Weingartia knizei

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Weingartia knizei

Beitragvon CABAC » 24. März 2009, 15:28

Hallo zusammen,
sie gehören zu den ersten in meiner Sammlung, die mich mit ihren Blüten erfreuen und mir zeigen wollen, dass der Winter zu Ende geht. So auch in diesem Jahr und auch vor ein paar Stunden, denn die Aufnahmen der Kulturpflanzen wurden heute Mittag gemacht.
Wer sich wundert, dass ich nicht den Namen Cintia für die Nomenklatur angewendet habe, dem sei gesagt, dass seit einem Bericht in einem Mitteilungsblatt der AGG aus 2008 von Günter Hentschel und Karl Augustin die Gattungen Sulcorebutia und Cintia eingezogen wurden und in die Gattung Weingartia umbenannt worden ist.
Weingartia knizei gehört zu den ganz heimlichen Kakteen in Bolivien. Artnamengeber Knize entdeckte sie in der Nähe Lecorie zwar schon vor mehr als 20 Jahren, beschrieb sie aber erst Mitte der 90ger. Der ursprüngliche Gattungsname bezog sich übrigens auf das Cintital, einem arealgegrafischer Bereich im Bereich des Alti Plano. Dabei hat sie ein riesiges Verbreitungsgebiet und ist eigentlich nicht selten im Feld zufinden. Häufig treten sie in Gesellschaft mit anderen Gattungen auf. Man muss sie halt nur finden. Außerhalb der Blütezeit ist diese Kaktee praktisch unsichtbar. Haben die Augen eines Feldläufers aber erst einmal eine entdeckt, springen die nächsten Pflanzen förmlich aus der Erde.
In der Kultur ist die Pflanze ähnlich zu behandeln wie Weingartia oder Sulcorebutia. Tiefe Töpfe, mineralisches Substrat und ganz viel frische Luft, dann fühlt sich diese Kaktee aus den Alti Plano wohl. Gepfropfte Exemplare werden zu vielköpfigen unförmigen Zellhaufen, die außerdem auch noch sehr schnell platzen, wenn der Kakteengärtner zuhäufig mit der Gießkanne kommt. Die Fruchtreife ist übrigens eine der kürzesten und dauert gerade vier Wochen. Die Aussaat gelingt, wenn man den Ursprung beachtet, Keimtemperaturen so um 30°C; dafür aber eine nächtliche Absenkung unter 10°C. Ähnlich wie Neowerdermannia,Yavia und die südlichen Weingartien benötigen diese Kakteen unbedingt die großen Tag/Nachschwankungen für die Keimung. Bei erfolgreicher Aufzucht kann man aber schon ab dem zweiten Jahr mit den ersten Blüten rechnen...

...in diesem Sinne allen einen schönen Tag

Euer CABAC
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michael
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Re: Weingartia knizei

Beitragvon michael » 25. März 2009, 10:01

Hallo lieber Herbert,

ich bin ja auch bekennender Fan dieser Pflanzen, auch wenn sie bei mir noch Cintia heissen. ;)
Ich habe 2 wurzelechte Pflanzen, die sind aus tschechischer Herkunft und haben noch nicht geblüht. Dann habe ich 2006 welche ausgesät, die sehen aber auch nicht so aus, als würden sie schon blühgröße haben (Bild von heute im Anhang). :(
Wie sieht das eigentlich mit den Früchten aus? Du schreibst von einer kurzen Reifezeit. Wie sehen die Früchte denn aus, hast Du da Fotos? Vertrocknen die Früchte bei Reife oder platzen sie seitlich auf?
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viele Grüsse
michael
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Re: Weingartia knizei

Beitragvon CABAC » 25. März 2009, 13:44

Hallo zusammen und ganz speziell Michael,

also die ( Deine) Frage zur Frucht kann ich nur unvollständig beantworten. Weil es bei Cintias (der Name ist mir ehrlich gesagt auch noch geläufiger) schwer mit Fotos darstellbar ist. Aber wie bei allen Weingartien der südlichen Gruppe ( und damit ist es ein wichtiges Merkmal zur Zugehörigkeit zu dieser Pflanzenfamilie) reißt die Frucht unten quer auf.Das Foto zeigt eine Frucht von Weingartia fidaiana ssp neumanniana. Bei den Cintias besteht außerdem der Unterschied, dass die Früchte keine Pulpa ( Fruchtfleich) enthalten. Bei gepfropften Pflanzen ist dann bei der Vollreife Aufpassen angesagt, denn es reicht eine Erschütterung und die Samen rollen heraus, sind dann verloren. Übrigens bei den Cintias bleibt der Blütenrest auch stehen;ich entferne ihn nur immer um einen besseren Blick auf die Frucht zu haben.

OK ?

Allen einen schönen Tag

Euer CABAC
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Re: Weingartia knizei

Beitragvon CABAC » 16. August 2009, 08:17

Hallo zusammen,

ich bin dem Michael zu diesem Thema noch eine Antwort schuldig.

Auf seine Frage, wie sich denn die Früchte bei Weingartia (Cintia) bei der Vollreife verhalten bzw wie die Samen nach außen gebracht werden, kann ich heute ein paar Angaben und Fotos liefern.

Zunächst ein paar Erläuterungen: Die Fotos zeigen die Cintiaform aus dem Culpinabecken (einem kleinen Hochtal im Department Chuquisaca, Provinz Nor Cinti) und kam als Cintia napina n.n. in meine Sammlung. Habituelle Unterschiede zu anderen Formen der Gattung sind leicht differnzierbar und erkennbar.

Die Früchte der Pflanze habe ich für Dokumentationszwecke total ausreifen lassen. Es befanden sich insgesammt 24/ 28 Samenkörner (die Lecorie / Padcoyo Formen haben deutlich weniger) in der Fruchten, sichtbar waren jeweils nur 6 / 8 Körner. Sie waren unheimlich beweglich,d.h.eine kleine Berührung reichte aus und die Körner sprangen wie Flöhe von der Pflanze. In Kenntniss dieser Tatsache hatte ich den Topf vorsorglich auf ein weißes Blattpapier gestellt und konnte so 5 Korn sichern;die Restlichen habe ich mit der Pinzette "gerettet" bzw abgesaugt. Soweit die Sammlungmorphologie.

Am Originalstandort wird es wohl so sein, dass die obersten Samen nach Aufreißen der Frucht von Wind abgeweht werden und die im Körper verbliebene Körner bei der nächsten Vegetationsperiodes nach außen gepresst werden und dann vom Regen und Wind vertrieben werden...

... in diesem Sinne, herzliche Grüße und einen schönen sonnigen Sonntag wünscht

CABAC *

*= im richtigen Leben Herbert Thiele Paderborn
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Re: Weingartia knizei

Beitragvon kahey » 16. August 2009, 09:10

Ich habe auch eine Frage zu dieser Pflanze, bei welcher Temperatur kann die Pflanze im Winter gehalten werden, ist es eh wärmer, oder kann die auch kälter stehen so bis 0 Grad.
Wäre um eine Antwort Dankbar
viele Grüße
kahey
Viele Grüße
Dieter

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Re: Weingartia knizei

Beitragvon CABAC » 16. August 2009, 09:58

Hallo kahey,

also bei mir stehen sie hell und bei Temperaturen von mindestens 5 °C [ Einstellung am Termostat ]. Unter meinen Verhältnissen ist die Kultur unproblematisch.

Ich bin sicher,dass sie am Standort mehr Kälte vertragen.

Wie mir ein deutscher Pater aus dem Culpinabecken / Incahuasi vor kurzem berichtete, soll es dort in letzten Winter (Juli 2008) sehr kalt gewesen sein. Es lag ein paar Tage Schnee und in Culpina selber gab es drei Tote, wohl auch in der Kombination Unterernährung und niedrige Temperaturen.

Übrigens, nachträglich herzliche Glückwunsche zum Geburtstag.

LG

CABAC
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Re: Weingartia knizei

Beitragvon kahey » 16. August 2009, 13:09

Hallo CABAC,
vielen Dank für die Geburtstags wünsche und die schnelle Antwort. Ich habe die Pflanze zwischen3-5 Grad überwintert was sie gut vertragen hat. Nur mit den Bewurzeln ist es sehr schwierig meine ist gepfropft auf Trichocereus.
Danke.
Viele Grüße
kahey
Viele Grüße
Dieter

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Re: Weingartia knizei

Beitragvon michael » 3. April 2010, 17:45

Hallo,

die letzten Tage habe ich an meinen 2006 ausgesäten Cintias (sic!) eine Blütenknospe entdeckt. Der Pflanzenkörper ist 7mm im Durchmesser groß. ;)
Bild
viele Grüsse
michael
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Re: Weingartia knizei

Beitragvon sulco-willi » 27. August 2011, 10:37

Hallo zusammen,
vermutlich wird niemand diesen Beitrag zu einem uralten Thema lesen. Ich will es aber doch der Korrektheit halber erwähnen. Hier wird Cintia knizei etwas leichtfertig zu Weingartia knizei umbenannt. Das ist allerdings nicht korrekt, denn Hentzschel und Augustin haben die Cintia zu Weingartia cintia umkombiniert, was allerdings auch sinnvoll erscheint - wenn überhaupt. Das Problem mit "Weingartia knizei" ist, dass Brandt 1977 schon eine solche beschrieben hat. Ich hatte mal Pflanzen von Knize unter KK1756, die als W. knizei bezeichnet waren. Falls die Fundortangabe von Brandt stimmen sollte, handelt es sich um Weingartien aus der verwandtschaftlichen Umgebung von W. pulquinensis. Das nur zur Information.

Beste Grüße

Willi
:roll:
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Re: Weingartia knizei

Beitragvon CABAC » 27. August 2011, 16:46

Hallo zusammen @ hallo sulcowilli,
Du hast Recht die Rubrik ist schon recht alt und im Laufe der Zeit ändert sich vie, u.a. auch meine Meinung darüber ob nun Augustin und Hentzschel Recht behalten oder Knizes Entdeckung wieder den Rang einer eigenen Gattung bekommt.

Willi, so viel wie ich weiß, ist die Brandtsche Weingartia knizei nicht gültig, wie im übrigen viele Arbeiten von Brandt aus dieser Zeit (u.a. wegen schwerer Fehler wissenschaftlich damals nicht anerkannt wurden). Und für alle die sich nicht so mit den Brandtschen Wirken auskennen; als Weingartia knizei beschrieb er ein Weingartia aus der nördlichen Gruppe, die Knize 1973 in der Region Cochabamba gefunden hatte. Und wie man das bei Brandt häufig findet, ohne Sammelnummer an der Uni in Heidelberg hinterlegt.

Ich bin dafür und unter anderem auch deshalb weil ich festgestellt habe, dass Cintia zu der Gruppe der südlichen Weingartia mehr trennende als dazugehörende Merkmale aufweist.

Ein Samenvergleichsfoto kann schon viel bewirken.
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Auf dem Foto sind Samen von Weingartia fidaiana westii (groß und braun mit grober Testa) Cintia knizei (KK 1785 Lecorie) und weil ich nichts anderes hatte Copiapoa lauii (klein schwarz mit glänzender Testa) zusehen.

Ein weiteres Argument erhalte ich aus der Tatsache, dass ich seit etlichen Jahren probiere Cintia und Weingartia westii mit einander zu bestäuben. Verlief bis auf ein Mal immer negativ. 2008 gelang es mir Cintia knizei (Padcoyoform) mit Weingartia westii (auch vom gleichen Fundort) zu bestäuben und konnte 17 Körner absammeln. Aber die Aussaat von „Ciwei knestii“ ging schief, die Körner keimten gingen aber nach wenigen Tagen ein. Ursache: Vermutlich zu wenig Lebenswille.

Knize fand seine Typen bei Otavi 1815 und bei Lecorie (KK 1785 Typus); als alter Bolivienfahrer weißt Du, dass Cintia an vielen Stellen im geografischen Großraum Cintital angetroffen wurden. Dabei sind diese Kakteen nicht wählerisch in der Auswahl ihrer Nachbargattungen. Bei Padcoyo und Lecorie sind es Weingartia und im Culpinabecken Sulcorebutia. Habe noch nicht erlebt, dass zwei Weingartiaarten nebeneinander siedeln.
Die Zusammenhänge der Verbreitungsmodi von Kakteen werden uns wohl noch lange geheimnisvoll bleiben…

..in diesem Sinne lebe Cintia und bis nachher mal wieder

Euer

CABAC
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Re: Weingartia knizei

Beitragvon sulco-willi » 29. August 2011, 18:50

Hallo zusammen, hallo Herbert,

mit Deiner Aussage zur Wiederbelebeung der Gattung Cintia rennst Du bei mir offene Türen ein. Ich habe das eigentlich nie akzeptiert, dass Cintia eine Weingartia sein soll, unter anderem wegen der Früchte und Samen. Speziell die Samen der südlichen Weingartien sind ja praktisch identisch mit den herkömmlichen Sulcosamen und da sind die Cintiasamen doch meilenweit weg. Ich habe ja schon seit eh und je einige Vorbehalte gegen diese DNA-Analysen. Für mich sind auch die Sulcos nach wie vor keine Weingartien im engeren Sinn. Das war auch der Grund, warum ich mich strikt geweigert habe unser Buch zu einem Weingartiabuch zu machen, wie das an mich herangetragen worden ist. Ich denke, Sulcos und Weingartien sind schon sehr nah verwandt, aber auf Grund von morphologischen Merkmalen sollte man die Gattung Weingartia in die Brandt´schen Untergattungen Weingartia, Cumingia und Sulcorebutia unterteilen. Leider durfte man in der SSK solche ketzerischen Ideen nicht äußern..... :mrgreen:

Was die Gültigkeit Brandts von Erstbeschreibungen angeht, muss ich klar widersprechen. Die überwiegende Zahl - so auch W.knizei - sind durchaus gültig, auch wenn damals viele grundsätzlich alles anzweifelten (auch ich), was Brandt machte. Man kann über manche Arbeit von ihm geteilter Meinung sein. Für mich ist es auch ein unmögliches Vorgehen, einfach eine Pflanze aus einem dubiosen Import zu nehmen und zu beschreiben. Das ändert aber nichts daran, dass diese Beschreibungen in fast allen allen Fällen taxonomisch korrekt und daher gültig waren. Man sieht ja sofort bei den Umkombinationen von Hentzschel und Augustin, wie viele Brandt´schen Namen dort plötzlich wieder zum Zuge kommen. Mich begeistert das auch nicht, aber es ist nun mal so. Soviel von meiner Seite zu diesem Thema.

Beste Grüße

Willi
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Re: Weingartia knizei

Beitragvon michael » 17. April 2013, 20:00

Hallo,

mal diese Gattung (Art) wieder hervorholen. ;)

Bild von heute, es sind die Sämlinge aus der Aussaat von 2006. Interessant daran ist für mich, das der kleinste Sämling eine Knospe zeigt, die beiden größeren noch nicht.
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viele Grüsse
michael
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