Weingartia pucarensis HJ1201

Benutzeravatar
CABAC
Moderator
Beiträge: 3880
Registriert: 1. September 2008, 07:56

Weingartia pucarensis HJ1201

Beitragvon CABAC » 24. Juli 2011, 09:04

Hallo zusammen,

manchmal kann der gute alte Professor aus B-NA-AW ganz schön fix sein. Im Mai konnten wir DKG-Mitglieder sich an seiner Neubeschreibung von Weingartia pucarensis HJ1201 in der KUAS erfreuen und keine 4 Wochen befindet sie die Neuheit schon in der aktuellen Abgabeliste seines Succulentariums.

Und CABAC ist auch nicht weniger schnell (war ja auch mal bei der Truppe, die mit den großen roten Autos ständig die Sonderrechte im öffentlichen Straßenverkehr beanspruchen) und kann deshalb HJ1201 nun auch schon hier zeigen.

Der sulcowilli hatte kürzlich hier verkündet, dass es eine Neubeschreibung von einer Weingartia der südlichen Gruppe geben würde, die jenseits des Rio Pilcomayo gefunden worden war. Nach Parodien sind ja die südlichen Weingartia CABAC’s beste Kakteenfreunde und deshalb werden diese mit einem besonderen Interesse beobachtet. Nun hat ja Weingartia frey-juckerii, mit dem Vorkommen in Gebiet in dem eigentlich nur südliche Weingartia vorkommen (kann oder sollte) schon gezeigt, dass im Pflanzenreich alles möglich ist. Warum dann nicht auch, dass Weingartia der südlichen Gruppe in ein Gebiet vordringen, in dem normaler weise bisher nur Vorkommen von Weingartia der nördlichen Gruppe dokumentiert worden sind.
wei_nördl_grp.jpg

Nun, dem sulcowilli (und ein paar anderen) wird es nicht gefallen, aber für mich ist das Gebiet südöstlich von Sucre ein so genanntes Umbruchgebiet. Das heißt u.a. dass in diesem Gebiet Pflanzen wachsen die eigentlich zu keiner bisher bekannten Art passen. Wie z.B. Parodia spec.nov. forma gibbulosa HTH 044, Parodia hegerii oder die noch unbeschriebenen Parodienfunde (HJ 442 Und HJ 447) des Entdeckers. Südlich dieses Vorkommens findet man fast ausschließlich Parodien die dem Formenschwarm P. maassii (Samengruppe Protoparodia) angehören. Nördlich des Rio Pilcomayo beginnt das Gebiet des Formenschwarms P. tuberculata (Samengruppe Protoparodia). Was der Gattung Parodia recht ist, kann den Weingartia nur billig sein. Ehrlich gesagt, mich wundert es nicht, dass HJ Jucker diese Pflanzen in diesem Umbruchgebiet gefunden hat.

Auf dem ersten Blick sieht HJ1201 wie jeder Weingartia fidaiana ssp westii Sämling aus:
wei_puca_1201_2.jpg
wei_puca_1201_3.jpg
wei_puca_1201_4.jpg

HJ 1201
westiisämling.jpg

Weingartia fidaiana ssp westii aus dem nordöstlichen Verbreitungsgebiet

Wenn da nicht ein entscheidender Unterschied wäre:
wei_puca_1201_1.jpg

die fehlende lange Pfahl- oder Rübenwurzel

Stattdessen gibt es ein Wurzelwerk, welches einer nördlichen Weingartia verdammt ähnlich sieht.

Fazit: Überirdisch sieht Weingartia pucarensis wie eine Weingartia der südlichen Gruppe aus, aber unterirdisch leider nur nach einer Weingartia der nördlichen Gruppe. Also sulcowilli, mit der Aussage, dass Weingartia der südlichen Gruppe den Pilcomayo übersprungen hat, gehe ich nicht konform. Zweifelsfrei kam man aber sagen, dass Hansjörg Jucker mit dem Fund dieser Weingartia mal wieder eine tolle Entdeckung gelungen ist.


Wer die Sämlinge von Weingartia westii aus dem Culpinabecken und südlich von Yamparaez vergleicht, könnte meinen, da hat einer unheimlich gut gepinselt

…in diesem Sinne bis nachher mal

Euer

CABAC
Es gibt nur einen Grund, warum es sich lohnt alt zu werden: Die Verwirklichung der Kindheitsträume!

sulco-willi
Beiträge: 22
Registriert: 12. Oktober 2010, 18:59

Re: Weingartia pucarensis HJ1201

Beitragvon sulco-willi » 18. August 2011, 18:05

Hallo,

Herbert, warum sollte ich etwas gegen Dein Umbruchgebiet haben? Du hast in dieser Hinsicht mehrfach Recht, wahrscheinlich mehr, als Du selbst weißt. Wir haben in dieser Gegend nicht nur merkwürdige Weingartien sondern auch einen ziemlich klar nachvollziehbaren Übergang zwischen Sulcorebutia und Weingartia. Ich werde darauf bei der Erstbeschreibung einer neuen Sulcorebutia von der Westseite des Pilcomayo zurückkommen und Prof. Diers wird vermutlich irgendwann näher auf diese Geschichte eingehen - hoffe ich.

Zu W. pucarensis möchte ich nur sagen, dass diese Pflanze absolut endemisch ist. Der Cerro Pucara ist fast mit den venezolanischen Tepuis vergleichbar. Jeder kann sich das in Google Earth anschauen. Das ist ein riesiger Felsklotz mit über 1000 m hohen Felswänden, der nur an einer Stelle zugänglich ist. Nirgendwo sonst ist etwas der W. pucarensis Vergleichbares gefunden worden.

Eigentlich sind die anderen Weingartien, die dort und westlich des Pilcomayo vorkommen noch spektakulärer, obwohl sie natürlich nicht so attraktiv aussehen, wie W. pucarensis mit ihrer oft fast "schwarz"roten Epidermis. Diese Pflanzen sehen dann wirklich aus wie W. westii haben aber rote Blüten.

Übrigens Herbert, wo habe ich geschrieben, dass südliche Weingartien nördlich des Pilcomayo vorkommen?? Hilf mir bitte auf die Sprünge...

Beste Grüße

Willi
:roll:
Besuch mich mal bei www. sulcorebutia.de

Benutzeravatar
CABAC
Moderator
Beiträge: 3880
Registriert: 1. September 2008, 07:56

Re: Weingartia pucarensis HJ1201

Beitragvon CABAC » 20. August 2011, 05:41

Hallo zusammen und hallo sulco-willi,

in dem Frey-juckeribeitrag könne wir diese Zeilen lesen: Übrigens Herbert, Formen von Weingartia westii gibt es auch auf beiden Seiten des Pilcomayo, am Westabhang der Cord. Mandinga, auf dem gegenüber liegenden Bergzug und sogar auf dem Cerro Pucara. Soweit ich informiert bin, gibt es hier bald eine Neubeschreibung.

Während ich Weingartia cintiensis entwicklungsgeschichtlich ziemlich isoliert sehe, spielt für mich Weingartia fidaiana ssp westii als Artenbrücke eine wesentlich größere Rolle.

Danke für den Kommentar, aus dem sehr berufenen Munde bzw. aus der berufenen Feder.

Schön, dass ich mit meiner Meinung, dass die Region südlich von Sucre ein sogenanntes Umbruchgebiet (was die Artentwicklung von ein paar Kakteegattungen betrifft ) ist nicht alleine stehe. Die Funde aus der Gattung Weingartia belegen dies. Hier bin ich sogar bereit, das Schubladendenken in nördliche und südliche Gruppe komplett aufzugeben.

Wer sich mit Google auf eine Bolivienreise begibt, kann in diesem Gebiet wird ein paar merkwürdige Geländeformen stoßen. Die würde ich mir gerne mal aus der Froschperspektive anschauen...

...in diesem Sinne vamos ala Bolivia

CABAC
Es gibt nur einen Grund, warum es sich lohnt alt zu werden: Die Verwirklichung der Kindheitsträume!

sulco-willi
Beiträge: 22
Registriert: 12. Oktober 2010, 18:59

Re: Weingartia pucarensis HJ1201

Beitragvon sulco-willi » 22. August 2011, 14:52

Hallo Herbert,

diese Aussage "auf beiden Seiten des Pilcomayo" bedeutet natürlich: östlich und westlich des Flusses, denn dort fließt er ja von Norden nach Süden.

Gruß

Willi
:roll:
Besuch mich mal bei www. sulcorebutia.de

Benutzeravatar
michael
Moderator
Beiträge: 1370
Registriert: 1. September 2008, 13:58
Wohnort: Niedersteinbach
Kontaktdaten:

Re: Weingartia pucarensis HJ1201

Beitragvon michael » 22. August 2011, 14:57

Hallo Willi,
sulco-willi hat geschrieben:Diese Pflanzen sehen dann wirklich aus wie W. westii haben aber rote Blüten.


Könnte ich davon mal ein Foto sehen? Das interessiert mich sehr.
viele Grüsse
michael
---
meine Kakteen und Sukkulenten

sulco-willi
Beiträge: 22
Registriert: 12. Oktober 2010, 18:59

Re: Weingartia pucarensis HJ1201

Beitragvon sulco-willi » 22. August 2011, 15:18

Hallo zusammen,

bitte macht nicht zu viel Reklame mit diesen neuen Weingartien. Seit Horacek mich mit S. sormae links überholt hat und ich meinen Artikel zur Erstbeschreibung von S. azurduyensis v. mandingaensis (er lag schon bei Herrn Metzing) einmotten musste, bin ich etwas vorsichtig geworden. Ein Bild kann ich derzeit noch nicht anbieten, da meine Pflanzen noch zu klein sind und noch nicht geblüht haben.

Dumme Frage nebenbei: wie bekomme ich überhaupt ein Bild in meinen Beitrag.

Beste Grüße

Willi
:roll:
Besuch mich mal bei www. sulcorebutia.de

Benutzeravatar
michael
Moderator
Beiträge: 1370
Registriert: 1. September 2008, 13:58
Wohnort: Niedersteinbach
Kontaktdaten:

Re: Weingartia pucarensis HJ1201

Beitragvon michael » 23. Juni 2016, 17:12

Hallo,

seit dieser Woche habe ich auch drei Pflanzen (via Diers):

Bild
viele Grüsse
michael
---
meine Kakteen und Sukkulenten

Benutzeravatar
CABAC
Moderator
Beiträge: 3880
Registriert: 1. September 2008, 07:56

Re: Weingartia pucarensis HJ1201

Beitragvon CABAC » 24. Juni 2016, 04:42

Hallo Michael

auch bei diesen Neubürgern in Deiner Sammlung wünsche ich Dir, dass Du daran lange Freude hast und dass es in Deinem Gewächshaus vielleicht schon im nächsten Jahr schon so aussieht:
IMG_1219.JPG
Weingartia pucarensis

IMG_9526.JPG
Weingartia pucarensis

Mach(t) es gut
CABAC
Es gibt nur einen Grund, warum es sich lohnt alt zu werden: Die Verwirklichung der Kindheitsträume!


Zurück zu „Sulcorebutia/Weingartia“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste