach, denn er verpackte gerade seine gereinigten Samen. Das Frühstück war typisch argentinisch und somit bestens geeignet, sich erst gar nicht lange gemütlich hinzusetzen, sondern so schnell wie möglich das erste Tagesziel Termas de Villavincensio anzufahren.
T7_1.JPG
Hotel

Die Strecke Uspalata nach Villavincensio betrug ca. 70 km und die Legende der Karte wies diese Strecke in weißer Farbe aus, was nicht nur bedeutet, dass diese für argentinische Verhältnisse ziemlich rau und mitunter schwierig befahrbar war, sondern auch die Lieblingslegendenfarbe meines Don Carlos und ich mich auf ca. 2 ½ bis 3 Stunden Fahrzeit einstellen konnte.
Wir verließen Uspallata in nördliche Richtung durch eine Bilderbuchallee.
T7_2.JPG

Die dann fast übergangslos in steinige Gebirgslandschaft überging. Mir war von mehreren Reisenden berichtet worden, dass bei Uspalata die schönsten Maihueniopsis glomerata vorkommen sollen.
T7_3.JPG

In dem zunächst eher flachen Gelände machten wir zunächst erfolglos auf die Suche. Erst als die Felsen steiler und schroffer wurden, lohnte sich das Austeigen. So tolle Glomeratas hatte ich bisher noch nicht gesehen.
T7_5.JPG
Maihueniopsis glomerata
T7_6.JPG
Maihueniopsis glomerata

Wurde aber im Laufe dieses Reisetages mehrfach eines Besseren belehrt. Die Weiterfahrt nach Villavincensio verlief dann wie erwartet: Die Straßenverhältnisse schlecht, kurven- und serpentinenreich, mit mehreren Wasserdurchfahrten, aber landschaftlich sehr schön. Auffällig waren für mich auch die zahlreichen Guanakoherden. Ihre Anwesenheit kündigte sich immer durch den Hengst an, der als Wachposten auf einem Hügel oberhalb der grasenden Herde stand.
T7_9.JPG
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Dadurch gab es zahlreiche Fotostops u.a. auch weil die leuchtend gelb blühenden Pyrrhocactus strausianus sehr häufig direkt neben der Straße standen. Um 10: 30 erreichten wir die Thermen Villavincensio. und faden mit Mühe einen Stelle, wo wir unseren Duster abstellen konnten.
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Dass wir dort unser Auto nur abstellen wollten und nicht das warme Wasser der Thermalquellen nutzen wollten, fanden zwei Parkplatzwächter nicht so gut. Wir erklärten, welche Absichten und versprachen den Parkplatz wieder frei zu machen und untersuchten die Hänge oberhalb des Hotels. Überraschungen gab es keine.
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Denmoza rhodacantha
T7_18.JPG
T7_19.JPG
Maihueniopsis minuta ?
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Pyrrhocactus strausianaus
T7_21.JPG
Pyrrhocactus strausianaus
T7_22.JPG
unbekannt
T7_23.JPG
unbekannt
T7_24.JPG
unbekannt

Auf dem Rückweg bewahrheitete sich meine Erfahrung, dass es durch aus Vorteile bringt, wenn man Strecken hin und zurück fährt. Denn auf dem Rückweg hörte ich doppelt so oft „Halt mal an!“. Und konnten deshalb Fundorte dokumentieren, die wir auf der Hintour und meistens bergab nicht gesehen hatten. Uspallata erreichten wir deshalb schon zur Siesta, machten unseren Tank wieder voll und fuhren dann weiter in Richtung Barreal. Auf diesem Streckenabschnitt wollten wir weiter die Vorkommen von Pyrrhocacteen und Pterocacteen untersuchen und was für mich von großer Wichtigkeit war, Puna clavarioides endlich auch mal im Habitat zu erleben. So bald das Terrain offen, flach und steinig wurde, fingen wir mit der Suche an. Neben Maihueniopsen und Pterocacteen fanden wir aber währende der ersten vier Halt die ersehnten Punas nicht.
T7_25.JPG
Maihueniopsis glomerata
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Pyrrhocactus strausianaus
T7_28.JPG
Pterocactus gonjianii

Erst als bei zunehmender Höhe auch der Bewuchs dichter wurde, fanden wir an mehreren Stellen dann endlich unsere ersehnten Puna clavarioides
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Puna clavarioides
T7_30.JPG
Puna clavarioides
T7_31.jpg
Puna clavarioides
T7_34.JPG
Puna clavarioides

Wieder einmal bewahrheitete sich, dass man bei der Suche von dieser perfekt getarnten Kaktee, erst eine gefunden werden musste, um dann fest zustellen, dass es dort sehr viele gab. Dieses traf dann auch für die folgenden Versuche zu. Beim Letzten konnte ich dann auch eine blühende Pflanze fotografieren.
T7_35.JPG
Puna clavarioides
T7_36.jpg
Puna clavarioides
T7_37.JPG
Pterocactus gonjianii

Der Tag war schon sehr weit fortgeschritten als wir beschlosssen unsere such für diesen Tag abzubrechen und dem Tagesziel “Weit hinter Barreal“ entgegen zufahren.
T7_38.JPG
T7_39.JPG

Barreal passierten wir ohne Probleme, der Kontrollposten war verwaist. Ca. 50 km hinter Calingasta fanden wir dann einen ruhigen Zeltplatz.
T7_40.jpg
T7_42.JPG

Angesichts des erfolgreichen Tages unterbrachen wir unsere „Tomatenbrotdiät nach Dr. B“ und gönnten uns ein warmes Abendbrot (Hühncheneintopf aus der Tüte). Sehr zur Freude von Don Carlos, denn er konnte endlich mal wieder seine Pyromanie ausleben und unseren Hobo mit gesammeltem Brennholz befeuern.
T7_43.jpg
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Re: ARG'16

Beitragvon guiterrezii » 5. September 2016, 10:31

Vielen Dank, lieber Herbert, es war wieder sehr kurzweilig und interessant!
Kakteensammeln ist eine internationale, schwere Krankheit. Wer infiziert ist, ist nicht mehr zu retten !

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Re: ARG'16

Beitragvon Jiri Kolarik » 5. September 2016, 15:50

Hallo Herbert,
die Maihueniopsis minuta? ist eine M.ovata...schön...und habt Ihr auch den kleinen Pyrrho auf dem Gipfel (Pass) gesehen?


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