Eine Frage an den Fachmann

Jordi
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Eine Frage an den Fachmann

Beitragvon Jordi » 27. März 2012, 05:54

In 2000 erhielt ich Samen von Jasminocereus thouarsii, die ich gleich aussäte, die gut keimten und von deren Sämlingen ich 10 bald auf Pereskiopsis pfropfte. 8 davon wuchsen zügig los und bescherten mir im Laufe der Jahre solche Pflanzen (einige sogar noch größer):
IMG_6405.jpeg

2 Pfropfungen mickerten jedoch und begannen, sich beim Neutrieb im Scheitel gelb zu färben, wie diese 2 Aufnahmen von damals zeigen.
sc009db700.jpeg
sc009db70001.jpeg

Sie bekamen irgendwann später wieder die für Jasminocereus typische grünbraune Epidermisfarbe, fingen an, aus den noch recht wenigen Areolen zu sprossen... und die meisten dieser Sprosse entwickelten sich bei beiden Pflanzen zu Cristaten. Auf Harrisia umgepfropft und nach Abnahme schon vieler Sprosse sah das dann etwa so aus:
IMG_4882.jpeg

Und die einzelnen Cristat-Sprosse entwickelten sich später auf eigener Unterlagen zu derartigen Schönheiten -jedenfalls für Liebhaber von Cristaten:
IMG_4718.jpeg

Ich gehe davon aus, daß die Cristatbildung eine Folge der Gelbfärbung ist. Aber wodurch wurde die verursacht? Virus, Pilz oder Bakterium?

Jordi

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Thomas Brand
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Re: Eine Frage an den Fachmann

Beitragvon Thomas Brand » 29. März 2012, 19:32

Moin Jordi,

hier gibt es doch Cristat-Spezis. Vielleicht kann einer von diesen seine Kenntnisse, den allgemeinen Wissensstand darlegen und mitdiskutieren.
Ich habe zwar ein paar wenige Literaturstellen zu Cristaten und deren Entstehung, habe mich aber nie wirklich damit beschäftigt. Ich glaube nicht, dass die Chlorose auslösend war, sondern ein Vorbote bzw. erstes Anzeichen der Ver(b)änderung. Warum nun der Prozess in Gang gesetzt wurde, ist mir nicht bekannt. Die typischen Pathogene der Kakteen verursachen eine solche Abnormität nicht.

So weit ich weiß, gibt es keine schlüssige und für alle Fälle passende Antwort auf die Frage nach der Ursache der Cristatbildung. Zwar können bestimmte Bakterien Verbänderungen auslösen (Rhodococcus syn. Corynebacterium fascians), doch sind diese so weit mir bekannt nie an Kakteen beschrieben worden. Möglicherweise sind andere, bisher nicht diagnostizierte Pathogene (welcher Art auch immer), mechanische Verletzungen oder abiotische Stressoren (Kälteschock, Schadstoffe etc.), die die Pflanze so umpolen. Grundsätzlich ist der Hormonhaushalt gestört (Cytokinine spielen die AHuptrolle) - der Auslöser dafür mannigfaltig.
Im Netz gibt es bestimmt interessante Theorien, Erklärungen und Untersuchungsberichte dazu. Cristatbildung ist ja nichts kakteenspezifisches, sondern an vielen Pflanzen bekannt (ich habe als Student mal eine Population von Schlüsselblumen mit recht hohem Anteil an verbänderten Blütenstielen und Blüten gesehen).

Ich bin gespannt, ob sich noch jemand äußert. Es wäre jedenfalls mal schön, eine Diskussion in Gang zu bekommen, nicht nur Bilderschau.

beste Grüße
Thomas

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Echinopsis
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Re: Eine Frage an den Fachmann

Beitragvon Echinopsis » 30. März 2012, 05:42

Moin zusammen,

eine Theorie eines Kakteenfreundes (welches eigentlich auch meine Vermutung ist) ist die Behauptung, Cristaten entstehen durch Stress. Stress wie Wärme/Hitze, Pilze usw.

Ich glaube schon dass auch Pilzinfektionen an einer Cristatbildung beteiligt sein können.

Mal auf die Kürze meine Meinung dazu..

lG,
Daniel

Jordi
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Re: Eine Frage an den Fachmann

Beitragvon Jordi » 30. März 2012, 06:01

Dank für die Antworten. Der Wissenschaftler erwähnt ja eine Reihe möglicher Ursachen, läßt aber leider fast alle Optionen offen. Ich würde einfach frech behaupten, der Verursacher der Chlorose ist der Auslöser...aber, wer war deren Verursacher?

Jordi

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Thomas Brand
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Re: Eine Frage an den Fachmann

Beitragvon Thomas Brand » 1. April 2012, 18:31

Moin,

Der Wissenschaftler erwähnt ja eine Reihe möglicher Ursachen, läßt aber leider fast alle Optionen offen.

Tja, so ist das, wenn es keine gesicherten Beweise gibt (oder dem Autor diese unbekannt sind).

Chlorosen sind so etwas wie Kopfschmerzen bei Menschen. Ein Symptom, dessen Ursache man nicht einfach so benennen kann. zu viel getrunken? Oder zu wenig? Immer mit dem Kopf durch die Wand oder zu viel Stress? Ein Tumor? ...
Temperaturstress oder eine toxische Substanz? Pathogene oder Mutation? ...
Mannigfaltige Ursachen, wie ich schon schrieb. Was einmal zutrifft, muss ja nicht die Antwort auf die zugrunde liegende Frage sein.

Man kann natürlich spekulieren. Mit Glück trifft man die richtige Antwort. Wenn es die jemals geben wird.

In einer Ausgabe der Stachelpost 8. Jahrgang, März 1972, Nummer 38 wird ein Artikel von Wolsky G. "Biologie der Kammformen bei Kakteen" aus dem Russischen übersetzt. Dort wird vollmundig angekündigt: "... kommt in seiner Arbeit zu Ergebnissen, die den sensationellen Schluss zulassen, daß die Cristatbildung keine ungelöste Frage mehr ist." - Leider ist in diesem Heft keine Lösung des Rätsels gegeben - es wird fortgesetzt ... und ich hebe keine weitere Ausgabe der Stachelpost verfügbar. Kann jemand helfen?
Ich erinnere mich dunkel an einen Bericht in einer Zeitschrift, in dem Versuche mit Tiefsttemperaturen als Auslöser de Verbänderung beschrieben wurden. War es vielleicht diese Quelle?

Gruß
Thomas

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Echinopsis
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Re: Eine Frage an den Fachmann

Beitragvon Echinopsis » 1. April 2012, 19:51

Moin,

mit Tiefsttemperatur sollte es möglich sein eine Cristatbildung zu erzwingen.
Das Problem ist nur - wieviel Grad exakt? Sollten die Samen die Tiefbehandlung erhalten oder Pflanzen?

Fragen über Fragen...Fakt ist jedoch dass es exakt über dieses Thema "Tiefe Temperatur - Cristatenentstehung" mindestens einen Bericht gibt.

lG,
Daniel

Jordi
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Re: Eine Frage an den Fachmann

Beitragvon Jordi » 1. April 2012, 19:56

Danke, Thomas. Du bemühst Dich ja wirklich redlich.
Habe schon befürchtet, daß es (noch?) keine Antwort auf meine Frage gibt. Wozu hamse uns bloß studieren lassen?

Jordi


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