Gattungshybriden der lateinamerikanischen Crassulaceae

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Plantsman
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Re: Gattungshybriden der lateinamerikanischen Crassulaceae

Beitragvon Plantsman » 8. März 2016, 19:22

Moin,

die attraktive Rosette von Graptopetalum suaveolens (Syn. Sedum suaveolens; DNA-Studien haben belegt, daß es mit Graptopetalum bellum nahe verwandt ist) hat einige Züchter dazu verleitet, die Art als Kreuzungspartner auszuwählen. Das Problem, es ist die Samen-Pflanze mit dem höchsten Chromosmensatz: 320. Damit ist es in allen Kreuzungen sehr dominant. Auch Graptopetalum (Tacitus) bellum vererbt ähnlich.
Eine derartige Hybride ist X Graptoveria ´Blue Lotus´. Sie unterscheidet sich von der Wildform fast nur durch die Morphologie der vegetativen Vermehrung. Die Art macht Tochterrosetten an langen, blütenschaftähnlichen Ausläufern, bei der Hybride sind diese Sprosse deutlich kürzer und dicker. Diese entstehen auch eher basal anstatt innerhalb der Rosette. Im direkten Vergleich ist die Hybride auch etwas blauer und die Blätter anders geformt. Aber ohne Vergleich........
Solche Kreuzungen machen es natürlich nicht einfacher, die Pflanzen in unseren Kulturen zu unterscheiden und so stehen oftmals wildformähnliche Hybriden in unseren Kulturen. Das ist wahrscheinlich ein Grund, warum die zentralamerikanischen Crassulaceae in den Sammlungen eher in überschaubarer Zahl vorhanden sind.
Dateianhänge
Graptoveria ´Blue Lotus´; Crassulaceae (3).jpg
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Re: Gattungshybriden der lateinamerikanischen Crassulaceae

Beitragvon Plantsman » 1. April 2016, 17:30

Moin,

eine alte Hybride ist X Cremneria ´Expatriata´. Sie wurde 1905 von J. N. Rose nach Pflanzen, die er aus New York erhalten hatte, als Echeveria beschrieben. Sie wurde nicht nur aus Kultur beschrieben sondern ist dort sicherlich auch entstanden. Die Eltern sind Cremnophila linguifolia und Echeveria amoena.
In der Zwischenzeit habe ich in einigen botanischen Gärten Pflanzen gesehen, die ebenfalls diesen Namen auf dem Etikett tragen. Es war aber nur selten die richtige Pflanze dazu im Topf. Deshalb hier mal Fotos einer echten ´Expatriata´. Vegetativ ähnelt sie einer hochbeinigen Echeveria amoena, der Blütenstand hat aber die für Cremnophila (s.str.) typische Verzweigung.

Cremneria ´Expatriata´ 1992-2-4068-1; Crassulaceae (3).jpg

Cremneria ´Expatriata´ 1992-2-4068-1; Crassulaceae (2).jpg

Cremneria ´Expatriata´ 1992-2-4068-1; Crassulaceae (1).jpg
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Re: Gattungshybriden der lateinamerikanischen Crassulaceae

Beitragvon Plantsman » 12. Mai 2016, 17:36

Mal wieder was von mir.

Hier mal kommentarlos ein paar X Graptosedum-Hybriden. Diese sind alle aus einer Sukkulenten-Mix-Palette im Gartencenter. Viele dieser namenlosen und kaum noch unterscheidbaren Hybriden laufen teilweise als echte Graptopetalum paraguayense in den Sammlungen.

Graptosedum 2009-2; Crassulaceae (1).jpg

Graptosedum 2009-2; Crassulaceae (2).jpg


Graptosedum 2009-4; Crassulaceae (1).jpg


Graptosedum 2010-161; Crassulaceae (4).jpg

Graptosedum 2010-161; Crassulaceae (2).jpg

Graptosedum 2010-161; Crassulaceae (3).jpg
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Re: Gattungshybriden der lateinamerikanischen Crassulaceae

Beitragvon WoBo » 19. Juni 2016, 18:53

Diese Pflanze habe ich ohne Namen bei mir stehen, aber auch dies dürfte eine X Graptoveria sein.

Blattrosette (aktueller Zustand)
X Graptoveria, Pflanze.jpg

Blüte
X Graptoveria, Blüte.jpg

Das Besondere: Sie ist frosthart, d.h. ich überwintere sie draußen ungeheizt, nur mit Nässeschutz. Andernfalls hätte ich wohl auch keinen Platz für sie - die Wuchsform ist doch eher sparrig. Blütezeit ist bei mir (vielleicht aufgrund der kalten Überwinterung) erst ab Juli, die Blütenaufnahme ist schon etwas älter. Bei Kakteenfreunden, die die Pflanze im Gewächshaus überwintern, werden weniger Blätter abgeworfen, so dass die Rosetten größer bleiben.

Vielleicht hat Plantsman ja sogar einen Namen, den ich aufs Etikett schreiben kann?

Bis beulich
Wolfgang

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Re: Gattungshybriden der lateinamerikanischen Crassulaceae

Beitragvon Ada » 20. Juni 2016, 09:36

Hallo Stefan,
und hallo Wolfgang,

diese Pflanze habe ich vor vielen Jahren als Graptopetalum paraguayense gekauft:

Graptopetalum paraguayense 2015-11.JPG


Graptopetalum paraguayense 2015-15.JPG

Aufgrund Eurer Beiträge hat sich mir auch die Frage gestellt, ist es ein artreines Graptopetalum paraguayense, oder doch eine Gattungshybride?
Kann man das anhand der Blüten bestimmen?

Übrigens halte ich diese Pflanze auch so wie von Dir, Wolfgang, beschrieben - ganzjährig draußen, zusammen mit der daneben stehenden Delosperma, nur durch ein kleines Überdach vor Winterregen geschützt.

Viele Grüße,
Ada

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Re: Gattungshybriden der lateinamerikanischen Crassulaceae

Beitragvon WoBo » 10. Juli 2016, 15:54

Hallo Ada,

diese Pflanze habe ich auch, und ich hatte sie ebenfalls als Graptopetalum paraguayense identifiziert - ich habe sogar noch Bilder davon gefunden:
WB20140504 154440, Graptopetalum, paraguayense.jpg

WB20140504 153954, Graptopetalum, paraguayense.jpg


Vorausgesetzt, dass da jetzt bei mir nichts durcheinander geraten ist, sehe ich zwischen dieser Pflanze und der, die ich vor 3 Wochen gezeigt hatte, doch ein paar (kleinere) Unterschiede bei den Blüten, z.B. undeutlichere Punktierung der Blüten, dunkler gefärbte Fruchtblätter, frühere Blütezeit. Ob das jetzt wirklich entscheidende Unterschiede sind oder innerhalb der "erlaubten" Variationsbreite liegt, kann ich nicht beurteilen. Vegetativ sehen die Pflanzen für mich identisch aus.

Bis neulich
Wolfgang

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Re: Gattungshybriden der lateinamerikanischen Crassulaceae

Beitragvon Plantsman » 1. August 2016, 13:53

Moin,

@Wolfgang, die von Dir vorgestellte zartorange blühende Pflanze kann ich leider nicht benennen. Wie ich schon geschrieben habe, lassen sich viele schlecht unterscheiden. Wenn man dann noch beobachtet, wie die Insekten auf die Blüten stehen, bei mir besonders Hummeln und Ameisen, dann gibt es sicher auch viele Rückkreuzungen.

Eure Graptopetalum paraguayense sind aber korrekt benamt. So viel ich weiss, sind sämtliche auf der Welt zu findenden Pflanzen ein Klon und variieren deshalb nicht. Wo bei den Hybriden die Farbintensität der Blüten, incl. der Punktierung, je nach Bedingungen schwanken kann, bleibt die Art stabil.

Etwas einfacher ist es bei X Graptoveria ´Douglas Huth´. Es gibt nicht so viele Hybriden mit den großen Echeverien. Hier sind Graptopetalum paraguayense und, vielleicht, Echeveria gigantea bzw. Echeveria gibbiflora agg. miteinander gekreuzt worden.

Graptoveria ´Douglas Huth´ 2009-56; Crassulaceae (1).jpg

Graptoveria ´Douglas Huth´ 2009-56; Crassulaceae (2).jpg

Graptoveria ´Douglas Huth´ 2009-56; Crassulaceae (3).jpg

Graptoveria ´Douglas Huth´ 2009-56; Crassulaceae (4).jpg
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Stefan


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