Rimacactus lauii

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scoparius
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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon scoparius » 1. Juli 2011, 21:02

CABAC hat geschrieben:und an nobby ein herzliches Dankeschön für seine Erläuterungen zum Sachstand der neuen Nomenklatur. Dass wird die Anhänger der Kattermannschen Theorien natürlich betrüben, genauso wie es die Anhänger von Ritter ein Siegerlächeln ins Gesicht zaubert.



Hallo CABAC
ich finde das sollte man nicht zu schwarz -weiß sehen. Als Laie finde ich es schön eine Pflanze aus einem bestimmten Gebiet mit einem Namen benennen zu können. In der Natur gibt es natürlich immer Variationen der vorhandenen Taxa durch Standorteinfüsse.
Wenn Du eine Feldnummer von Katterman hast, dann kommst du so gut wie immer auf eine Entsprechung der Pflanze bei Ritter in dessen Nomenklatursystem.
Ich persönlich finde Kattermann übersichtlicher als Ritter. Bei Hunt /Taylor werden die Grenzen der Taxa weiter gefasst so dass es manchmal schwieriger ist Rückschlüsse auf die vorhergehenden Beschreibungen zu ziehen.

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CABAC
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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon CABAC » 2. Juli 2011, 06:22

Hallo zusammen @ scoparius
da sind sie wieder, unsere kleinen Lumping-and Splittingprobleme.

1. Wer sich bei der Orientierung in der südamerikanischen Kakteenwelt an Kattermann hält,
gerät automatisch in Dunstkreis der IOS Consensusgruppe (Hunt, Nyffeler, Egli usw). Und
deren Leitspruch ist und war "wir haben zu viele Kakteengattungen!" Etwas spöttisch
ausgedrückt, könnte man meinen, Kattermann hat seine Arbeit nur gemacht, um Dr. Hunt
einen Gefallen zu tun oder auch nur, weil es gerade Mode ist, dieser IOS-Konsensusgruppe nach
dem Maul zu reden.

Ich beziehe nicht nur im Fall Eriosyce eine ganz starre Position gegen die Ansichten der IOS-Konsensusgruppe, aber nicht, weil ich eine DNA-Analyse nicht verstehe oder auswerten kann bzw. etwas gegen die moderne Methode der Erforschung der Pflanzen hätte oder nur weil ich gegen etwas sein muss. Mit den Pflanzen in Argentinien und Chile hatten diese Herrschaften ein leichtes Spiel. Man stelle sich vor, die IOS-Konsensusgruppe hätte sich Kakteenwelt Mittelamerikas (Mexiko) als Forschungsgebiet ausgesucht und ¾ aller bekannten Gattungen zu Mammillaria gemacht. Die IOS hätte sich auflösen können.

2. Ich weiß nicht, wie Ritter bei der Kakteensuche seinerzeit vorgegangen ist. Geizig, überausberechnend und dazu noch mit der Angst vor der einheimischen Bevölkerung und durch sein Charakter geprägt, kann ich mir nicht vorstellen, dass er auf blauen Dunst durch die Gegend getappt ist. Er muss schon ein System gehabt haben bzw.dieses Entwickelt haben.Sein System bzw. dass was er uns hinterlassen hat ist für mich viel logischer und vor allen Dingen im Feld nachvollziehbarer. Gut, die Gattung "Chilerebutia"werden wir nicht wieder bekommen und deshalb bin ich mit der "Rückgewinnung" von Thelocephala schon zufriedener.

Alfred Lau der Entdecker von Eriosyce-, Rimacactus-, Islaya lauii lebt nicht mehr. Man sagt ihm nach, dass er ein großer Kenner der Kakteen war. Mich würde brennend interessieren, was er gedacht hat, als er diese kleine seltsame Kaktee entdeckt hat. Fragen, die ihm keiner mehr stellen kann. Oder hat er diese Kaktee gar nicht selber gefunden? Masn sagte ihm ja nach, dass er lieber Einheimische oder seine Zöglinge suchen ließ.

Aber wenden wir uns wichtigeren Dingen zu. Rimacactus lauii gilt als praktisch ausgestorben und ist in der Kultur auf eigener Wurzel kaum zuhalten oder vermehrbar. Als Pfropfung wird aus einem 5 mm großen Köpfchen innerhalb weniger Monaten ein Monstrum, das zwar blüht und Früchte macht, aber zur Erhaltung der Art nicht beiträgt. Denn hier gezüchtete Sämlinge würde das Einpflanzen an den Ursprungsort sehr wahrscheinlich nicht überleben.

Hat mal jemand von Euch überlegt, woran das liegen könnte?

Schönes Wochenende

Euer

CABAC (aus guten Gründen ein überzeugter Splitter, aber kein Wissenschaftsverweigerer)
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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon Jordi » 15. Juli 2011, 04:16

CABAC hat geschrieben:....Hat mal jemand von Euch überlegt, woran das liegen könnte? ...

JA :P

Jordi

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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon CABAC » 15. Juli 2011, 05:29

...na Meister Jordi
dann sind wir hier alle aber sehr gespannt, was Du als Erklärung für uns parat hast !

Gute Nacht nach El Cajon

CABAC
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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon Jordi » 15. Juli 2011, 18:12

Eigentlich möchte ich ja in meiner üblichen böswilligen Art nun antworten: Ja, ich habe überlegt, bin aber zu keinem Ergebnis gekommen :P

Aber ausnahmsweise mal Quatsch beiseite:
Aufgrund des unwirtlich trockenen Klimas ist diese Art am Standort hauptsächlich damit beschäftigt, die aus der geringen Assimilationsfläche und gelegentlicher Feuchtigkeit geschaffenen spärlichen Reserven unterirdisch anzulegen. (Ähnlich wie die Blossfeldia.) Nun pfropfen wir sie und überhäufen sie so mit Nahrung, daß sie aus allen Knopflöchern sprossen muß, da sie nun unterirdisch nichts mehr davon loswerden kann. (Auch Blossfeldia fängt gepfropft an, wie wild zu sprossen.)
Nach meiner Meinung dient das leidige Pfropfen dennoch zur Arterhaltung, denn mit Glück schaffen wir es ja, auf diesem Wege wenigstens so viel Samen zu machen, daß man sie am Standort wieder ausstreuen könnte. Außerdem werden wir mit Geduld auch irgendwann rausfinden, wie man die Sämlinge wurzelecht und damit relativ natürlich am Leben erhalten kann.

Jordi

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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon CABAC » 17. Juli 2011, 06:58

Hallo zusammen,
kaum zu fassen, der Jordi kann ja sogar lange Texte schreiben. Hatte ehrlich eher mit einer Einbuchstabenanwort dafür aber mit sieben Smilies gerechtnet.

Aber Spaß beiseite, danke Jürgen für die Antwort. Hier gezüchteten Samen nach Chile bringen und dort in der Region Tocopilla auszusäen müsste möglich sein. Gibt ja schon zahlreiche Beispiele dafür, dass fast ausgestorbene Tiere oder Vögel wieder eingebürgert wurden. Dass das auch bei Pflanzen gemacht wurde, ist mir aber völlig unbekannt. Aber wir können ja darauf hinarbeiten, einem der nächsten Chilereisenden ein Päckchen Rimasamen geben und ihn dazu bringen, den Samen an Laus Fundort auszusäen...

...in diesem Sinne allen Rimacactushaltern viel Erfolg beim Bestäuben ihrer Pflanzen

Euer

CABAC
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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon CABAC » 28. August 2011, 05:53

Hallo zusammen,

Rimacactus wurzelecht in Kultur ? Geht das überhaupt ? Ich glaube, ich hatte schon darüber berichtet.

Nun so sieht er aus:
Rimacactus_lauii_we001.jpg


Leider haben ein paar ganz dumme Ereignisse es gefügt, dass er von nun an in meiner Sammlung aushalten muss. Und Ihr könnte es mir glauben, mir geht es nicht gut und habe keine Anzeichen von Besitzerstolz...

...in diesem Sinne bis bald mal wieder

Euer

CABAC
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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon Jordi » 28. August 2011, 06:15

Ei, wo hast Du denn den nun hergezaubert? Hoffentlich macht er's wenigstens einige Zeit bei Dir!

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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon Charles Dawkins » 29. August 2011, 23:16

Ich wünsche dir, das er es lange bei dir aushält, und auf eigenen Wurzeln blüht und fruchtet.
Das wäre doch mal eine wirklich schöne Erfolgsgeschichte.

Hoffentlich existiert irgendwo in Tocopilla noch eine überlebensfähige Population von Rimacactus. Das Wiedereinbürgern halte ich in dieser Region für extrem beschwerlich, und die zarten Pflänzchen wären vermutlich noch lange auf Hilfe von außen angewiesen, sofern es überhaupt gelingt...

Wie steht es eigentlich mit der Samenkeimfähigkeit? Wie alt kann das Saatgut sein, um seine Keimfähigkeit noch zu behalten? Das würde mich speziell bei Rimacactus, aber auch bei Pflanzen aus vergleichbaren Extremstandorten interessieren.

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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon CABAC » 30. August 2011, 04:34

Hallo zusammen,

der Anlass meines sehr zweifelhaften Besitzerstolzes über diese Pflanze ist leider sehr traurig. Aber das Leben kann schon sehr tückische Fallen bereithalten und als Folge dieser Lebensfalle kam dieses Schätzchen, was mal als Samenkorn meine Sammlung verlassen hat, als Sämling zurück.

Charles Dawkins, sofern es überhaupt Samen von Rimacactus lauii gibt, keimen sie sehr zuverlässig. In den ersten vier Jahren hatte ich so viele, dass ich welche davon abgeben konnte. Nur damals wollte sie keiner haben. Jordi kann es bestätigen, danach ließ dann schlagartig die Blühwilligkeit meiner 6 Pflanzen nach.

Woran es liegt, kann mir keiner erklären. Und heute kämpfe ich darum, aus meinen 4 Klonen wieder eine, kleine über Samen vermehrungsfähige, Population aufzubauen. Ich achte darauf, dass ich nur noch Pfropfungen über Pfropfungen vermehre, wenn diese Pflanzen schon mal geblüht haben.

Viele werden mich mal wieder für völlig bekloppt halten, aber die Geschlechtsreife von Pflanzen wird doch auch nur über Hormone gesteuert. Und wenn ich nur Seitentriebe von nicht blühfähigen Rimacacteen pfropfe und das möglicherweise zigmal wiederhole, geht scheinbar im genetischen Gedächtnis der Faktor Geschlechtsreife und Blühen verloren. Punas und Yavias werden von mir nur noch gepfropft, wenn die Pfropfmütter mal geblüht haben...

...in disem Sinne bis nachher mal

CABAC
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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon matucana » 30. August 2011, 09:31

Hi,

ich kenne mich zwar nicht mit Rimacactus aus, aber ich hatte spontan die Idee, dass das ein Stressblüher sein könnte, der "in guten Jahren" Substanz ansetzt, statt zu blühen. Da wir ja alle die optimale Kultur anstreben, wäre Blühfaulheit die logische Folge. Wenn Jordi noch dazu schreibt, dass die eher mit Vernachlässigung überleben als alles andere, ist das ein Hinweis in die selbe Richtung, finde ich.

So nebenbei, als Stressblüher gelten z. B. Amaryllis belladonna (nie düngen und enger Topf, warme Sommerruhe) und ich finde auch komplett die Gattung Sansevieria, wo Blüten selten regelmäßig, sondern immer überraschend kommen (bei mir jedenfalls).
Schöne Grüße Helli

"Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern." (Rosa Luxemburg, 1917)

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Re: Rimacactus lauii

Beitragvon CABAC » 7. September 2011, 08:08

Hallo zusammen,

er lebt noch, der wurzelechte Rimacactus! Bekommt keinen Tropfen Wasser und sieht in meiner Sammlung auch keine Sonne.

Ich glaube nicht, dass Rimacactus ein Stressblüher ist. Für mich ist diese Kaktee eher eine sehr gut angepasste Besiedlungsspezialistin und Nischenbewohnerin, welche sich aufgrund der örtlichen Begebenheiten so stark angepasst hat, dass schon geringfügige Veränderungen und genetisch bedingte Nichtanpassungsfähigkeit zum Ableben in der Kultur, aber auch im natürlichen Lebensraum führen. Denn wie man berichtet, ist er auch nach vielen Versuchen im natürlichen Lebensraum nicht wieder entdeckt worden. Bleibt nur zuhoffen, dass die Mähr von Ausgestorbensein sich nicht endgültig bestätigt und sich in irgendeiner Felsspalte noch ein paar von ihnen befinden und unentdeckte Urständ feiern.

Konnte mich am Wochenende sehr ausführlich mit einen Biologen über das Blühverhalten von Kakteen unterhalten und austauschen. Ob und wie viele Hormone erzeugt werden, damit unsere Kakteen blühen, ist von vielen Faktoren abhängig. Eines dürfte aber unstrittig sein, Blühhormone werden ausgeschüttet, wenn eine Pflanze eine bestimmte Biomasse (Körpervolumen) aufgebaut hat.

Bei Carnegia gigantea kann das sehr lange dauern und bei Rebutia oder Gymnocalycium mit unter nur 2 Jahre. Macht eine Pflanze allerdings zu schnell Biomasse oder wächst dass Körpervolumen zu schnell (wie bei wir es häufig bei gepfropften Pflanzen erleben oder wenn die Ruhephase nicht eingehalten wird) dann kann dieses auf die Fruchtbarkeit gegenteilig auswirken. Mit andern Worten sie werden zu fett und deshalb faul. Die Blühwilligkeit(fähigkeit) entwickelt sich zurück oder verkümmert bzw. bei erfolgreich bestäubten Blüten entwickeln sich keine normalen Früchte sondern, prolifierende Zellhaufen die weder Fruchtknoten noch Pflanzenkörper sind. Dieses Verhalten habe ich u.a. bei der hier schon oft behandelten Yavia oder auch bei Sulcorebutia beobachtet.

Gepfropfte Rimakakteen werden schnell zu vielköpfigen unschönen Gebilden. Zur Erhaltung der Blühfähigkeit empfiehlt sich rechzeitiges Umpfropfen auf Unterlagen, die nicht so stark treiben. Am geeigneten hat sich meiner Erfahrung nach die Pfropfung auf Myrtillocactus erwiesen. Obwohl diese Unterlage zu den groß werdenden Säulen zählen, scheint bei dieser Pfropfunterlage nicht so viel hormoneller Schub anzufallen, denn diese Kombination soll angeblich die Blühfähigkeit und Fruchtbildung normal verlaufen.

Bin gespannt, ob sich diese Prognose für meine beiden Myrtillocactuspfropfungen bestätigt...

…in diesem Sinne bis bald mal wieder

Euer

CABAC
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