Argentinien - der Nordwesten

Manfredo
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Manfredo » 20. Januar 2018, 17:18

Robby, besten Dank!

Ich "fahre" immer wieder gerne mit. 8-) 8-) 8-)

Jiri Kolarik
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Jiri Kolarik » 21. Januar 2018, 08:18

Ja, Robby...vielen Dank...aber Sehnsucht plagt mich gewaltig...denn - Fiambala und Umgebung ist echt meine Gegend!

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nobby
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon nobby » 21. Januar 2018, 09:10

Hallo Robby,

Danke für die Fortsetzung. Da ist Jiri nicht der Einzige, der Heimweh bekommt.

Wie so oft in Argentinien hat der Fluß - oder sollten wir von einem breiten Bach sprechen? - zwei Namen. Mal heißt er Rio Chaschuil und mal Rio Guanchin. Den zweiten Namen benutzte Castellanos bei der Erstbeschreibung der Opuntia geometrica, als er als Fundort die "Angostura de Guanchín" angab.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob es sich dort um Soehrensia korethroides handelt, denn die soll sich ja vor allem durch die roten Blüten leicht von Soehrensia formosa unterscheiden lassen. Aber da können sich ja vielleicht mal die Experten zu melden.

Du sprichst auch von zwei unterschiedlichen Pteros an der Straße (vor und nach der Engstelle). Auf Deinen Bildern zeigst Du vor der Engstelle juvenile Triebe eines Pteros und nach der Engstelle adulte Triebe, was man an den Blütenresten gut erkennen kann. Es ist bei dieser Gatung ja nicht ungewöhnlich, dass sich juvenile und adulte Triebe unterscheiden. Oder, hast Du noch weitere Unterschiede beobachtet?

Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung.
Herzliche Grüße
Nobby

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Robby
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Robby » 21. Januar 2018, 13:24

Hallo zusammen,

ja, ich denke die Gegend rund um Fiambala hat mit uns wohl zwei weitere Liebhaber gefunden.

Nobby, der Name Rio Guanchin hat mich im Zusammenhang mit Gymnocalycium spec. Rio Guanchin, Catamarca auch schon mächtig beschäftigt. Die von FRIC in den 20er Jahren gesammelte Pflanze wurde von SCHÜTZ später (1947) als G.guanchinense beschrieben. Später hat Rausch einen Neotyp aus Guanchin, La Rioja bestimmt. Ich hab da meine Zweifel, ob das gut war. Ich vermute, dass die Fric'sche Art eine G.catamarcense Form aus der Gegend von Fiambala war, während der jetzige Neotyp eher zu G.rhodantherum gehört. Jaroslav Procházka hat da in der Schütziana 3(2012)1 einen interessanten Artikel veröffentlicht. Aber ich will nicht vorgreifen, nach Guanchin und dem Famatina-Gebirge kommen wir noch.

Was die Pteros betrifft, können die Unterschiede natürlich schon dem Alter geschuldet sein. Allerdings hatten wir an beiden Standorten mehrere Pflanzen gefunden, welche sich untereinander nicht unterschieden. Die Pflanzen des tieferen Standorts erscheinen zarter und wolliger, die Hochlandform zeigt dagegen sehr ausgeprägte Warzen. Auch die Pflanzen am unteren Standort waren bereits blühfähig. Dort konnte ich nämlich einige Samen ernten, welche mittlerweile auch recht gut gedeihen.
Nobby, auf Tephro.com ist ein Ptero-Sprossvergleichsbild von Dir zu sehen. Anhand diesem sehe ich bei der tiefer vorkommenden Form Ähnlichkeit zur Nr.4, also P.megliolii während die Hochlandform eher der Nr.1 entspricht. Unterschiede sind ja auch wenig verwunderlich, da 1.100m Höhenunterschied sicherlich Spuren hinterlassen (ist ja bei T.geometricus auch nicht andes). Etwas verwirrt bin ich von 'P.gonjianii DJF319 Cuesta Loro Huasi, west of Fiambala', welche Cyrill auf dieser Seite abbildet. Das müsste ja ebenfalls in dieser Gegend sein. Fragen über Fragen... ich fürchte da müsste man nochmals hinfahren.

LG
Robby

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon nobby » 21. Januar 2018, 13:59

Hallo Robby,

ein altes argentinisches Problem ist die geringe Zahl benutzter Namen. Es gibt mehrere Los Berros, verschiedene Rio Chico und, und, und.
Zwischen Rio Guanchin (westl. von Fiambala) und Guanchin bei Chilecito in La Rioja ist allerdings schon ein Unterschied. Da gäbe es ja auch noch die Feldmarke Guanchin in Catamarca....Ich werde mal nachlesen, was Jaroslav dazu geschrieben hat.

Die Pteros sind wirklich interessant und bestimmt noch ein paar Reisen wert. Unterschiede von glatter Epidermis mit fast keinen Dornen bis zu ausgeprägten Warzen mit Dornen findest Du ja auch bei P. reticulatus. Auf dem Bild mit den unterschiedlichen Sprosstrieben hatte ich seinerzeit nur juvenile Triebe abgebildet (glaube ich jedenfalls).
Auf der Seite von Klaus Gilmer und Hans-Peter Thomas wurden die Pflanzen als aff. megliolii bezeichnet. Jörg Piltz und andere haben sie als aff. tuberosus bezeichnet und nachdem mir Roberto Kiesling erzählt hatte, dass Puna bonnieae (oder heute auch Tephrocactus bonnieae) sich südlich von Chaschuil Richtung Agua Negra erstrecken soll, war aus meiner Sicht eine Verwandschaft zu P. gonjianii sehr wahrscheinlich. Leider hatten wir im nächsten Urlaub keine Möglichkeit in dem Gebiet nach Pteros zu suchen - es war im dortigen Frühjahr zu trocken und die Pflanzen waren nicht aus dem Boden gekommen. Inzwischen kenne ich Berichte über Funde von P. gonjianii bei Alto Jagüe. Die Übergänge scheinen also da zu sein, wie auch bei P. tuberosus. P. megliolii scheint eher isoliert auf der Sierra Villicum vorzukommen.
Schaun wir mal - vielleicht ergibt sich ja auf der JHV in Wiesbaden die Möglichkeit einer intensiven Fiambala-Diskussionsrunde. (Dann kommt Jiri bestimmt auch :-)).

Herzliche Grüße
Nobby

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon gymnofan » 21. Januar 2018, 16:57

Hallo
tja, tja das berühmte Wörtchen Guanchin, das bringt immer noch Unklarheiten
VG
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon CABAC » 22. Januar 2018, 14:57

Hallo Robby und hallo zusammen,

ich lese mit Begeisterung mit und schwelge in Erinnerungen, Robby. Großes Dankeschön. Auch allen die sich hier nicht nur reinklicken, lesen, sich an den schönen Fotos erfreuen und dem Robby damit Mut zum Weiterschreiben machen .

Die Region östlich von Fiambala ist wegen der dort vorkommenden Opuntioiden sehr sehr interessant. Einfach zu schade, um dort nur durch zu flitzen.

Zu Robbys Bilder von der Maihueniopsis minuta (mandragora) liefere ich mal ein Blütenfoto:
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Maihueniopsis minuta


Was ich nicht zeigen kann, ist ein Bild von der Wurzel. Ist wirklich enorm. Die Rübenwurzel macht bei alten Pflanzen 9/10 der Gesamtbiomasse aus Die Bezeichnung Maihueniopsis mandragora passt auf die Pflanzen in diesem Bereich besser, zu mal ich weiß, dass die Maihueniopsis mandragora minuta von der Quebrada del Toro oder Cuesta Lipan unterhalb der Erdoberfläche schwächere Rüben wachsen lassen.

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Jiri Kolarik » 23. Januar 2018, 20:22

Hallo an alle...
ja, die Pteros von Fiambala...nach wie vor bin ich der Meinung, dass dort 2 Arten wachsen - P.gonjianii und P.tuberosus...P.megliolii ist "warm" und wächst bei San Juan...und P.tuberosus - warum nicht - wächst in vielen Provincien...
G.guanchinense - Jaroslav schreibt ausführlich über diese Art...aber - besonders diese Fadenfarbe (Schütz) ist nicht mehr gefunden worden...ich selbst habe schon vor Jahren für Jaroslav einen Blütenschnitt von einer Pflanze (oberhalb von Palo Blanco) fotografiert...leider negativ...diese Pflanzen sind inzwischen als "asperum", aber das weisst Ihr inzwischen...

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon CABAC » 24. Januar 2018, 07:31

Hallo Jiri
ich gebe dir recht, halte den Pterocactus

Ptero_1900M.jpg

Ptero_1900M-2.jpg


bei der Fundhöhe von ca. 1900 Meter für Pterocactus tuberosus und würde den
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Ptero_2900m-2.jpg

in der Fundhöhe von ca. 2.900 Meter auch in die Nähe von P. megliolii stellen.

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Robby » 27. Januar 2018, 14:33

Hallo zusammen,

zunächst euch allen einen ganz herzlichen Dank für die ausführlichen Kommentare und die Ergänzung durch wunderbare Standortsaufnahmen. Ich sehe schon, die Pteros bieten viel Anlass zur Diskussion. Leider kann ich da nicht so recht mithalten, da ich gestehen muss, dass ich mich vor dieser Reise nie so wirklich mit den Opuntioiden beschäftigt hatte (was sich mittlerweile verständlicherweise geändert hat).
Dafür stehen Gymnos schon immer im Zentrum meines Interesses. Und zumindest zur Freude von gymnofan kann ich schonmal ankündigen, dass diese Gattung für den Rest unserer Reise im Vordergrund stehen wird.

Tag14 (25.11.2015): Fiambalá - Tinogasta - Campanas - Famatina - Chilecito
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Schweren Herzens verlassen wir Fiambala in südlicher Richtung. In Tinogasta werden Bargeld, Benzin und einige Enchiladas für die Fahrt besorgt. Es geht recht hektisch zu an diesem Vormittag in der Stadt und wir sind froh, wieder die Wildnis zu erreichen. Auf der RP11 erreichen wir nach etwa 20 km die ersten Berge, welche es zu erkunden gilt. Zuvor müssen wir noch eine Ebene mit einem ausgetrockneten Flusslauf queren. Hier finden wir (wie so oft) wieder Echinopsis leucantha und Echinopsis huascha. Letzgenannte wird zum Teil bis zu einem Meter hoch. Einige sind schön rotbraun und kräftig bedornt. Ob es tatsächlich huascha ist?
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Schnell werden die ersten Hügel erklommen. Es ist der Typstandort von Gymnocalycium schmidianum. Wir hatten über diese Pflanzen ja bereits kürzlich an anderer Stelle hier im Forum diskutiert.
Auffallend die blauen Früchte und die extrem kräftige Bedornung. Die Blüten haben da kaum eine Chance hindurchzukommen - und wenn doch, dann hatten sie bereits andere Liebhaber gefunden, welche sie zum Fressen gern haben. Hier finden wir auch wieder die ersten T.articulatus, welche wir bei Fiambala nicht gesehen haben.
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Die Zeit vergeht viel zu schnell und der Vormittag ist bereits verstrichen. Auf der weiteren Fahrt bleibt daher nur wenig Zeit für kurze Stopps am Straßenrand. Diese bringen zunächst wenig Neues. Zunehmend beherrschen mächtige Säulen von Trichocereus terscheckii das Landschaftsbild.
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Bei jedem Halt finden wir Gymnocalycium saglionis in allen Größen und oft auch in Blüte. Echinopsis huascha, jetzt meist in typischer Ausprägung und Echinopsis leucantha ergänzen die Standorte.
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Was der Nachmittag sonst noch so brachte gibt es dann das nächste mal...

LG Robby

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon CABAC » 30. Januar 2018, 06:47

Ganz herzlichen Dank für Deine Fortsetzung, Robby!

Nun, wer sich auf die Gattung Gymnocalycium spezialisiert hat, hat sich eine sehr interessante Kakteengattung ausgesucht. Kann zur Lebensaufgabe werden, wie wir hier an Dir und gymnofan erleben.


Mach(t) es gut

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Robby » 31. Januar 2018, 17:35

weiter geht die Fahrt Richtung Chilecito. Bei Angulos erspähen wir große Kakteen mit gelben Blüten. Erst zu Hause fand ich Anhaltspunkte, dass dies möglicherweise eine Naturhybride Trichocereus terscheckii X huascha sein könnte. Die Pflanzen sind übervoll mit großen Knospen, einige davon in Blüte.
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An einem Felshang auf dem Weg von Angulos nach Famatina, La Rioja entdecken wir riesige Polster von Abromeitiella brevifolia, einer Bromelienart. Diese Polster dienen T.terscheckii und Denmoza rhodacantha als Lebensraum. Ansonsten gibt es am Wegesrand überall G.saglionis und bei Famatina auch große Polster mit Trichocereus candicans.
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In der Nähe von Famatina hatten wir ein ganz besonderes Erlebnis. Bei einer kleinen Wanderung kam uns ein mächtiger Toyota Hilux aus dem Nichts entgegen. Der Fahrer hielt an, zückte seinen Tablet-Computer und begann uns durchs geöffnete Fester zu filmen. Es entwickelte sich ein Gespräch - smalltalk - wo wir denn herkommen, was wir hier machen, alles sehr freundlich. Aber er hörte nicht auf, uns zu filmen. Dann meinte er, wir sollten deutsch reden. Er wolle am Abend unbedingt seiner Familie den Film von uns präsentieren und die Sprache wäre so interessant.

Er erzählte, er hätte in der Nähe einige Obstplantagen und wäre auf dem Weg zu seinen Söhnen, welche dort arbeiten. Er wolle Ihnen gerade das Mittagessen bringen. Ja und plötzlich stieg er dann aus dem Wagen und präsentierte eine herrlich duftende Vesperplatte mit Fleisch und Würsten. Wir müssten unbedingt etwas davon essen. Natürlich konnten wir den armen Söhnen nicht das Mittagessen wegfuttern (auch wenn wir das gerne gemacht hätten), aber die Höflichkeit gebot es doch, von allem ein klein wenig zu kosten. Eine wunderbare Erfahrung (auch geschmacklich). Einige Kilometer weiter gab es dann noch Wurstplatten in ihrem ursprünglichen Zustand zu sehen. So sollten Schweine immer leben dürfen...
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Etwa 15 km vor Chilecito war uns dann noch ein ganz besonderer Kakteenstandort vergönnt. Die Artenvielfalt war erstaunlich. Drei Arten Gymnocalycium - G.saglionis, G.schickendantzii und G.rhodantherum auf engstem Raum. Dazu gesellten sich blühende T.articulatus sowie L.huascha, E.leucantha, O.sulphurea und T.candicans.
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Hier noch eine Auswahl der G.rhodantherum. Man beachte die markant karminrot gefärbten Staubbeutel dieser Art.
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Gymnocalycium rhodantherum wird uns den nächsten Tag sehr intensiv beschäftigen - aber dazu kommen wir dann beim nächsten Mal. Ich kann euch jetzt schon verraten, das wird eine spannende Geschichte.

LG Robby


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