Wurzelverdickungen

PeterK
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Wurzelverdickungen

Beitragvon PeterK » 25. September 2014, 21:51

Hallo,

ich habe heute einen Notocactus umtopfen wollen. Er hatte mehrere weiße bohnengroße Wurzelverdickungen, ähnlich wie bei Leguminosen, aber größer. Ich dachte sofort an einen Artikel, den ich irgendwann mal gelesen hatte, dass dieses Phänomen bekannt ist und man lange Zeit unschlüssig war, ob es Stickstoff- oder sonstige -sammlung sei, oder eine Krankheit. In diesem Artikel wies man dann nach, dass es eine Krankheit ist oder dass es Schädlinge sind. Ich finde den Artikel nicht mehr und auch im Internet nichts. Sind diese großen Verdickungen normal, reicht einfach abschneiden, oder muss man es irgendwie behandeln? Weiß jemand etwas darüber?

Viele Grüße

Peter

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Thomas Brand
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Re: Wurzelverdickungen

Beitragvon Thomas Brand » 26. September 2014, 04:41

Moin,

Wurzelverdickungen können auf Nematoden, im beschriebenen Fall möglicherweise Wurzelgallennematoden, Meloidogyne sp., zurückzuführen sein.

In der Tat wurde im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert nach Entdeckung der Symptomatik darüber diskutiert, ob es analog zum Vorkommen an Leguminosen (Bohne, Erbse & Co.) Knöllchen von Wurzelbakterien sein könnten, die Stickstoff aus der Luft binden. Nein, so ist es nicht, sondern es handelt sich um Fadenwürmer, die durch ihre Saugtätigkeit zu abnormem Gewebewachstum führen. Mehr Erläuterungen im Buch "Pflanzenschutz bei Kakteen und anderen Sukkulenten": http://www.dkg.eu/cms/cs/index.pl?navid=1166

Gegenmaßnahme: Abtrennen der Wurzeln und Neubewurzelung (angesichts der Jahreszeit vielleicht besser zunächst Pflanze in Quarantäne, also getrennt aufstellen) und zu günstigerer Zeit die Aktion samt Wiederbewurzelung durchführen - kommt auf den Gesamtzustand an). Dazu weitere Hygienemaßnahmen, in diesem Fall Entsorgung von Töpfen und Substrat betroffener Pflanzen, Abräumen von Einfütterungsmaterial etc., Kontrolle benachbarter Pflanzen, insbesondere kümmernder Exemplare.

beste Grüße
Thomas

PeterK
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Re: Wurzelverdickungen

Beitragvon PeterK » 26. September 2014, 21:04

Hallo,

vielenDank für die schnelle Antwort. In das Buch habe ich natürlich gleich nachdem ich die Knollen sah reingeschaut, aber die 'Nematoden-Knolen sehen ganz anders aus und 'meine' Wurzeln machen auch einen gesunden Eindruck.

Ich habe einige Bilder gemacht, und als ich sie mir anschaute kam mir der Gedanke, dass das evtl. gar keine Wurzelknollen sind, wie es den Eindruck machte nachdem der Inhalt des Topfes vor mir lag. Er ist wohl sehr lange nicht mehr umgetopft worden. Sind das evtl. Sprosse, die nicht ans Licht gekommen sind und sich nach unten verbreitert haben? Ich habe mir nun die Knollen genauer angeschaut und fast jede der Knollen hat oben zumindest einen winzigen Vegetationspunkt. Ist das vielleicht gar keine Krankheit? Ich habe so etwas noch nicht gesehen.
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Re: Wurzelverdickungen

Beitragvon Manfredo » 26. September 2014, 21:14

Hallo Peter,

ich kenne ähnliches (?) von einem Notoc. ottonis.
Der hatte unterirdischen Rhizome, an denen sich auch weißliche Pflanzenkörper entwickelten.
Kamen diese ans Licht, wurden sie grün und wuchsen als "normale" Sprosse weiter.

Viele Grüße
Manfredo

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Thomas Brand
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Re: Wurzelverdickungen

Beitragvon Thomas Brand » 27. September 2014, 10:36

Moin,

das sind definitiv keine Nematoden-Gallen, sondern Sprosse. An den etwas weiter entwickelten kann man schon die Struktur des Kakteenkörpers erkennen (Bild 1 über dem Objektivdeckel), oder täusche ich mich da?

Man sieht, dass man mit zwei Bildern doch erheblich treffsichere Auskunft erhalten kann.

beste Grüße
Thomas Brand

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Re: Wurzelverdickungen

Beitragvon PeterK » 30. September 2014, 21:24

Hallo,

prima und danke für die Antworten. Ich bin froh, dass nicht wieder irgendwelche Viecher ihr Unwesen treiben...

Ich pflanze sie mal ein und schaue, was oben rauskommt. Ist diese Vermehrung durch unterirdische Rhizome eine normale Vermehrung?

Viele Grüße

Peter

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Re: Wurzelverdickungen

Beitragvon MarcoPe » 1. Oktober 2014, 18:51

Danke für die Frage und die Antwort!

Wieder was gelernt. War mir bisher neu, dass Kakteen auch Sprossknollen bilden...

Marco
Hier bin ich auch: http://www.kakteenforum.de
Mein Verein: http://www.kakteenfreunde-berlin.de
Mitglied der Deutschen KakteenGesellschaft DKG

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Re: Wurzelverdickungen

Beitragvon michael » 1. Oktober 2014, 19:57

MarcoPe hat geschrieben:Wieder was gelernt. War mir bisher neu, dass Kakteen auch Sprossknollen bilden...


Man lernt nie aus, nech. ;)
Denke mal an Echinocereus stolonifer und wie der zu seinem Namen kommt. ;)
viele Grüsse
michael
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Re: Wurzelverdickungen

Beitragvon WoBo » 1. Oktober 2014, 21:28

Nur um ein mögliches Missverständnis zu vermeiden:
Sprossknollen wären so etwas wie Kartoffeln, also Speicherorgane der Pflanze, die "planmäßig" unter der Erde bleiben (oder z.B. Kohlrabi als oberirdische Variante). Das haben wir hier NICHT, dies sind ganz normale Ausläufer, die lediglich im engen Topf nicht direkt den Weg an die Oberfläche gefunden haben.

Bis neulich
Wolfgang


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