ARG'16

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Re: ARG'16

Beitragvon CABAC » 17. Juni 2016, 06:16

Hallo zusammen,

nein, ich habe nichts gegen die lockere Art wie hier zu meiner sachlichen Darstellung und Verlauf reagiert wird. Es gibt viele Möglichkeiten über Feldforschungsreisen zu berichten.

Ich habe mich entschlossen, tageweise aus meinem Reiselobbuch zu berichten. Sachlich, aber hoffentlich mit Anekdoten gespickt.

Außerdem gebe ich ja auch meinen Senf zu den Berichten anderer Reiseberichterstatter.

Ich habe meine erste Reise erst im gereiften Alter machen dürfen. Deshalb war das erste Auto auch relativ neu. Ich fahre seit 50 Jahren Auto und mein erster Wagen war - natürlich - ein VW-Käfer, Bj 62 1200 cm³ und 34 PS. 2 Jahre lang habe ich mit dem meine Welt erobert. Das war so was von toll , dass ich mit diesem Wagen gerne damit mal ARG'16 gemacht hätte.

Was das Fahren selber angeht, so muss ich gestehen, dass ich daraus fast schon eine Wissenschaft gemacht habe. Muss dazu aber einfügen, dass ich berufsbedingt viel und häufig geländegängige Fahrzeuge fahren musste. Mit jedem neuen Typen gab es auch eine Einweisung im Gelände und daraus resultiert dann auch, dass ich jedes Festfahren als Schande und persönliches Unvermögen empfinde.

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Re: ARG'16

Beitragvon CABAC » 19. Juni 2016, 07:36

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„Diese Karte ist ein Ausschnitt aus der Karte ‚world mapping project Argentinien’. © REISE KNOW-HOW Verlag Peter Rump GmbH.“

ARG’16 Tag 3

Hallo zusammen,

der dritte Reisetag begann für mich recht früh. Um kurz nach 05:00Uhr mache ich meinen Koffer reisefertig.!? Was nicht anderes heißt soll, meine „Arbeitsbekleidung samt Zusatzausrüstung“ raus und alles, was ich an Bekleidung in den nächsten Tagen/ Wochen nicht benötige, Staub und Wasser dicht in VACU-PACKs verstaue. Danach mache ich meine Eintragungen in meinem Reislogbuch. Für die tägliche „heilige ¼ Stunde“ war bisher noch keine Zeit. Anschließend ging ich zum Wagen und machte ihn auch Feldforschungsreise tauglich. Alle Gegenstände, die im Wagen für mich griffbereit liegen müssen, bekamen ihren Platz und wurden auch so verstaut, dass sie nicht hin und her rutschen. Bin zwar der Fahrer und möchte aber trotzdem auf bestimmte Dinge unmittelbaren Zugriff haben. Also kam der kleine Fotoapparat seinen Platz in der Ablage im Armaturenbrett neben dem GPS und dem Reiselobbuch samt Reservestifte- und brille und die große Spiegelreflex samt Fototasche einen Platz hinter meinem Sitz. Anschließend wurden im Kofferraum der Benzinkocher mit dem Brennstoffreservebehälter und das Kochgeschirr sicher aber auch sofort griffbereit verstaut.

Dann ging es zum Frühstück. Argentinisch spartanisch, aber wenigsten mit vernünftigen Kaffee. Gut, dass das, was es zu Essen gab, nicht üppig war, denn mein Don Carlos eröffnet mir, dass er von seinen Medikamente nur noch einen Vorrat von 7 Tagen dabei und außerdem sein Blutzuckermessegerät zu Hause gelassen hat.

Meine Reaktion dazu war nur ein kurzes OK. Vor meinem inneren Auge durchlebte ich aber das ganze Notfallszenario. Bis wir die notwendigen Ersatzmediakamente haben werden, musste ich meinen Beifahrer öfters mal mit den Augen, Ohren und der Nase eines Rettungsassistenten beobachten. Von meinen Bedenken lasse ich mir nichts anmerken und wechselte das Thema auf die Tagesroute, dem möglichen Tagesziel und die Kakteen, die wir finden wollten.
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Danach ging es auch gleich auf die Fahrt durch drei Provinzen. Realito liegt in der Provinz La Pampa und bis zum nächsten großen Stopp in General Alvear mussten wir die Provinzgrenzen zu San Luis und Mendoza überqueren. Die Kontrolle an der Provinzgrenze von La Pampa nach San Luis fing streng an und wechselte dann, nach dem Don Carlos seine Königin (Reina Maxima) in Spiel brachte in ein nettes Geplauder. Das Thema Fussball wurde Gott sei Dank nicht angesprochen.
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An der Provinzgrenze zu Mendoza war niemand, allerdings war der Schlagbaum zu und ein Schild zeigte auf eine Umleitung in deren Verlauf wir durch eine Desinfektionsanlage fahren mussten. Nicht schlimm, wenn man mal davon absah, dass ich anschließend ganz schön viel Mühe den schmierigen Film von den Scheiben zu putzen. Schon um kurz nach 10:00 Uhr erreichten wir General Alvear. Hier wollten wir die RN 188 verlassen und dann auf der RN 143 südlich fahren und danach über Punta del Aqua; Aqua Escondida, der Laguna Llancanelo hoffentlich in Malargüe ankommen. Wir machten unseren Tank wieder voll und versorgten uns für die nächsten Tage mit Lebensmittel.

Da mein Reisepartner Diabetiker ist, mussten wir unsere Ernährung entsprechen kohlehydratearm anpassen. Um es so unkompliziert wie möglich zu halten, ernährten wir uns stets gleich. Und so sah unser Einkaufszettel aus: Trinkwasser, Cracker, Tütensuppen, Pulverkaffee, Tomaten, eingelegte Oliven, Zwiebeln, Knoblauch, Tunfischkonserven, Gewürze, Coca-Cola, Obst, Rotwein und für mich Brot.
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Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir das Gebiet in dem wir auf Kakteensuche gehen wollten. Ich bin ja jemand der zur Kakteensuche eher gerne auf Schotterfeldern sucht oder in Felsen herum klettert. Entsprechend unangenehm war es mir, als ich das dicht bewachsene Gelände betrachtete, in dem wir auf die Suche nach Gymnocalycium striglianum gehen wollten. Dort wo es steinig wurde, fand ich auch sofort dieses Gymnocalycium.
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Gymnocalycium striglianum
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Gymnocalycium striglianum


Wolfgang Pasch hatte dieses Variation mal entdeckt und nach seiner Frau Hermine benannt. Wegen des sehr dichten Bewuchses gab es außer großen Polstern von fast unbedornten Tephrocactus articulatus und Opuntia sulphurea keine anderen Kakteen. Immer nur wenige Pflanzen, für mich zu wenig, um wenigsten ein Eindruck zu gewinnen. Am meisten beschäftigte mich aber:
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eine blaue Glasscherbe die ich gut 2 km vom Weg auf einem Lavahügel fand. Wie um alles in der Welt ist die da hin gekommen? Ein Fall für Erich von Däniken ?


Nach 2 ½ Stunden fuhren wir weiter. Der nächste Halt befand sich schon in der Nähe von Punta del Aqua. Auf den markanten Lava hügel direkt neben der Straße sollten wir schon Pyrrhocactus strausianus finden. Und nicht nur den (mit gelber, brauner und fast schwarzer Bedornung) sondern auch Denmoza rhodacantha , Trichocereus candiacans, Tephrocactus articulatus und die unvermeidliche Opuntia sulphurea. Gut eine Stunde lang hielten wir uns hier auf.
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Pyrrhocactus strausianus
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Pyrrhocactus strausianus
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Denmoza rhodacantha
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Tephrocactus articulatus
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Trichocereus candicans


Dann brachen wir in Richtung Norden, denn wir wollten in der Nähe von Los Toldos unser Nachtlager aufschlagen. Auf dem Weg dorthin fing es an zu regnen und schon bald bildeten sich auf der unbefestigten Straße große Pfützen. 4 km vor Los Toldos war es dann soweit. An der Stelle wo nach unserer Kartenlage der Rio Seco die Routa kreuzte ergossen sich braunrote Wassermassen gen Nordosten. Mein Beifahrer, an diesem Tag für die Waatversuche zuständig, winkte ab und so drehten wir um fuhren die 35 km zurück. Wir wollen dann über Punta del Aqua südlich fahren. Doch auch hinter diesem Ort war es wieder der Rio Seco der unsere Weiterfahrt verhinderte. Also beschlossen wir umzudrehen und gegen 19:00 Uhr blieb der Duster in einem Seitenweg stehen. Hier wollten wir unsere Nachlager aufschlagen. Bei Nieselregen und böigen Wind; trotzdem kam keiner von uns auf die Idee ins nur 40 km entfernte General Alvear zufahren um dort in einem Hotel zu übernachten. Die Zelte waren dann sehr schnell aufgestellt und relativ trocken eingeräumt. Unser Abendbrot nahmen wir dann im Duster ein. Danach machte jeder seine Eintragungen ins Logbuch, kurz die gefundenen Pflanzen sowie die Route(änderung) des nächsten Tages besprochen. Der Tinto wollte uns aber nicht so recht munden, deshalb ging es schon bald in die Schlafsäcke. Ich muss dann auch sehr bald eingeschlafen sein, denn als ich später ein mal wach wurde, war meine Kopflampe noch an und der Ebookreader lag aufgeklappt auf meinem Oberkörper.

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Re: ARG'16

Beitragvon guiterrezii » 19. Juni 2016, 21:10

Sehr kurzweilig, mein lieber Herbert! Ich genieße und harre der Fortsetzung!
Kakteensammeln ist eine internationale, schwere Krankheit. Wer infiziert ist, ist nicht mehr zu retten !

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Re: ARG'16

Beitragvon gymnofan » 19. Juni 2016, 22:07

Hallo CABAC
direkt aus einem verregneten Kurzurlaub werde ich hier mit einem Argentinienbericht verwöhnt, da freue ich mich doch tierisch, das mit der Autoauswahl kann ich nur bestätigen; leider gab es 1993 und 1995 noch kaum eine Autoauswahl und so hatten wir einen Renault 12, der uns aber auch gute Dienste leistete, war aber für die 3 Wochen fast so teuer wie der Flug damals;
bin gespannt wie es weitergeht

Vg
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Re: ARG'16

Beitragvon Robby » 20. Juni 2016, 17:45

Hallo CABAC,

besten Dank für Deine präzise Reisedarstellung. Ich schätze diese Art von Präsentation sehr. Da ich derartige Reiseberichte akribisch mitverfolge und mir dabei viele Standorthinweise notiere, sind Deine Kartendarstellungen besonders hilfreich.

Diesbezüglich noch zwei Anmerkungen:
Wer sich, wie ich, ein genaueres Bild der gefahrenen Touren verschaffen möchte, der kann dies oft mit Googles Streetview machen. Unglaublich wo dieses Googleauto bereits überall herumgefahren ist. Die Strecke nach Punta del Aqua kann man beispielsweise herrlich "nachfahren", wenn man einen tieferen Eindruck in die Landschaft gewinnen möchte. So kann man auch dieses "Rinnsal" sehen, an welchem die Beiden (nördlich Punta del Aqua) gescheitert sind. Da hatten die Googlefahrer offensichtlich mehr Glück. Aber wie schnell kleine Bäche anschwellen können, haben wir ja kürzlich auch hier erlebt.

Neu für mich ist auch die Tatsache, dass die hier im Forum hochgeladenen Fotos ihre Tags, einschließlich der Geotags behalten. Das heißt, dass man Fotos herunterladen und mit der entsprechenden Software (z.B. Picasa) den exakten Fundort lokalisieren kann. Hier beispielsweise beim ersten Pyrrhocactusfoto. Ich hoffe CABAC stört das nicht und postet auch künftig georeferenzierte Fotos.

In Vorfreude auf die Fortsetzung
Robert

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Re: ARG'16

Beitragvon CABAC » 21. Juni 2016, 04:36

Hallo zusammen,

Danke für Eure Reaktionen hier.

Robby, ich mache es ähnlich. Sobald die Planung für ein Teilstück der Reiseroute steht, setze ich mich an den PC und "fahre" mittels Google Earth bei eingeschalteter Fotofunktion die Strecke ab.

Vor der Reise 2014 haben wir das bei mir gemacht. Damit wir nicht eng aufeinander hockend auf den Monitor schauend haben wir das ziemlich entspannt per Notebook Beamer und Leinwand gemacht.

Die Bilder sind dann meistens sehr hilfreich. Die Reise 2014 war durch den vielen Regen geprägt. Ein paar für uns sehr wichtige Fundorte waren nicht möglich. Die wollten wir 2016 natürlich nachholen oder unter anderen Bedingungen noch mal machen. Auf den Weg von La Vina über Guachipas und Pampa Grande nach El Jardin musste ich mehrfach den Duster durch, für mich vermeintlich tiefe, Flussdurchfahrten bringen.

Später sah ich beim Nacharbeiten mit Google Earth das alle Flussüberquerungen gepflasterte Furten waren. Ein argentinisches Ehepaar ist dieses Teilstück in umgekehrter Richtung mit einem Kleinwagen gefahren und hatte für diese Teilstück Ihre Fotos hochgeladen.

Nun, im Februar 2016 war das Wetter nicht wesentlich besser, der Zustand der wenig befahrenen Strecke auch nicht, aber in die insgesamt 9 tiefen Furten bin wesentlich entspannter hinein und auch wieder heraus gefahren. u.a. auch weil ich volles Vertrauen an den SUV Duster hatte, denn der hatte bis zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Mal "Uboot" spielen müssen.


b]CABAC [/b]

...der
frühe Vogel kann mich mal !
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Re: ARG'16

Beitragvon CABAC » 26. Juni 2016, 08:01

ARG’16 Tag 4.
Hallo zusammen,
Reisetag 4 begann wie Reisetag 3 aufgehört hatte. Der Wind verursachte ein leises Sirren in den Spannleinen meines Zeltes und an der Außenhaut meines Gossamer perlte der Regen runter. Eigentlich ein Grund im Schlafsack liegen zu bleiben und auf besseres Wetter warten. Aus Nachbarzelt hörte ich kurz darauf das Geräusch eines Reisverschlusses und kurz darauf das niederländisch angehauchte „Buenos Dias Don Ernesto!“.
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Wir kamen überein, dass die Nacht nass und kalt gewesen war, wir aber trotzdem gut geschlafen hatten. Also war unsere Ausrüstung doch nicht so schlecht, um künftig bei Regen lieber eine Hotelunterkunft vorzuziehen. Etwas fröstelnd, aber guter Dinge bauten wir die Zelte ab und verstauten sie samt Isomatten und Schlafsäcke lose im Duster. Wenn sich im Laufe die Gelegenheit ergab, würden wir diese Ausrüstungsteile trocknen.
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Der nächste wichtige Punkt in unserem Tagesablauf war unser Frühstück, speziell für mich meine zwei Tassen Kaffee. Aber auch mein etwas zickiger Borde (ein kleiner Benzinkocher mit einer sehr speziellen Brennerkonstruktion aus der Schweiz) ließ sich an diesem Morgen ohne Probleme dazu bringen, unser Kaffeewasser anzuwärmen. Ich bekam meine zwei Tassen Kaffee und mein Tomatenbrot mit Zwiebeln Tunfisch und Oliven.

Leicht verspätet verließen wir gegen 07:30 unsere Lagerstelle und fuhren Richtung San Rafael. Und schon gut 90 Minuten später machten wir dort unseren Tank voll und fuhren danach unseren ersten Fundort des Tages an.
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Pyrrhocactus strausianus
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Pyrrhocactus strausianus
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Denmoza rhodacantha

Wieder war es ein Lavahügel nicht weit der Straße. Wie auf dem Hügel bei Punta del Aqua fanden wir Pyrrhocactus strausianus, Denmoza rhodacantha , Trichocereus candicans, Tephrocactus articulatus, die unvermeidliche Opuntia sulphurea und meinen ersten Pterocactus im Habitat:
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Pterocactus tuberosus

Wir machen auf dem Weg nach Malargüe mehrfach Halt und schauen auf fast jedem an der Straße gelegen Hügel nach. Erlebten aber keine Überraschungen. Zwischendurch fanden wir auch einen Platz um unsere Zelte, Schlafsäcke und Isomatten zu trocknen.
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Es war schon fast 14:30 als wir an einer markanten Stelle hinter Malargüe beschlossen, nicht weiter südlich zufahren.

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Pyrrhocactus strausianus
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Maihueniopsis darwini

In unserer Agenda stand für Reisetag 4 als weiteres wichtiges Ziel, der Wintersportort Los Lenas. Weil wir auf dem Weg dorthin fünf Mal auf Kakteensuche gingen, gab es in Los Lenas schon lange Schatten. Gott sei Dank war mir die Stelle an der wir Austrocactus hibernus finden würden sehr gut beschrieben worden und so dauerte es nicht lange, bis ich auch meinen ersten wilden Austrocactus im Habitat erleben konnte.

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Austrocactus hibernus

Auf der Hinfahrt waren mir drei markante Punkte vor und hinter Los Molles aufgefallen. Zwei waren ohne Überraschung und am dritten brauchte ich nur wenige Schritte um auch noch die erste Maihuenia patagonica zu sichten.
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Maihuenia patagonica

Die Frage wo wir unser Nachtlager aufschlagen wollten, hatten wir auf der Hinfahrt nach Los Lenas schon geklärt. Eine schöne Stelle am Fluss unter Bäumen.
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Zwar feierten dort noch ein paar argentinischen Familien. Doch die hatten nichts gegen unsere Anwesenheit und nach einer recht intensiven Begrüßung einschließlich allerlei Kostproben vom Grill und aus Flaschen richteten wir unser Camp ein. Die Zelte standen gerade, als zwei Gauchos eine Pferdeherde zum Tränken an den Fluss trieben.

Unsere Angst, dass die Tiere unsere Zelte einreißen würden, war unbegründet. Ruhig und gelassen verlief diese Geschichte. Die Gauchos verhielten sich eigentlich nur wie Beobachter. Es gab kein Gedränge und alle Pferde strahlten eine Ruhe und Gelassenheit aus. Etwas was ich im Laufe der nächsten Wochen immer wieder gerade bei Pferden und Rindern bewunderte. Die Argentinier machten sich mit ihrem alten Mercedesbus auf dem Heimweg.
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Doch der Platz an dem sie den Sonntag verbrachte hatten, wurde kurz darauf durch eine Gruppe Backpacker belegt. Unsere Befürchtungen, dass unsere Nachtruhe durch laute Musik und Partytreiben gestört würde, wurden nicht erfüllt. Da ich meinen Don Carlos und seine pyromanische Veranlagung kannte, loderte aus den Glutresten unserer argentinischen Vorgänger bald ein tolles Lagerfeuer. Mit den Gitarrenklängen und Gesängen der Backpacker und dem Resten des am Vorabend verschmähten Rotwein ließen wir den Tag ausklingen. Unser Duster hatte weitere 481 km auf dem Tacho und verbrauchte gut 10 Liter auf 100 km.

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Re: ARG'16

Beitragvon guiterrezii » 26. Juni 2016, 08:24

Genial, Du solltest sowas als Buch verfassen!
Kakteensammeln ist eine internationale, schwere Krankheit. Wer infiziert ist, ist nicht mehr zu retten !

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Re: ARG'16

Beitragvon nobby » 26. Juni 2016, 09:18

Ein wunderbarer Reisebericht!

Aber, das hätte ich ja nicht vermutet: Ihr habt die Rentner-Variante bei dem bekannten Hügel hinter Malargüe gewählt. Hatten wir bei unserem ersten Besuch leider auch.
Auf dem San Ceferino oder Volcan de Todos los Santos , wie er von den Einheimischen genannt wird, hättet Ihr schon Euren ersten Austrocactus finden können (sehr schöne Exemplare von Austrocactus bertinii), wenn Ihr bis oben gegangen wärt.

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Austrocactus bertinii auf dem San Ceferino bei Malargüe

Bei der Maihueniopsis handelt es sich übrigens um Maihueniopsis ovata, die der M. darwinii ähnlich sieht, aber deutlich kompakter wächst (M. darwinii bildet nie so schöne runde Polster). Maihueniopsis darwinii ist auch erst weiter südlich zu finden und hat abweichende Blüten (kräftiges Orange mit grünem Stempel), Früchte und Samen.

M_ovata.JPG

Maihueniopsis ovata auf dem San Ceferino

Viele Grüße
Nobby

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Re: ARG'16

Beitragvon Jiri Kolarik » 26. Juni 2016, 14:49

Hallo...kaum bin ich aus Pobeskydí zurück...
Ja - ich muss Norbert Recht geben - auch uns hat er gesagt, wir sollten nicht faul sein...so konnten wir auch die A.bertinii´s im November 2015 in Blüte sehen...die M.ovata hatte noch nicht geblüht, und auch nicht die Ptero.fischeri...natürlich Pyrrho strausianus waren in voller Blüte...Herbert - und die Viola vulcanica bei Las Lenas???

....bei Malargüe
3001a.jpg


...bei Las Lenas
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Lisi
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Re: ARG'16

Beitragvon Lisi » 27. Juni 2016, 09:22

Hallo Herbert,
bei mir wecken Deine Bilder nicht nur sehr schöne Erinnerungen sondern auch große Vorfreude! Lass' Dich nicht von Norbert und Jiri ärgern - von wegen faul und so... ;) Ihr habt ja richtig schöne Dinge gesehen und ich bin schon gespannt auf Deine nächste Etappe!

Eine schöne Woche wünscht Euch allen,
Lisi

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Re: ARG'16

Beitragvon K.W. » 27. Juni 2016, 11:12

Bild


Freundlich sein,
Gemeinsamkeit herstellen,
Trost spenden,
loben und bestärken,

ich bleibe dabei; Damen haben doch das bessere "Händchen" im Umgang mit Senioren. . .



Herzliche Grüße

K.W. :lol: ;)



PS ansonsten kann das hier, also wegen mir Bild , munter so weiter gehen!!!
We are all in the gutter, but some of us are looking at the stars.


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