Was haben wir verkehrt gemacht? Brauchen wirklich dringende Hilfe bei unserem grünen Riesen...

toastytwo
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Was haben wir verkehrt gemacht? Brauchen wirklich dringende Hilfe bei unserem grünen Riesen...

Beitragvon toastytwo » 15. Juli 2016, 22:00

Hallo liebe Kakteen-Freunde,

bitte verzeiht mir meine unbedarfte Art, bisher hatte ich mit Kakteen nicht wirklich viel am Hut. Aber diese Pflanze liegt uns wirklich am Herzen...
Vor ca. acht Jahren haben meine Freundin und ich einen knapp drei Meter hohen Kaktus vor "dem Brotmesser" eines Nachbarn gerettet.
Dieser wollte ihn umzugsbedingt zerlegen und entsorgen... :shock:

Nach unserem Umzug vor 1,5 Jahren passte er durch seine Höhe nur sehr knapp unter die Decke, so dass die Spitze sich schließlich irgendwann verfärbte und abstarb.
Nach ein paar Wochen kam jedoch ein neuer Trieb, so dass wir uns nun entschlossen die Pflanze zu kappen und den gekappten Teil neu einzupflanzen.

Benutzt haben wir ein mit Waschbenzin sterilisiertes Messer und Kohlestaub zur Versiegelung um den Flüssigkeitsverlust in Grenzen zu halten.

Hier die umgetopfte Stammpflanze nach dem Kappen:
Bild

hier die mit Kohle bedeckte Schnittstelle (ich habe den Schnitt an einem Seitentrieb vorgenommen):
Bild

Seit ca. drei Wochen wartet der abgetrennte Teil an einem schattigen Plätzchen auf seine Bewurzelung.
Der trockene Teil oben ist leider Resultat des Kontakts mit der Decke (auf immerhin drei Metern Höhe) aber der neue Trieb sieht gesund aus.
Bild
Den abgetrennten Teil haben wir vorsichtig "eingekohlt" und aufgehängt, der Topf ist steril und leer, nur zum Schutz.

Doch leider passiert NICHTS.

Hier ein paar aktuelle Fotos der Schnittstelle, aus der ja Wurzeln kommen sollten, bevor wir ihn wieder in die Erde stecken, richtig?
Bild Bild Bild

Was sollen wir nun tun? Noch Abwarten oder vielleicht doch schon in Anpflanzerde stecken?
Unser Großer liegt uns, wie gesagt, sehr am Herzen und nun haben wir Angst, dass uns der obere Teil abstirbt... :cry:

Für jede Hilfe sind wir sehr dankbar,
Grüße, Sabrina und Alex

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Re: Was haben wir verkehrt gemacht? Brauchen wirklich dringende Hilfe bei unserem grünen Riesen...

Beitragvon CABAC » 16. Juli 2016, 06:17

Hallo toastytwo,

zunächst einmal herzlich willkommen hier.

Also das was ich auf Euren Bildern erkennen kann, werte ich mal als typische Anfängerfehler. Wobei Ihr noch froh sein könnt, dass es einen ziemlich großen Säulenkaktus erwischt hat. Wäre es eine Kugelkaktee, hättet Ihr und die Pflanze auf Dauer keine Chnace mehr.

Warum die Pflanze den Umzug nicht gut überstanden hat, kann vermutlich daran gelegen haben, dass sie ohnehin aufgrund des Lichtmangels (Kulturfehler Nr.1) geschwächt war. Licht ist der alles entscheidende Faktor und kann durch nichts ausgeglichen werden. Einen Mangel an Licht kann nicht durch mehr Wassser und Nährstoffe ausgeglichen werden. Wie man an Eurer Pflanze sehen kann, führt dass zu geschwächten Gewebe und zu unnatürlichem Wachtum.

Eure Entscheidung zum Schneiden war im Grunde richtig. Bei dieser Art lassen sich Kopfstücke und Stümpe ohne weiteres bewurzeln. Ich habe zum Desinfizieren von Schneidwerkzeugen noch nie Waschbenzin benutzt; mein Mittel hierfür ist schon immer Isopropylalkohol gewesen. Das das Messer scharf sein muss und der Schnitt dann nicht säblend, sondern ziehend erfolgen muss, versteht sich von selbst. Nicht ganz einfach durchzuführen, angesichts der Verholzung der Leitbündel.

Der nächste Schritt die Schnittstelle mit Kohlepulver einzustäuben, kann man machen, man muss es aber nicht. Ich lasse solche Stecklinge immer nur an trockenen Stellen liegen und warte bis zum Eintopfen sich ein Kallus gebildet hat. Ob man die Kallusbildung und somit das Treiben von Wurzeln mit Bewurzelungsmitteln beschleunigen kann, ist Ansichtssache. Manchmal hilft es, manchmal hilft es nur demjenigen, der das Mittel verkauft hat.

Tja wie kann es mit Eurem Patienten weiter gehen? Ihr könnt natürlich probieren, verbliebenen Stümpfe zu bewurzeln. Der berühmte grüne Daumen kann dabei den Überlebenswillen der Pflanzenteile unterstützen. Als Bewurzelungssubstrat würde ich aber nicht zu normaler Kakteenerde greifen, sondern zu einen Tongranulat welches mit "S" anfängt.

Wenn es aber nicht klappt, nicht traurig sein. Anfängerfehler führen leider oft dazu, dass ein Pflanzenleben schneller zu Ende geht. Falls der Schiksalschlag nicht nur totalen Entmutigung geführt hat, auf die nächste Kakteenbörse oder zum nächsten Kakteengärtner fahren und sich dann unter sachkundiger Beratung neue Mitbewohner aussuchen.

Mach(t) es gut

CABAC
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toastytwo
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Re: Was haben wir verkehrt gemacht? Brauchen wirklich dringende Hilfe bei unserem grünen Riesen...

Beitragvon toastytwo » 16. Juli 2016, 06:24

Danke schön für die ausführliche Antwort!
Habe ich dich richtig verstanden, also sollten wir nun versuchen das Kopfstück in Granulat zu betten und an ein sonniges Plätzchen zu stellen...?

[EDIT]
Ok, grade nochmal richtig gelesen ;)
Also ist das Kopfstück erstmal gut im Schatten aufgehoben, die Sonne hat VORHER gefehlt....

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Re: Was haben wir verkehrt gemacht? Brauchen wirklich dringende Hilfe bei unserem grünen Riesen...

Beitragvon CABAC » 16. Juli 2016, 07:23

Hallo toastytwo,
richtig verstanden!

Erst hell, aber nicht vollsonnig, bewurzeln und danach so hell wie möglich weiter kultivieren.

Mach(t) es gut

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