Argentinien - der Nordwesten

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CABAC
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon CABAC » 1. Februar 2018, 06:19

Hallo Robby und hallo zusammen,

angesichts des diesjährigen trüben lichtarmen Winterwetters tun mir Robbys sonnigen Reisebilder richtig durch.

Großen Dank dafür.

Dann erinnert mich dieser Reisebericht daran, dass ich auf dem Streckenabschnitt nach Famatima eigentlich immer nur durchgefahren bin.
Ist nämlich arm an Parodiavorkommen.

Ja und dann habe ich mich auch immer darüber gewundert, wie ruhig sich die freilaufenden Esel, Pferde, Rinder und Schweine bei Begegnungen verhalten. Dabei teilen letztere das Schicksal, dass sie im besten Alter und körperlichen Verfassung auf dem Teller landen.

Gerne erinnere ich mich auf der letzten Reise eine Begebenheit, bei der sich diese drei Schweinedamen nicht von dem süßen Nichtstun in ihrer Suhle durch unsere Anwesenheit abhalten ließen:
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Jiri Kolarik » 1. Februar 2018, 18:50

Hallo Robby und andere...

kann es nicht eine Soehrensia sein? Ich meine die gelbblühende Pflanze...

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Robby » 2. Februar 2018, 14:55

Hallo Jiri - ja, Soehrensia wäre ein interessanter Aspekt.

Ich habe noch ein Foto, wo man die ganze Pflanze sieht. Sie bildet eine sehr große Gruppe, teilweise mit niederliegenden Trieben. Das erinnert stark an Trichocereus.
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Es gibt einige Berichte von Trichocereus Hybriden aus dieser Gegend. T.terscheckii, huascha und candicans wären mögliche Elternteile. WESSNER zeigt hier ähnliche Pflanzen und spekuliert, es könne sich um Trichocereus pseudocandicans handeln. Auch in der Zeitschrift Infobrief Echinopsen 2/2011 werden solche Hybriden erwähnt, Zitat: Auch eine außergewöhnliche Pflanze mit gelben Blüten gab es da, bei der ich vermute, dass sie aus Trichocereus terscheckii und Trichocereus candicans – gelb entstanden ist.

Lieber CABAC - ich freue mich immer sehr über Deine aufbauenden Kommentare. Beim Anblick Deiner 'Vesperplatte' könnte man fast zum Vegetarier werden...

Grüße Robby

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Robby » 3. Februar 2018, 14:06

Gymnocalycium und das Mysterium ihrer Namesgebung - so könnte man die Erlebnisse des heutigen Tages betiteln.

Tag15 (26.11.2015): Chilecito - Guanchin - Sanogasta - Cuesta de Miranda - Nonogasta - Chilecito
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Wir nehmen uns einen Tag Zeit um die Gegend westlich von Chilecito etwas näher zu erkunden. Die Straße nach Guanchin ist neu und gut ausgebaut. Ein erster Halt auf dem Weg zur Cuesta Guanchin war eigentlich dazu gedacht einen Geocache zu finden (was auch gelang), aber es gibt hier in der Ebene auch Gymnocalycium rhodantherum zu entdecken. Die Pflanzen zeigen eine recht variable, zum Teil sehr kräftige Bedornung. Leider tendieren Gymnos dazu, ihre Blüten erst später am Tag zu öffnen.
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Beim Queren des Passes, der Cuesta Guanchin bieten sich herrliche Blicke auf das Bergmassiv Cerro General Manuel Belgrano, welches bis auf 6100m ansteigt. Mächtige Geier kreisen über uns. Zunächst hielten wir sie für Kondore, es handelt sich aber tatsächlich um Truthahngeier (Cathartes aura). Opuntia sulphurea erfreut uns hier in voller Blüte.
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In Guanchin endet die ausgebaute Straße. Zahlreiche Walnussplantagen säumen den kleinen Weiler. Wir finden einen Weg, der uns in Richtung einer ehemaligen Goldmine (Mina de Oro) in der Sierra del Famatina führt. Unser Ziel ist es, Gymnocalycium ritterianum zu finden.

RAUSCH beschreibt die Art in der KuaS 7/1972 aus einer Höhe von über 3000m. Jetzt wird das ganze etwas mysteriös. RAUSCH hält die Pflanzen zunächst nur für eine Form von seinem Neotyp von G.guanchinense, welches wiederum eigentlich zu G.rhodantherum gehört. In der Beschreibung spricht er von bräunlich-rosa Staubbeuteln, was eventuell zu G.rhodantherum passen könnte.
Mittlerweile wird gelegentlich auch von Funden aus einer Höhenlage von etwa 1800m berichtet, u.a. haben Gymnofan und Piltz P219 solche Pflanzen gefunden. Wir sind neugierig und finden auf 1840m tatsächlich die ersten Pflanzen. Wie bei G.rhodantherum bleiben die Pflanzen stets einzeln, selbst bei Scheitelverletzung sprossen sie nicht. Dennoch unterscheiden sie sich deutlich von G.rhodantherum.
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Wir fahren weiter, doch vorerst finden wir keine Kakteen mehr. Erst in einer Höhe von 2060m machen wir einen überraschenden Fund. Diese Pflanzen sind nun gänzlich von G.rhodantherum unterschieden. Die Blüten sind zart gelblich mit rosa Schlund. Staubfäden und Staubbeutel sind rein gelb. Die Pflanzen sprossen alle ausnahmslos und bilden zum Teil im Alter hundertköpfige Polster.

RAUSCH beschreibt G.ritterianum als einzeln oder in kleinen Gruppen wachsend. Dennoch passen diese Pflanzen besser zur Erstbeschreibung wie unser voriger Fund. Insbesondere der flachkugelige Wuchs und die hochliegende Sprossbildung passen. Aber RAUSCH kann diese Pflanzen unmöglich in den Formenkreis um G.guanchinense/rhodantherum stellen. Die Unterschiede sind frappierend.
Besser ich spekuliere jetzt nicht weiter über eine korrekte Namensgebung. Fakt ist, bei Guanchin finden sich mindestens drei gut unterscheidbare Taxa, welche wiederum in sich recht variabel ausfallen können.
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Auf 2210m finden wir die nächste Population. Diese unterscheidet sich nicht merklich von der vorigen. Allerdings finden wir nur Gruppen bis etwa 30 Köpfe. Die Polster ragen kaum aus dem Boden heraus und wir müssen aufpasen, dass wir sie nicht zetreten, denn das Areal ist übersäht mit hunderten von Pflanzen.
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Weitere Gymnos auf dem Weg nach Sanogasta und zur Cuesta de Miranda zeige ich das nächste mal.

LG
Robby

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Manfredo » 3. Februar 2018, 15:50

Hallo Robby,

'mal wieder besten Dank für die beeindruckenden Bilder!

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon gymnofan » 3. Februar 2018, 17:18

Hallo Robby
da wäre ich gerne dabei gewesen, wir hatten unsere Funde in einem kleinen Seitental unter der alten Seilbahnlinie La Mejicana in etwa 1850 m Höhe gemacht;
die Höhenangabe von Rausch beruht( laut seiner eigenen Aussage) auf einer Schätzung im Vergleich zu den umgebenden Bergen; er fuhr mit Minenarbeitern im LKW in Richtung Mine und es dürften nur etwa 2300 m gewesen sein
VG
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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon CABAC » 4. Februar 2018, 09:15

Hallo zusammen,

kann mich den Zeilen von gymnofan nur anschließen! Wäre auch gerne dabei gewesen und dieses eben auch, weil Roby mit seiner Frau dort gewesen ist ,wo ich noch nicht war.

Bin richtig gespannt wie es weiter geht und freue mich auf Robbys Fortsetzung.

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Jiri Kolarik » 4. Februar 2018, 10:52

Hallo Robby...¨

danke für das Gruppenfoto...wohl keine Soehrensia...
Bei T.pseudocandicans war ich überzeugt, dass sie rot blühen, was ich auch oben in Cuesta Miranda und auf der Strasse zu La Mejicana gesehen hatte...

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Pantalaimon » 4. Februar 2018, 16:01

Servus,

vielen Dank für die tollen Bilder. Im Nachhinein ärgert mich das fast ein bissl, denn als wir 2012 durch die Cuesta de Miranda von Westen her kommend fuhren, wollten wir eigentlich bei Sanogasta auf jene kleine Straße nach Norden abbiegen, um so nach Chilecito zu fahren - doch ich hatte die Abzweigung verpasst und so entschieden wir uns, nicht nochmal umzudrehen und sind erst in Nanogasta abgebogen.

Zu den Pflanzen kann ich Dir leider nicht weiterhelfen. Ich kenne dazu nur das Buch von G. Charles, der (dem Text nach zu urteilen) vermutlich all jene Pflanzen als G. ritterianum bezeichnen würde - er sieht ja auch G. jochumii (südl. von Sanogasta) als Synonym und schreibt zu G. ritterianum, dass die Pflanzen von westl. von Famatima südl. bis in die Cuesta de Guanchin vorkommen (auch wenn er es in seiner Verbreitungskarte so nicht eingezeichnet hat).

Viele Grüße!
Chris

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Robby » 4. Februar 2018, 17:13

Hola Chris,

gerade eben habe ich Teile Deines Reiseberichts im Haageforum gelesen. Da freut es mich ganz besonders, dass Du Dich hier zu Wort meldest. Ganz offensichtlich decken sich viele der von uns bereisten Gebiete. Ich hatte Deine Erlebnisse rund um Cafayate und auch um Paposo in Chile gelesen. Beides Ecken, welche auch wir erkundeten - wenngleich auch bei zwei verschiedenen Reisen...

Auf der Strecke von Sanogasta nach Guanchin hast Du wenig versäumt. Ich werde das nächste mal davon berichten. Leider werden da gerade hektarweise Kakteenstandorte zu Gunsten von Obstplantagen niedergewalzt - ist ziemlich frustrierend.

Deine Webseite ist übrigenes unbedingt einen Besuch wert. Toll wie Du dort verschiedene Arten kommentierst. Ich habe die Seiten schon sehr oft besucht und viele wertvolle Infos gewonnen, toll gemacht!

lg robby

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Pantalaimon » 5. Februar 2018, 13:34

Hallo,

@ Robby:
... und damit wir Dir in nichts nachstehen, wandelten wir im Okt./Nov. 2016 in Deinen Fußstapfen. Da waren wir nämlich (u. a.) in den Sierras de Cordoba unterwegs, teils auf ganz ähnlicher Route wie Du ... und hernach haben wir dann im äußersten Nordwesten jene Fußstapfen hinterlassen, in die dann Nobby getapst ist - nur 2 - 3 Tage hinter uns. Wie klein Argentinien doch ist. :lol:
Und vielen Dank für das Lob bzgl. der Homepage! Leider bin ich noch bei weitem nicht so weit, wie ich eigentlich sein will, aber ich neige halt dazu, mich zu verzetteln, weshalb die Artikel dann länger und länger werden ... und das braucht halt leider viel Zeit. Im Moment hänge ich, zur Abwechslung, gerade bei den Agaven ...

Viele Grüße!
Chris

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Re: Argentinien - der Nordwesten

Beitragvon Robby » 11. Februar 2018, 11:35

Ein Blick aus dem Fenster - Schneeregen. Da bleibt Zeit für eine Fortsetzung.

Wir verlassen die Berge nördlich von Guanchin und folgen in südlicher Richtung dem Rio Pismanta, einem breiten Flusstal nach Sañogasta. Die Schotter-Wellblechpiste rüttelt uns gewaltig durch.
Die eiszeitlichen Schotterterrassen sind mehr oder weniger dicht mit Dornsträuchern bewachsen. Kakteensuche artet hier in eine etwas blutige Angelegenheit aus. Hier finden wir zunächst einige blühende Gymnocalycium saglionis.
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Je weiter wir uns Sañogasta nähern, desto dichter werden die Populationen von Gymnocalycium rhodantherum. Diese erreichen hier beachtliche Ausmaße, bleiben dabei aber deutlich flachkugliger als die Pflanzen rund um Chilecito. Leider sind die Standorte hier aufgrund des ebenen Terrain akut durch die Neuanlage von Walnuss- und Olivenplantagen bedroht. Überall stehen Bulldozer bereit um hektarweise alles platt zu machen - es schmerzt...
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Vereinzelt finden sich auch Tephrocactus articulatus, ganz ohne die üblichen papierartigen Dornen. Wahrscheinlich die 'inermis' genannte Form.
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In Sañogasta treffen wir auf die RN40 und fahren die neu ausgebaute Strasse hoch zur Passhöhe der Cuesta de Miranda. Leuchtend rot präsentieren sich die Berge und bilden einen hübschen Kontrast zu den grünen Bachtälern.
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Beim ersten Halt auf 1750m zeigt sich uns Tephrocactus alexanderi in Blüte. Die Blütenfarbe unterscheidet sich deutlich von den bisher gesehen Pflanzen weiter im Norden. Die intensiv lilarosa gefärbten Blüten ziehen uns magisch an.
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Aber dieser Standort hat noch mehr zu bieten. Vereinzelt finden wir neben L.huascha und O.sulphurea einige Denmoza rhodacantha.
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Unser Interesse gilt aber vor allem den hier reichlich vorhandenen Gymnocalycien. Es sind wieder Pflanzen aus dem Formenkreis von G.rhodantherum. Hier sind die Pflanzen kompakter und besonders kräftig bedornt. Diese Form wird auch als G.guachinense var. mirandense bezeichnet. G.guachinense im Sinne von RAUSCH ist sicherlich nur ein Form von G.rhodantherum, der Name wird von mir wegen der unklaren Herkunft des FRICschen Originals nicht gerne verwendet.
Die Pflanze auf dem dritten Bild erinnert etwas an G.nidulans, auch sind hier die Staubbeutel gelb und nicht karminrot gefärbt. Ob es tatsächlich ein G.rhodantherum ist - ich weiß es nicht...
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Wie die Pflanzen oben am Pass aussehen zeige ich euch das nächste mal.

LG
Robby


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